Machtwechsel Zuma wird neuer starker Mann in Südafrika

Die südafrikanische Regierungspartei ANC hat den umstrittenen Politiker Jacob Zuma in einer Kampfabstimmung zum neuen Vorsitzenden gewählt. Er löst Staatspräsident Thabo Mbeki an der Spitze des Nationalkongresses ab - eine Vorentscheidung über den nächsten Staatschef des Landes.


Polokwane - Ex- Vizepräsident Jacob Zuma ist vom Afrikanischen Nationalkongress (ANC) zum neuen Vorsitzenden gewählt worden. Dies teilte die Wahlkommission des ANC am Abend mit. Zuma schlug damit den bisherigen Amtsinhaber, den südafrikanischen Staatschef Thabo Mbeki. Der 65-Jährige, der in zahlreiche Affären verwickelt ist, setzte sich in einer Kampfabstimmung gegen Mbeki durch. Zuma kam auf 2329, Mbeki auf 1505 Stimmen. Enge Verbündete Zumas wurden in ANC-Führungspositionen gewählt.

Zuma war vor zwei Jahren von Mbeki wegen Konflikten mit der Justiz aus dem Amt des Vizepräsidenten entlassen worden. Beobachter erwarten unter der Führung des 65-Jährigen einen Linksruck in der Wirtschaftspolitik. Der Zulu-Politiker gewann vor allem die Sympathien derjenigen, die von der liberalen Wirtschaftspolitik Mbekis enttäuscht waren.

Trotz einiger Erfolge dieser Politik mit stetigem Wachstum und dem Entstehen einer schwarzen Mittelklasse lebt fast die Hälfte der Südafrikaner weiter in bitterer Armut. Die Arbeitslosenquote wird auf 13 Prozent geschätzt. Angesichts dieser Bilanz zeigte sich der ANC zum ersten Mal in seiner Geschichte genauso tief gespalten wie die Gesellschaft.

Der Wahl ging ein ungewöhnlich kontroverser Parteitag voraus, auf dem die Kontrahenten und deren Anhänger einander scharf attackierten. Zuma galt dabei von Anfang an als Favorit. Er hatte sich vor dem Parteitag die Unterstützung von rund sechzig Prozent der Delegierten gesichert. Außerdem hatte er die Unterstützung der ANC-Frauenliga und der Parteijugend. Der 65-Jährige ist im Gegensatz zu dem als zu autoritär und distanziert geltenden Mbeki vor allem für arme Bevölkerungsschichten ein Hoffnungsträger. Für Mbeki ist mit dieser Niederlage der politische Handlungsspielraum zwei Jahre vor dem Ende seines Mandates an der Staatsspitze erheblich eingeschränkt.

Zumas Weg an die Staatsspitze scheint nun frei zu sein. Auch ein aufsehenerregender Vergewaltigungsprozess, der vor zwei Jahren lediglich mit einer Rüge endete, vermochte den Politiker in seinem rasanten Aufstieg nicht zu stoppen. Damals hatte Zuma sich überdies der Lächerlichkeit preisgegeben, weil er vor Gericht erklärt hatte, wegen der HIV-Infektion der Frau, mit der er geschlafen hatte, habe er nach dem Verkehr gründlich geduscht.

Der ANC regiert Südafrika seit dem Ende der Apartheid 1994. Die Partei genießt nach wie vor große Unterstützung in der überwiegend schwarzen Bevölkerung und stellt alle anderen Gruppierungen mit ihren Beliebtheitswerten klar in den Schatten. Daher gilt es als so gut wie sicher, dass der künftige ANC-Chef auch neuer Präsident des Landes wird.

ler/AFP/Reuters



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