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05. März 2014, 20:31 Uhr

Proteste in Venezuela

Maduro gedenkt Chávez an Todestag mit Parade

Venezuela ist ein Jahr nach dem Tod von Hugo Chávez tief gespalten: Zum ersten Todestag des Ex-Präsidenten hat dessen Nachfolger Maduro mit einer Parade an den verstorbenen "Kommandante" gedacht. Die Opposition setzte die Proteste gegen die Situation im Land fort.

Caracas - Aus einer offenen Limousine haben Venezuelas Präsident Nicolás Maduro und seine Frau Cilia Flores der Menschenmenge in Caracas zugewinkt, hinter ihnen fuhren Panzer, über ihnen kreisten Kampfhubschrauber. Zum ersten Todestag von Hugo Chávez hat dessen Nachfolger mit einer Parade an den verstorbenen "Kommandante" gedacht.

Doch die festliche Stimmung herrschte nicht in der gesamten Hauptstadt: Im Ostteil errichteten Regierungsgegner Barrikaden, um den Verkehr zu stoppen. Allerdings konnte die Opposition zunächst nur einige hundert Anhänger mobilisieren.

Bei Maduros Parade erklang aus Lautsprechern die Nationalhymne mit der markanten Stimme von Chávez. Venezuelas Ex-Präsident war vor einem Jahr an Krebs gestorben. Maduro war in den vergangenen Wochen durch Studentenproteste in Bedrängnis geraten. Mit dem Gedenken an den "Kommandante" versuchte er, neue Sympathie in der Bevölkerung zu gewinnen.

Wie Maduro es darstellt, ist Chávez nur körperlich gestorben, seinen Geist hält er für lebendig. An der Gedenkkundgebung mit tausenden Anhängern nahmen auch Kubas Präsident Raúl Castro und Boliviens Staatschef Evo Morales teil.

Gegen Inflation und Mangelwirtschaft

Auf der Oppositionsseite protestierten nur etwa 300 Menschen, einige von ihnen blockierten mit Baumstümpfen und Sperrmüll die Straßen. In den vergangenen Wochen waren bei Zusammenstößen von Regierungsgegnern und Sicherheitskräften mindestens 18 Menschen getötet worden. Die Protestwelle gegen eine hohe Kriminalitätsrate, eine extreme Inflation und Mangelwirtschaft ist die bislang größte Herausforderung für Maduro. Die meisten Beobachter sehen seine Macht aber nicht ernsthaft in Gefahr.

Chávez war am 5. März 2013 nach 14 Jahren an der Macht an Krebs gestorben. Sein Nachfolger setzte sich bei Wahlen im April knapp gegen den Oppositionskandidaten Henrique Capriles durch. Aufgrund der demonstriert die Opposition seit Wochen gegen die Links-Regierung. Bislang gab es 18 Todesopfer und Hunderte Verletzte. Am Donnerstag und Samstag sollen weitere Protestmärsche folgen.

vek/AFP/dpa

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