MH17-Ermittlungen Flugschreiber sind beschädigt - Daten aber offenbar intakt

Die Flugschreiber von MH17 sollen helfen, den Abschuss des Passagierfliegers zu rekonstruieren. Laut russischen Angaben wurden die Rekorder bei der Katastrophe beschädigt. Die gespeicherten Daten sind aber offenbar heil geblieben.

Black Box der MH17-Maschine: Schäden an der Hülle festgestellt
AFP

Black Box der MH17-Maschine: Schäden an der Hülle festgestellt


Moskau - Von den Daten der beiden MH17-Flugschreiber erhoffen sich Experten wertvolle Hinweise auf den genauen Ablauf des Vorfalls über der Ostukraine, bei dem 298 Menschen ums Leben gekommen waren. Nun meldet das russische Zwischenstaatliche Luftfahrtkomitee: Die Aufnahmegeräte haben beim Abschuss in der vergangenen Woche "mechanische Schäden" davon getragen. Damit dürften Beschädigungen der Hülle gemeint sein. Die gute Nachricht: Auf die gespeicherten Daten haben diese offenbar keinen Einfluss.

Man habe bei einer Untersuchung leichte Defekte an den Geräten festgestellt, heißt es in einer Mitteilung des Komitees, das Luftfahrtunglücke in zahlreichen aktuellen und ehemaligen GUS-Staaten untersucht. Es gebe aber keine Hinweise, dass die Rekorder manipuliert oder absichtlich beschädigt worden sein könnten. Zu letzterem Schluss waren zuvor schon niederländische Ermittler gekommen.

Das russische Komitee ist eine von zahlreichen internationalen Organisationen, die mit der Aufklärung der MH17-Katastrophe betreut sind.

Eine Woche nach dem Abschuss des Flugzeugs der Malaysia Airlines haben Ermittler zudem ein neues großes Wrackteil sowie weitere Leichen gefunden. Das berichten verschiedene australische Medien. Sie berufen sich auf Sprecher der OSZE, die unter anderem australische Ermittler in das Absturzgebiet begleitet hatten.

Der Fundort liege unweit der anderen Wrackteile. Die Ermittler - darunter zwei australische Diplomaten und ein Forensiker - seien zunächst nicht dafür ausgerüstet gewesen, die Leichen zu bergen, berichteten der Fernsehsender ABC und die Zeitung "Sydney Morning Herald". Bei dem Wrackteil handelt es sich demnach um einen Teil des Rumpfes, in dem Sitze und Fenster noch intakt waren.

Neue Vorwürfe gegen Russland im Ukraine-Konflikt

Die USA beschuldigten am Donnerstag Russlands Truppen, von eigenem Staatsgebiet aus ukrainische Armeestellungen mit Artillerie zu beschießen. Dafür hat die US-Regierung nach eigenen Angaben Beweise. Moskau plane zudem, weitere Raketenwerfer an die prorussischen Separatisten im Osten der Ukraine zu liefern, sagte eine Sprecherin des US-Außenministeriums. Die Hinweise kämen von Geheimdiensten befreundeter Staaten. Details nannte sie nicht.

Aus dem US-Verteidigungsministerium verlautete, Russland habe seine Truppen an der Grenze zur Ukraine zuletzt verstärkt. In den vergangenen Wochen habe die russische Armee jede Woche ein neues Bataillon ins Grenzgebiet verlegt und die Truppenstärke so auf 15.000 Soldaten erhöht. "Es sieht wie ein stetiger Aufbau aus", sagte ein Vertreter des Pentagon.

Die USA und die Ukraine beschuldigen seit Wochen Russland, nicht stark genug auf die prorussischen Separatisten einzuwirken, um den Konflikt im Osten des Landes zu entschärfen. Aus Washington hieß es nun, die russische Regierung plane zudem, Raketenwerfer an die Milizen zu liefern. Eine Stellungnahme aus Moskau lag dazu zunächst nicht vor.

jok/Reuters/dpa



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Seite 1
Hans58 25.07.2014
1.
Zitat von sysopAFPDie Flugschreiber von MH17 sollen helfen, den Abschuss des Passagierfliegers zu rekonstruieren. Laut russischen Angaben wurden die Rekorder bei der Katastrophe beschädigt. Die gespeicherten Daten sind aber offenbar heil geblieben. http://www.spiegel.de/politik/ausland/malaysia-airlines-mh17-flugschreiber-beschaedigt-daten-intakt-a-982870.html
Dass die beiden Geräte äußerlich "beschädigt" sind, konnte man auf den bisher veröffentlichten Bilder sehen. Die Niederlande haben gestern bereits mitgeteilt, dass die Daten schon ausgelesen wurden. Was hat die russische Flugunfallbehörde (MAK), die für die GUS-Staaten zuständig ist, mit Flugschreibern zu tun, die auf ukrainischem Boden gefunden wurden? Die Ukraine ist nicht mehr Mitglied der GUS. Andererseits ist es hochinteressant, dass Russland bestätigt, im Besitz der Flugschreiber gewesen zu sein.
colonium 25.07.2014
2. Irrtum
Zitat von Hans58Dass die beiden Geräte äußerlich "beschädigt" sind, konnte man auf den bisher veröffentlichten Bilder sehen. Die Niederlande haben gestern bereits mitgeteilt, dass die Daten schon ausgelesen wurden. Was hat die russische Flugunfallbehörde (MAK), die für die GUS-Staaten zuständig ist, mit Flugschreibern zu tun, die auf ukrainischem Boden gefunden wurden? Die Ukraine ist nicht mehr Mitglied der GUS. Andererseits ist es hochinteressant, dass Russland bestätigt, im Besitz der Flugschreiber gewesen zu sein.
Leider unterliegen Sie einem Irrtum. Das Zwischenstaatliches Luftfahrtkomitee MAK ist eine Organisation der aktuellen und EHEMALIGEN GUS-Staaten, der die Regierungen Kompetenzen und Funktionen im Bereich der zivilen Luftfahrt und Luftraumnutzung delegiert haben. Die Ukraine hat zwar ihren Austritt aus der GUS erklärt, aber ist immer noch Mitglied im MAK. Und das MAK ist neben anderen Luftfahrtexperten vieler Länder, unter federführung der Niederlande, auch an der Untersuchung der Flugschreiber beteiligt. Deshalb , mit Verlaub, sollten Sie nicht versuchen einen " Besitz" der Flugschreiber zu konstruieren, denn die Niederlande sind im Besitz, die MAK untersucht nur begleitend in den Niederlanden....
Robert_Rostock 25.07.2014
3.
Zitat von coloniumLeider unterliegen Sie einem Irrtum. Das Zwischenstaatliches Luftfahrtkomitee MAK ist eine Organisation der aktuellen und EHEMALIGEN GUS-Staaten, der die Regierungen Kompetenzen und Funktionen im Bereich der zivilen Luftfahrt und Luftraumnutzung delegiert haben. Die Ukraine hat zwar ihren Austritt aus der GUS erklärt, aber ist immer noch Mitglied im MAK. Und das MAK ist neben anderen Luftfahrtexperten vieler Länder, unter federführung der Niederlande, auch an der Untersuchung der Flugschreiber beteiligt. Deshalb , mit Verlaub, sollten Sie nicht versuchen einen " Besitz" der Flugschreiber zu konstruieren, denn die Niederlande sind im Besitz, die MAK untersucht nur begleitend in den Niederlanden....
Moment. Ich denke, die Flugschreiber sind nach England, was ja quasi ein US-Staat ist, gebracht worden, um sie so richtig zu verfälschen und das von den Kriegstreibern gewünschte Ergebnis zu produzieren? Und jetzt plötzlich behaupten Sie, dass da auch Russen mitmachen bei der Untersuchung?
Hans58 25.07.2014
4.
Zitat von Robert_RostockMoment. Ich denke, die Flugschreiber sind nach England, was ja quasi ein US-Staat ist, gebracht worden, um sie so richtig zu verfälschen und das von den Kriegstreibern gewünschte Ergebnis zu produzieren? Und jetzt plötzlich behaupten Sie, dass da auch Russen mitmachen bei der Untersuchung?
OT: Irgendwann im Verlauf der Diskussion, die Sie und ich seit Anfang verfolgen, haben Sie sich dahingehend geäußert, dass man sich die Nachrichten so auslegt, dass sie zur eigenen Anschauung passen. Da wir beide hier bei SpON alte bzw. uralte Foristen sind, kennt man diese Art der Diskussionsführung. Neu für mich ist, dass die MAK bei den Untersuchungen eingebunden war , immer noch?
hamuschü 25.07.2014
5. Guter Artikel
Sie wollen doch nicht sagen, dass die Kriegspartei Russland die Flugdatenschreiber untersucht? Das ist ja der Gipfel. Und vor dem Truppenaufmarsch der Russen muß unbedingt gewarnt werden! Wann besetzt der verrückte Putin dann die Ukraine?
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