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25. Juli 2014, 13:04 Uhr

MH17-Ermittlungen

Flugschreiber sind beschädigt - Daten aber offenbar intakt

Die Flugschreiber von MH17 sollen helfen, den Abschuss des Passagierfliegers zu rekonstruieren. Laut russischen Angaben wurden die Rekorder bei der Katastrophe beschädigt. Die gespeicherten Daten sind aber offenbar heil geblieben.

Moskau - Von den Daten der beiden MH17-Flugschreiber erhoffen sich Experten wertvolle Hinweise auf den genauen Ablauf des Vorfalls über der Ostukraine, bei dem 298 Menschen ums Leben gekommen waren. Nun meldet das russische Zwischenstaatliche Luftfahrtkomitee: Die Aufnahmegeräte haben beim Abschuss in der vergangenen Woche "mechanische Schäden" davon getragen. Damit dürften Beschädigungen der Hülle gemeint sein. Die gute Nachricht: Auf die gespeicherten Daten haben diese offenbar keinen Einfluss.

Man habe bei einer Untersuchung leichte Defekte an den Geräten festgestellt, heißt es in einer Mitteilung des Komitees, das Luftfahrtunglücke in zahlreichen aktuellen und ehemaligen GUS-Staaten untersucht. Es gebe aber keine Hinweise, dass die Rekorder manipuliert oder absichtlich beschädigt worden sein könnten. Zu letzterem Schluss waren zuvor schon niederländische Ermittler gekommen.

Das russische Komitee ist eine von zahlreichen internationalen Organisationen, die mit der Aufklärung der MH17-Katastrophe betreut sind.

Eine Woche nach dem Abschuss des Flugzeugs der Malaysia Airlines haben Ermittler zudem ein neues großes Wrackteil sowie weitere Leichen gefunden. Das berichten verschiedene australische Medien. Sie berufen sich auf Sprecher der OSZE, die unter anderem australische Ermittler in das Absturzgebiet begleitet hatten.

Der Fundort liege unweit der anderen Wrackteile. Die Ermittler - darunter zwei australische Diplomaten und ein Forensiker - seien zunächst nicht dafür ausgerüstet gewesen, die Leichen zu bergen, berichteten der Fernsehsender ABC und die Zeitung "Sydney Morning Herald". Bei dem Wrackteil handelt es sich demnach um einen Teil des Rumpfes, in dem Sitze und Fenster noch intakt waren.

Neue Vorwürfe gegen Russland im Ukraine-Konflikt

Die USA beschuldigten am Donnerstag Russlands Truppen, von eigenem Staatsgebiet aus ukrainische Armeestellungen mit Artillerie zu beschießen. Dafür hat die US-Regierung nach eigenen Angaben Beweise. Moskau plane zudem, weitere Raketenwerfer an die prorussischen Separatisten im Osten der Ukraine zu liefern, sagte eine Sprecherin des US-Außenministeriums. Die Hinweise kämen von Geheimdiensten befreundeter Staaten. Details nannte sie nicht.

Aus dem US-Verteidigungsministerium verlautete, Russland habe seine Truppen an der Grenze zur Ukraine zuletzt verstärkt. In den vergangenen Wochen habe die russische Armee jede Woche ein neues Bataillon ins Grenzgebiet verlegt und die Truppenstärke so auf 15.000 Soldaten erhöht. "Es sieht wie ein stetiger Aufbau aus", sagte ein Vertreter des Pentagon.

Die USA und die Ukraine beschuldigen seit Wochen Russland, nicht stark genug auf die prorussischen Separatisten einzuwirken, um den Konflikt im Osten des Landes zu entschärfen. Aus Washington hieß es nun, die russische Regierung plane zudem, Raketenwerfer an die Milizen zu liefern. Eine Stellungnahme aus Moskau lag dazu zunächst nicht vor.

jok/Reuters/dpa

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