Magere Umfragewerte, fette Spenden Onkel Georges Geldspeicher

Während US-Präsident Bush mit einem gigantischen Staatsdefizit zu kämpfen hat, braucht er sich um sein Wahlkampfbudget keine Sorgen zu machen: Seine fleißigen Helfer haben schon fast 90 Millionen Dollar gehortet. Die eifrigsten Spender kommen aus dem Energie- und Bankensektor. Kein Wunder.
Von Horst von Buttlar



Washington - 285 Männer und Frauen haben ganze Arbeit für George W. Bush geleistet. Seit Mai schwärmen im Land Helfer aus, um Geld für die Wiederwahl des Präsidenten zu beschaffen. Wie die "Washington Post" in ihrer Ausgabe vom Mittwoch berichtete, wurden allein in den letzten drei Monaten knapp 50 Millionen Dollar an Wahlkampfspenden gesammelt - ein Rekordergebnis. Insgesamt hat Bush jetzt 84 Millionen in der Kriegskasse für die Wiederwahl im November nächsten Jahres. Geld, das er gut brauchen kann: schlechte Umfrageergebnisse, die ungeklärte Irak-Frage und ein Haushaltdefizit von rund 400 Milliarden Dollar gefährden seine zweite Amtszeit.

Ein Großteil des Geldes haben allein 285 Personen beschafft, in der speziellen Wahlkampf-Sprache des Bush-Clans werden sie nun als "Ranger" oder "Pioneer" geadelt. Auch der Gegenspieler von Bush, der Gouverneur von Vermont Howard Dean, hat laut "Washington Post" Spenden erhalten. Er setzt bei seiner Kampagne ganz auf das Internet, doch die knapp 15 Millionen Dollar, die er im letzten Quartal gespendet bekam, werden von Bushs Summen in den Schatten gestellt.

Insgesamt kommt Bush auch der Amtsbonus zu Gute, traditionell mobilisiert in den USA der Präsident mehr Geld als sein Herausforderer. Allerdings war Bush bereits bei der Wahl im Jahr 2000 sehr erfolgreich, sogar schon zu der Zeit, als er noch gar nicht offizieller Kandidat der Republikaner war. 30 Millionen Dollar häufte Bush allein 1999 in einem Quartal an. Besonders aus Texas und aus Florida, wo sich ein Jahr darauf sein Schicksal entschied und sein Bruder Jeb Gouverneur ist, sprudelt laut "Washington Post" die Wahlkampfunterstützung kräftig.

Ein Großteil der Spender bedankt sich loyal bei George Bush für dessen engagierte Klientelpolitik. So sind unter den Geldgebern große Namen von der Wall Street, des Bankensektors, Vertreter der Atomindustrie und der Bau- und Immobilienbranche. Sie machen aus ihren erlangten Vorteilen keinen Hehl. So sagte der Präsident des "Nuclear Energy Institute", Joe F. Colvin, zur "Washington Post", dass die Bush-Administration "sehr gut für die Industrie und die Nation" gewesen sei. Bush habe den Wert der Atomenergie erkannt. Ein Sprecher des "Edison Electric Institute" lobte Bushs Energiepolitik in Bezug auf die Kraftwerksemissionen.

Auch die Wall Street scheint sich wohl unter Bush zu fühlen und bedankte sich für die Steuergeschenke mit üppigen Summen. Die Angestellten des Brokerhauses Merill Lynch etwa spendeten 280.000 Dollar. Ein Vertreter der Finanzbranche erläuterte der "Washington Post" die Fürsorge: Die Steuererleichterungen von Bush auf Dividendenerträge und Kapitalgewinne seien sehr wichtig für das Investment-Geschäft gewesen.

Das Budget ist für den aufwendig inszenierten Wahlkampf in den USA entscheidend. Die schlagkräftigen "Fund Raiser", die Einzelspenden in ihren privaten Netzwerken einsammeln, haben dabei eine zentrale Position, da auch in den USA ein Gesetz die Richtlinien für Parteispenden im letzten Jahr verschärft hat. Wer 200.000 Dollar zusammen hat, wird in der Bush-Sprache ein "Ranger" - eine Stellung, die sich bezahlt machen kann.

Der texanische Geschäftsmann Mercer Reynolds etwa, der im Jahr 2000 alleine 600.000 Dollar für die Kampagne von Bush eintreiben konnte, wurde danach Botschafter in der Schweiz. Für die Wahlschlacht im nächsten Jahr wollte er allerdings nicht untätig in Bern herumsitzen: Er ging zurück nach Washington und wurde Finanzchef des Wahlkampfstabes von Bush. Die Zeit in der Schweiz war jedoch nicht umsonst - mehrere Schweizer Konzerne haben sich nach Informationen des Schweizer Magazins "Facts" dazu entschlossen, Bush zu unterstützen. Zwar bekommen auch die Demokraten etwas, doch ungleich weniger. Der Chemiekonzern Novartis etwa gab rund 400.000 Dollar an Bush, die Demokraten bekamen nur ein Viertel der Summe. Mit auf der Spenderliste sind auch die Schweizer Bank UBS und Nestlé.

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