Stichwahlen im Senegal Dauer-Präsident Wade gesteht Niederlage ein

Der Senegal hat einen neuen Präsidenten: Der 85-jährige Amtsinhaber Wade musste sich in einer Stichwahl geschlagen geben, aus seinem Traum von einer dritten Amtszeit wird nichts. In der Hauptstadt Dakar bejubelten Tausende Wahlsieger Sall  - der hatte prominente Unterstützung.

Senegals neuer Präsident Macky Sall: Tausende feierten ihn
AFP

Senegals neuer Präsident Macky Sall: Tausende feierten ihn


Dakar - Am Ende hatten alle juristischen Tricksereien nichts genutzt: Senegals Präsident, Abdoulaye Wade, musste seine Niederlage eingestehen. Wenige Stunden nach Schließung der Wahllokale gratulierte Wade laut Staatsfernsehen seinem Herausforderer Macky Sall zum Sieg. Der 85-jährige Staatschef habe seinen Rivalen angerufen, nachdem der Trend der Auszählungsergebnisse absehbar gewesen sein, meldete der Fernsehsender RTS. Ein Berater Salls sagte, mit der Anerkennung seiner "Niederlage" habe Wade den "Sieg" Salls bestätigt.

Offizielle Wahlergebnisse werden erst am Dienstag oder Mittwoch erwartet. Sall lag jedoch in den meisten Wahllokalen offensichtlich vor Wade. Selbst in Wades Wahlkreis in Dakar erlitt der bisherige Staatschef eine deutliche Niederlage. Tausende Senegalesen versammelten sich im Zentrum der Hauptstadt, um den Wahlsieg Salls zu feiern.

Insgesamt 300 ausländische Beobachter überwachten den Urnengang, vor allem von der Afrikanischen Union, der Europäischen Union und der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft (ECOWAS). Zur Abstimmung waren 5,3 Millionen Menschen aufgerufen. Wade hatte im ersten Durchgang mit 34,8 Prozent die meisten Stimmen erhalten. Sall kam mit 26,6 Prozent auf den zweiten Platz. Doch vor der Stichwahl erhielt Sall die Unterstützung aller zwölf anderen Kandidaten, die in der ersten Runde ausgeschieden waren. Auch der Weltmusik-Star Youssou N'Dour unterstützte Sall.

Wades Kandidatur war von Anfang an umstritten und die Wahl von teils gewalttätigen Protesten überschattet. Eigentlich sieht die Verfassung des westafrikanischen Landes maximal zwei Amtszeiten für den Präsidenten vor. Das oberste Gericht fand jedoch ein juristisches Schlupfloch für Wade: Da er im April 2000 ein Jahr vor der Verabschiedung der neuen Verfassung das erste Mal zum Staatsoberhaupt gewählt worden war, wurde er erneut zur Wahl zugelassen.

anr/dpa/AFP



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