Malaysia Airlines Kreml verbreitet neue Theorie zum MH17-Abschuss

Hat sich ein ukrainischer Kampfjet dem Malaysia-Airlines-Flug MH17 genähert? Diese Behauptung streut die russische Regierung - und widerspricht damit allen Erkenntnissen westlicher Geheimdienste.
Ukrainisches Kampfflugzeug Su-25: Anschuldigungen von Moskaus Militärs

Ukrainisches Kampfflugzeug Su-25: Anschuldigungen von Moskaus Militärs

Foto: SERGEI SUPINSKY/ AFP

Russlands Verteidigungsministerium sucht nach dem Abschuss der Boeing 777 die Offensive: Ein Jagdflugzeug der ukrainischen Armee habe sich Flug MH17 genähert, sagte Generalleutnant Andrej Kartopolow vom russischen Generalstab am Montag in Moskau. Zwischenzeitlich habe die Entfernung zwischen der Su-25 der ukrainischen Luftwaffe und dem malaysischen Passagierflugzeug nur "drei bis fünf Kilometer" betragen, das zeigten Auswertungen der russischen Flugüberwachung.

Mit der Veröffentlichung der Daten will Moskau der Anschuldigung entgegentreten, wonach pro-russische Rebellen für den Abschuss der Maschine am vergangenen Donnerstag verantwortlich sind. Um 17.20 Uhr Moskauer Zeit habe man einen Abfall der Geschwindigkeit des Passagierflugzeugs registriert, drei Minuten später sei MH17 von Russlands Radaren verschwunden.

Moskaus Militärs halten die Verlangsamung für ein Indiz dafür, dass die Maschine nicht von einer schweren Boden-Luft-Rakete getroffen worden sei. Stattdessen sei sie von einer Rakete getroffen worden, die von einem Flugzeug abgeschossen worden sei. Boden-Luft-Raketen verfügen über größere Sprengköpfe. Ein Treffer damit in zehn Kilometern Höhe hätte die Boeing sofort zerrissen. Nach einem Treffer mit einer leichteren Luft-Luft-Rakete dagegen wäre die Maschine zunächst ins Trudeln geraten und dann abgestürzt. Sie wäre erst auf einer Höhe von etwa 2000 Metern durch den Luftwiderstand auseinandergebrochen, behauptet ein Moskauer Militäranalytiker.

Fotostrecke

MH17-Abschuss: Das Chaos an der Absturzstelle

Foto: AFP/ RIA Novosti

Die Su-25 ist ein Flugzeug sowjetischer Bauart. Sie gilt eigentlich als "Sturmowik", so nennt man in Russland Flugzeuge, die den Kampf der Bodentruppen aus geringer Höhe unterstützen. Sie wurden nicht für den Luftkampf konstruiert. Das Flugzeug könne aber auch mit R-60-Raketen bestückt werden, sagt der Analytiker.

Unklar ist, auf welcher Höhe der Kampfjet genau unterwegs gewesen sein soll. Generalleutnant Kartopolow sprach nur davon, man habe "registriert, dass er an Höhe gewann". Belege für den Abschuss einer Rakete durch das ukrainische Militärflugzeug legten die Russen nicht vor.

Aus Kiew kam umgehend ein Dementi: Präsident Petro Poroschenko wies die Anschuldigungen aus Moskau zurück. Alle ukrainischen Flugzeuge in der Region seien zur fraglichen Zeit am Boden gewesen.

Die russischen Offiziellen veröffentlichten außerdem erstmals Satellitenaufnahmen und Zeichnungen vom Absturztag. Das Verteidigungsministerium stellte das Material auch ins Internet , um den Hergang des Absturzes mit fast 300 Opfern zu veranschaulichen. Auf den Satellitenbildern ist nach Angaben des Generalstabs auch die Stationierung von ukrainischen Flugabwehrsystemen des Typs "Buk" im Separatistengebiet zu sehen. Moskau verlangte von Kiew eine Erklärung dafür, weshalb dort solche Waffen aufgestellt würden, obwohl die Aufständischen keine Flugzeuge hätten.

Westliche Geheimdienste gehen von einem Abschuss von MH17 durch eine Buk-Abwehrrakete aus. Amerikanische Geheimdienste beschuldigen die Separatisten. Generalleutnant Kartopolow schloss das kategorisch aus. Wenn die Amerikaner Aufnahmen eines Raketenstarts hätten, sollten sie diese vorlegen.

Das Moskauer Verteidigungsministerium beschuldigt im Gegenzug Washington, in den Abschuss verwickelt zu sein. Zur Zeit der Katastrophe habe auch ein "kosmischer Apparat der USA das Gebiet überflogen". Gemeint ist einer der zahlreichen amerikanischen Satelliten.

Vorwürfe, Moskau rüste die Rebellen auf, wies das Militär zurück. Russland habe den Separatisten keine Abwehrsysteme des Typs Buk geliefert - und auch sonst keinerlei "schwere Waffen". Glaubhaft ist das nicht, angesichts der großen Zahl von Panzern der Separatisten.

Mit Material von Reuters und dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.