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Irans früherer Präsident Ahmadinedschad: "Der Irre aus Teheran"

Foto: Vahid Salemi/ AP

Irans Ex-Präsident Was wurde eigentlich aus... Mahmud Ahmadinedschad?

Acht Jahre lang düpierte Mahmud Ahmadinedschad als iranischer Präsident die Welt - mit Drohungen gegen Israel und seinem Atomprogramm. Nach dem Machtwechsel war er monatelang abgetaucht, jetzt zeigt er sich wieder. Will er zurück an die Macht?

Kürzlich hat sich Mahmud Ahmadinedschad mal wieder öffentlich bejubeln lassen. Fotos zeigen den früheren Präsidenten Irans am 25. Todestag von Ajatollah Chomeini - inmitten begeisterter Massen, die ihm auf die Schulter klopfen, ihm die Hände schütteln, ihn umarmen. Seit Wochen kursieren solche Bilder im Internet: Ahmadinedschad inmitten seiner Fans. Sie zeigen ihn als Redner oder als Mann des Volkes, der mit dem Linienbus fährt. Stets präsentiert er sich mit seinem Markenzeichen: der angeschmuddelten, khakifarbenen Windjacke. Niemand weiß, wer all diese neuen Fotos lanciert hat. Aber Millionen Iraner fragen sich nun: Startet "Herr A.", wie sie ihn halb verächtlich, halb ehrfürchtig nennen, ein politisches Comeback?

"Ahmadinedschad ist auffällig präsent in der Öffentlichkeit, und er hat immer noch Hunderttausende Anhänger", sagt Walter Posch, Iran-Experte der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik. "Wenn sich die Lage im Land nicht bessert, hat er eine Chance, noch einmal Präsident zu werden." Seit sein früherer Sprecher Gholam-Hussein Elham Ende März die Bewegung "Ahmadinedschads Anhänger" gegründet hat, sind die Reformer in Teheran nervös. Nichts fürchten sie so sehr, wie die Rückkehr des unberechenbaren Ultranationalisten ins höchste politische Amt der Islamischen Republik.

Acht Jahre lang düpierte Mahmud Ahmadinedschad die Welt. Kein Politiker der Islamischen Republik Iran, nicht einmal Chomeini damals, hat den Westen so oft provoziert wie dieser schmächtige Mann mit dem Dreitagebart.

  • Mal behauptete Ahmadinedschad, die US-Regierung habe das Terrorattentat des 11. September 2001 selbst organisiert.
  • Regelmäßig nannte er den Holocaust eine Lüge.
  • Mehrfach drohte er, Israel auszulöschen.
  • Mit seinem Atomprogramm brachte er die internationale Gemeinschaft endgültig gegen sich und den Gottesstaat auf.

Die Atombombe und der Irre

Der "Irre von Teheran", wie ihn Diplomaten spöttisch nannten, ließ einen Reaktor nach dem anderen hochfahren, er verwehrte internationalen Kontrolleuren Zugang zu den Nuklearanlagen, die angeblich nur der friedlichen Stromgewinnung dienen sollten. Und erteilte seinen Forschern den Auftrag, Uran immer weiter anzureichern - bis zur Waffentauglichkeit.

Die Atombombe in der Hand von Ahmadinedschad - das war eine Horrorvorstellung für die Spitzenpolitiker des Westens. Jahrelang verhandelten sie mit den iranischen Abgesandten, ließen sich wieder und wieder hinhalten. Dann beschlossen sie ein Öl-Embargo und weitere Wirtschaftssanktionen. So isolierte der Westen Teheran schließlich. Im Sommer 2013 lief Ahmadinedschads zweite Amtszeit ab und er musste verfassungsgemäß seinen Posten räumen. Der gemäßigtere Hassan Rohani folgte ihm auf dem Präsidentenposten.

Offiziell wechselte der gelernte Bauingenieur Ahmadinedschad an die Technische Hochschule Teheran. Tatsächlich tauchte er monatelang ab. Die neue Regierung und die Justiz knöpften sich seine alten Getreuen wegen Korruption vor. Von den 650 Milliarden US-Dollar, die Iran während Ahmadinedschads Herrschaft mit dem Erdölverkauf erlöste, sind rund 200 Milliarden Dollar versickert, schätzt die "Financial Times" unter Berufung auf Ökonomen und Regierungskreise. Ahmadinedschad platzierte Tausende linientreue Apparatschiks in Ministerien, Behörden und Rathäusern. "Vor allem die Revolutionsgarden sind unter Ahmadinedschad reich geworden"; sagt Henner Fürtig, Direktor des Hamburger GIGA-Instituts für Nahost-Studien. Kaum zu glauben, dass der Präsident nichts davon wusste.

Ahmadinedschad hat ein ökonomisches Chaos hinterlassen

In den letzten Amtsmonaten rückte sein wichtigster Fürsprecher von ihm ab: Ajatollah Chamenei, oberster religiöser Führer und wohl mächtigster Mann Irans. Jetzt wird Ahmadinedschads einstigem Stellvertreter und weiteren Getreuen der Prozess gemacht. Manche Gefolgsleute wurden bereits zu langen Haftstrafen verurteilt. Der Milliardär und Ahmadinedschad-Günstling Mehafarid Amir Khosravi wurde gehängt, drei weitere zum Tode Verurteilte warten auf die Vollstreckung. Aber Ahmadinedschad selbst bleibt unbehelligt. Zweimal wurde er bereits bei Gericht vorgeladen - erschienen ist er nicht und bestraft wurde er auch nicht. "Er ist zu mächtig", sagt ein langjähriger Iran-Kenner.

Dabei hat Ahmadinedschad ein ökonomisches Chaos hinterlassen. Die Wirtschaftsleistung ist 2013 um fast sechs Prozent eingebrochen, die Jugendarbeitslosigkeit auf offiziell 25 Prozent und die Inflation auf geschätzte 40 Prozent hochgeschossen. Der Staat mit den viertgrößten Erdölreserven der Welt muss Tausende Tonnen Benzin importieren. "Viele Bürger, allen voran die Angehörigen der Mittelklasse, haben Misswirtschaft und Korruption satt", sagt der schwedisch-iranische Politikwissenschaftler Rouzbeh Parsi. Aber in armen Bevölkerungsteilen und ländlichen Regionen sowie bei den Nationalisten genieße Ahmadinedschad noch beachtlichen Zuspruch.

Offiziell bestreitet der 56-Jährige, bei den nächsten Wahlen 2017 wieder Präsident werden zu wollen. Jedoch trat er kurz nach der Gründung der Bewegung "Ahmadinedschads Anhänger" plötzlich wieder öffentlich auf: in der Provinz Chuzestan an der Grenze zum Irak, wo einst der Krieg tobte. "Wir werden nur Frieden finden, wenn die (iranische) Märtyrerflagge oben auf dem Weißen Haus weht", rief er. Der Ex-Präsident weiß, was sein Publikum hören will.

Ob er es noch mal auf die ganz große Bühne schafft, hängt von den Erfolgen seines Nachfolgers ab. "Wenn es Rohani nicht gelingt, einen Nuklear-Deal mit dem Westen auszuhandeln und die Wirtschaft zu stärken, gibt es einen Schwenk hin zu den religiösen Hardlinern", vermutet ein Teheran-Kenner. Und mit dem Klerus versteht sich Ahmadinedschad offenbar wieder gut. Zumindest deutet das ein neues Foto an, das im Web kursiert: Es zeigt Ahmadinedschad beim gemeinsamen Gebet mit Ajatollah Chamenei. Er ist schon wieder ganz nah dran an der Macht, könnte man schlussfolgern. Oder ein großartiger Selbstvermarkter.


Was wurde eigentlich aus...