Mailand Berlusconi erscheint erstmals seit Jahren vor Gericht

Seltener Auftritt: Erstmals seit acht Jahren zeigte sich Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi persönlich vor Gericht. Zu den Richtern sagte er nichts - ließ aber via Live-Schaltung in einem seiner TV-Sender verbreiten, die Betrugsvorwürfe seien "lächerlich".

Italiens Ministerpräsident Berlusconi vor Gericht: Alles "tutto bene" gelaufen
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Italiens Ministerpräsident Berlusconi vor Gericht: Alles "tutto bene" gelaufen


Mailand - "Ich bin der am meisten beschuldigte Mann der Weltgeschichte", jammerte Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi telefonisch in seinem seiner privaten Fernsehsender - kurz vor seiner Anhörung vor einem Mailänder Gericht. Dort ging es am Montag um Steuerbetrug, Untreue und darum, ob Berlusconi ein weiteres Verfahren bekommt.

Der 74-jährige Milliardär erschien - trotz mehrerer Verfahren - erstmals seit acht Jahren persönlich und unter strengen Sicherheitsvorkehrungen vor einem Gericht. Während der zweistündigen Anhörung, die hinter verschlossenen Türen stattfand, machte er zu den Anschuldigungen keine Aussagen, wies sie jedoch telefonisch per Live-Schaltung in einem seiner privaten Fernsehsender zurück: "Die Staatsanwälte haben klargemacht, dass sie mich anklagen wollen. Dabei schrecken sie selbst vor Lächerlichkeiten nicht zurück", sagte Berlusconi.

Wie auch in anderen Verfahren gegen ihn warf er der Linken vor, sich der Justiz und "politisierter Richter" zu bedienen, weil sie ihn politisch nicht besiegen könne. Hinterher winkte Berlusconi Hunderten Anhängern zu und erklärte: "Tutto bene - es ist alles glatt gelaufen." Der Medienmogul kündigte an, auch zum kommenden Termin in einer Woche persönlich erscheinen zu wollen. Sein Anwalt Niccolo Ghedini sagte, sein Mandant werde an den Anhörungen teilnehmen, sofern es sein Terminplan erlaube.

Nächste Woche beginnt der Ruby-Prozess

Eine Entscheidung der Richter wird Ende Mai erwartet. Sollte es zu einer Klage kommen, wären vier Verfahren gegen den italienischen Regierungschef anhängig. Dabei geht es um Steuerbetrug und Untreue innerhalb der Gruppe Mediatrade, einem Unternehmen von Berlusconis Finanzholding Fininvest. Mediatrade soll Film- und Fernsehrechte zu überhöhten Preisen gekauft haben, um mit der Differenz Schwarzgeldkonten anzulegen.

Die Ermittlungen richten sich auch gegen Berlusconis Sohn Piersilvio sowie gegen Mediaset-Chef Fedele Confalonieri, einem der engsten Vertrauten des Ministerpräsidenten. Berlusconi weist alle Vorwürfe von sich. Er habe sich innerhalb seines Mediaset-Konzerns, dem Mutterhaus von Mediatrade, niemals um den Kauf von Filmrechten gekümmert, sagte er im Fernsehen.

Berlusconi wurde in der Vergangenheit stets freigesprochen oder die Verjährungsfrist der Anschuldigungen war abgelaufen. Seit das italienische Verfassungsgericht im Januar ein umstrittenes Immunitätsgesetz teilweise aufgehoben hatte, muss sich der Regierungschef bereits in zwei weiteren Korruptionsverfahren verantworten.

Am 6. April beginnt zudem der Prozess in der Sexaffäre um eine junge Marokkanerin: Die Staatsanwaltschaft wirft ihm unter anderem Bezahlung einer Minderjährigen für Sex und Amtsmissbrauch vor. Ob Berlusconi zur Verhandlung erscheint, ist nach Angaben seines Anwaltes noch nicht entschieden.

lgr/AFP/AP/dpa

insgesamt 3 Beiträge
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bomdia 28.03.2011
1. Um den
Zitat von sysopSeltener Auftritt: Erstmals seit acht Jahren zeigte sich Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi persönlich vor Gericht. Zu den Richtern sagte er nichts - ließ aber via Live-Schaltung in einem seiner TV-Sender verbreiten, die Betrugsvorwürfe seien "lächerlich". http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,753709,00.html
beneide ich sie nicht, die Italiener. Andererseits wenn ich mich bei uns umschaue, sind wir auch nicht zu beneiden.UND Berluskoni verstellt sich wenigstens nicht.
fxe1200 29.03.2011
2. So denke ich auch....
Zitat von bomdiabeneide ich sie nicht, die Italiener. Andererseits wenn ich mich bei uns umschaue, sind wir auch nicht zu beneiden.UND Berluskoni verstellt sich wenigstens nicht.
...denn was ist wohl gesünder, eine Minderjährige zu vernaschen oder die alten Atommeiler weiterlaufen zu lassen?
roflem 29.03.2011
3. die Burlonescisierung
Das Phänomen der Berlusca hat sich schon ausgebreitet. Schaut man nach Frankreich....sogar bei uns scheint er schon genug Fans zu haben. Italien wird noch Jahrzehnte unter den Folgen der Burleske leiden, selbst wenn er am 6.4. in den Knast gehen würde ( was ja nicht passieren wird). Mal gesehen was seine Bande gerade mit der "Justizreform" vorhat? Je nach Erfolg wird das dann auch in andere Länder exportiert.....
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