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Malala Yousafzai: "Feminismus ist ein anderes Wort für Gleichheit"

Foto: Markus Schreiber/ AP

Malala Yousafzai zurück in Pakistan Rückkehr einer Abgelehnten

Nachdem ein Taliban-Anhänger ihr in den Kopf geschossen hatte, kam Malala Yousafzai 2012 zur Behandlung nach England - und blieb. Erstmals seit der Tat ist die Friedensnobelpreisträgerin nun wieder in ihrer Heimat.

Malala Yousafzai spaltet die Gemüter in ihrem Heimatland Pakistan. Viele feiern sie als Ikone für den Kampf gegen islamischen Extremismus, als junge Frau, die den Taliban die Stirn bietet, sich nicht den Mund verbieten lässt und sich für die Rechte von Frauen einsetzt. Aber nicht wenige halten sie auch für "eine Verräterin", für "eine Marionette des Westens" und eine "Schande für den Islam". In der Nacht auf Donnerstag ist sie erstmals seit sechs Jahren nach Pakistan zurückgekehrt, vorerst nur für einen viertägigen Besuch.

Es ist die Rückkehr in ihr Heimatland, das ihr trotz aller Ablehnung, die ihr von dort entgegenschlägt, nach eigenem Bekenntnis am Herzen liegt. Yousafzai, Tochter eines Lehrers, geboren und aufgewachsen im Swat-Tal im Norden von Pakistan, hatte 2009 begonnen, für den britischen Sender BBC ein Internettagebuch zu führen. Darin berichtete sie, wie sie sich den Anordnungen der Taliban, die damals das Swat-Tal rechtswidrig besetzt hatten, widersetzte und trotz allem zur Schule ging. Unter ihrem Pseudonym Gul Makai wurde sie damals über Pakistan hinaus bekannt.

Im Oktober 2012 stoppte ein Mitglied der pakistanischen Taliban ihren Schulbus, fragte nach Yousafzai und schoss dem Mädchen aus nächster Nähe in den Kopf. Yousafzai und eine Mitschülerin wurden schwer verletzt, Yousafzai zunächst in einem Militärkrankenhaus in Peschawar notoperiert und anschließend zur Behandlung nach England ausgeflogen.

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Malala Yousafzai: "Feminismus ist ein anderes Wort für Gleichheit"

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Der Schütze wurde später festgenommen und zu 25 Jahren Haft verurteilt. Für die Tat wurde der Chef der pakistanischen Taliban, Mullah Fazlullah, verantwortlich gemacht. Vor wenigen Tagen wurde dessen Sohn von einer US-Drohne getötet. Fünf Millionen Dollar Kopfgeld haben die USA für Informationen über Fazlullah selbst ausgesetzt.

Die Taliban hatten sich zu der Tat bekannt, weil Yousafzai, entgegen der Ideologie der Extremisten, Schulbildung für Mädchen gefordert und sich als Bildungsaktivistin engagiert hatte. Man habe sie als Ziel ausgewählt, weil sie für Friedensgespräche mit den Taliban sei, hieß es aus Taliban-Kreisen.

Malala Yousafzai überlebte das Attentat und gilt seither vielen weltweit als Ikone für das Recht auf Bildung von Mädchen und den Kampf gegen Extremismus. In weiten Teilen der pakistanischen Gesellschaft ist sie jedoch als "Sprachrohr des Westens" verschrien - vor allem, nachdem sie 2014 als jüngste Empfängerin in der Geschichte den Friedensnobelpreis erhalten hatte. Bereits im Jahr 2013 war sie dafür nominiert gewesen, damals noch ohne Erfolg.

Die nächste Premierministerin Pakistans?

Kritiker werfen ihr vor, ihr Schicksal zu vermarkten. Auch ihrem Vater wird vorgehalten, nur an Geld interessiert zu sein. Für weitere Kritik sorgt die Aussage Yousafzais, sie könne sich vorstellen, in die Politik zu gehen. Ihr Traum sei, Premierministerin von Pakistan zu werden. Eine Welle des Hasses und des Neids schlägt ihr entgegen, ein Taliban-Anhänger kündigte an, Yousafzai töten zu wollen, sollte sie je nach Pakistan zurückkehren.

Doch das schüchtert das Mädchen nicht ein. Yousafzai kündigte immer wieder an, zurückgehen zu wollen. "Das ist meine Heimat, das ist mein Land", sagte sie - und schlug Warnungen in den Wind, sie sei in Pakistan nicht sicher und setze im Falle einer Rückkehr ihr Leben aufs Spiel, wie die 2007 ermordete Premierministerin Benazir Bhutto. Yousafzai lebt mit ihrer Familie derzeit in Großbritannien und studiert an der Eliteuniversität Oxford Philosophie, Politik und Wirtschaft.

Am Mittwochabend flog sie trotz aller Warnungen nach Islamabad. Die Regierung teilte mit, man habe aus diesem Grund die Sicherheitsvorkehrungen in der Hauptstadt verschärft. Am heutigen Donnerstag steht ein Treffen mit dem Regierungschef Shahid Khaqan Abbasi auf dem Programm. Außerdem werde sie mit verschiedenen Akteuren über Bildung in ländlichen Regionen und insbesondere für Mädchen sprechen, heißt es.

Unklar ist, ob sie auch in ihre Heimatstadt Mingora im Swat-Tal reisen werde, wo der Anschlag auf sie verübt wurde. Sie und ihre Familie hätten den Wunsch geäußert, dorthin zu reisen, aber man müsse erst die Sicherheitslage bewerten, teilen pakistanische Sicherheitskreise mit. Details ihres Reiseplans müssten aus Sicherheitsgründen geheim gehalten werden.

Es handele sich nur um einen "Kurzbesuch", heißt es aus der Regierung in Islamabad weiter. Ob Yousafzai dauerhaft zurückkehre, wisse man nicht. Vielleicht werde Yousafzai sich ja nach diesem Besuch bewusst, dass eine Rückkehr zu gefährlich für sie sei. Aber das, heißt es weiter, müsse sie selbst entscheiden.