Abgehörte Telefonate Mafia in Rom macht Geld mit Flüchtlingen

Die italienische Polizei ist mit Razzien gegen die Mafia in Rom vorgegangen. Jetzt veröffentlichte Telefonmitschnitte zeigen, dass die Mafiosi mit der Unterbringung von Flüchtlingen Geschäfte machen und bis ins Stadtparlament vernetzt sind.

Ros Carabinieri

Hamburg - Die Mafia in Rom hat offenbar mit Flüchtlingen und der Manipulation von öffentlichen Aufträgen Millionen gemacht. Das geht aus Protokollen von abgehörten Telefonaten hervor, die die Staatsanwaltschaft nun veröffentlicht hat.

"Die Gewinne machen wir mit den Zigeunern, den Notunterkünften und den Einwanderern", prahlte Salvatore Buzzi, Komplize des mutmaßlichen Mafia Bosses Massimo Carminati, demnach in einem abgehörten Gespräch. Man habe das Jahr mit "40 Millionen Euro Umsatz abgeschlossen", ist in dem Video zu hören.

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Der italienischen Polizei war am Dienstag ein wichtiger Schlag gegen die römische Mafia gelungen. Sie nahm 37 Menschen fest - darunter hohe Funktionäre des Öffentlichen Dienstes und der Politik. Insgesamt wird gegen einhundert Menschen ermittelt, wie die Nachrichtenagentur Ansa berichtet. Unter ihnen ist der frühere Bürgermeister der Hauptstadt Rom Gianni Alemanno. Die Vorwürfe lauten Bildung einer mafiösen Vereinigung, systematische Korruption, Kreditwucher, Geldwäscher.

Der mutmaßliche Kopf der römischen Mafia, Massimo Carminati, ist in Italien kein Unbekannter. Der rechtsextreme Boss, der in den Siebzigerjahren laut taz.de zunächst als Rechtsterrorist und später in einer römischen Verbrecherbande Karriere machte, soll die Strukturen unabhängig von Mafia-Organisationen in Süditalien aufgebaut haben. Die Hauptstadtmafia sei nicht nur eine Bande von Kriminellen, sondern bestehe aus einem Netz von unverdächtigen Firmen, berichten italienische Medien.

Zum Netzwerk gehörten offenbar enge Mitarbeiter der Bürgermeisters von Rom, die regelmäßig Zusatzeinkommen von bis zu 15.000 Euro erhielten. Auf der Gehaltsliste standen unter anderem der Chef der städtischen Müllabfuhr sowie der Chef einer kommunalen Gesellschaft, die einen großen Immobilienbesitz verwaltet, heißt es weiter.

Im Gegenzug für die Schmiergelder sollen die Bestochenen öffentliche Aufträge manipuliert haben. Die römische Mafia kümmerte sich so unter anderem um die Pflege öffentlicher Grünanlagen, Teile der Müllabfuhr und eben die Unterbringung von Flüchtlingen.

Bei der Durchsuchung von Behörden, Büros und Privatwohnungen, darunter auch die Alemannos - wurden insgesamt laut Ansa Güter im Wert von etwa 200 Millionen Euro beschlagnahmt. Es soll den Berichten zufolge in den seit Monaten andauernden Ermittlungen um Korruption und Manipulationen bei Auftragsvergaben und in den öffentlichen Finanzen gehen.

Im Fokus der Ermittlungen steht wohl auch der Präsident des Stadtparlaments, Mirko Coratti. "Den habe ich mir gekauft, der spielt jetzt für mich", sagt Buzzi über Coratti in einem abgehörten Telefonat. Coratti trat nun zurück. Auch der sozialdemokratische Baubürgermeister für den Wohnungsbau legte sein Amt nieder.

brk/sam/dpa



insgesamt 6 Beiträge
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centerpoints 03.12.2014
1. ...ausgebremst!
...die italienischen Mafiajäger sind mutig und konsequent und vor allem nicht ausgebremst wie hier in deutschland...4 hessische steuerfahnder wurden von ihrem dienstherrn ausgebremst und für dienstuntauglich erklärt...nur weil ihre ermittlungen gegen geldwäsche und steuerhinterziehung in richtung landespolitik und parteifunktionäre des r. koch ging...mafiöser geht´s wohl kaum.
ein-berliner 03.12.2014
2.
Ist ja ganz was neues in Italien....
C. Goldbeck 04.12.2014
3.
Diese Typen machen satte Profite mit Menschen in Not und Elend. Dann prahlen diese A-Geigen noch wie toll das ist. Die sind das Allerletzte. Und das Schlimme ist, die kommen damit durch und halten sich für Ehrenmänner.
Margot 357 04.12.2014
4. Die hatten dabei noch richtig Glück!
Zitat von centerpoints...die italienischen Mafiajäger sind mutig und konsequent und vor allem nicht ausgebremst wie hier in deutschland...4 hessische steuerfahnder wurden von ihrem dienstherrn ausgebremst und für dienstuntauglich erklärt...nur weil ihre ermittlungen gegen geldwäsche und steuerhinterziehung in richtung landespolitik und parteifunktionäre des r. koch ging...mafiöser geht´s wohl kaum.
In Bayern kann man dafür schon in der Psychatrie landen wie im Fall Gustl Mollath. Die damals zuständige bayrische Justizministerin hat ja jetzt eine tolle Anschlusskarriere in Brüssel.
nimmersatt 04.12.2014
5. Ob diese Wahrnehmung und Beobachtung bereits..
über die Alpen bis nach deutschland vorgedrungen ist - ÄUSSERST fragwürdig? Dazu reagieren DEUTSCHE Mandatsträger erst, wenn es die Spatzen von den Dächern pfeifen! Eigeninteresse geht vor und wer nicht hat in diesen Kreisen selbst Wohnung die nun für "gutes" Geld zur Vermietung bereit steht!
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