Malaysia Unangenehme Fragen für den Apparatschik

Malaysias neuer Premier Abdullah Badawi mischt schon Jahrzehnte als Minister in verschiedenen Positionen in der Politik des Landes mit. Trotzdem hat sich der Islamwissenschaftler bislang kaum profiliert.

Von , Kuala Lumpur


Der neue Mann an Malaysias Spitze: Abdullah Badawi
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Der neue Mann an Malaysias Spitze: Abdullah Badawi

Kuala Lumpur - "Er ist ein Mann des Apparates und ganz bestimmt kein Außenseiter", sagt Abdul Razak Baginda, Direktor eines Forschungsinstituts. "Derselbe Wein in nicht mehr neuen Schläuchen", kommentiert ein führender Pressemann, der Malaysias regierender Umno-Partei ("Vereinigte Malaiische Nationalorganisation") nahe steht.

Immerhin hat sich der grauhaarige Badawi bislang als Saubermann dargestellt, der mit der Korruption aufräumen möchte. Doch schon muss er sich unbequeme Fragen gefallen lassen. Sein Sohn, Kamaluddin Abullah, kontrolliert die Scomi-Unternehmensgruppe, deren Aktienkurse in den letzten Monaten um das Fünffache gestiegen sind. Zufall?

In der Regierungspartei soll Badawi nicht sehr fest verankert sein. Selbst Mitglieder sprechen von der Umno als ein von Vetternwirtschaft und Korruption geprägtes Schlangennest. Dort lauern Gegner, die versuchen könnte, ihn zu stürzen, wenn er sie nicht schnell mit Posten und Staatsaufträgen beglückt.

Mahathir als T-Shirt, Badawi auf dem Plakat: Personenkult in Kuala Lumpur
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Mahathir als T-Shirt, Badawi auf dem Plakat: Personenkult in Kuala Lumpur

Sein zweites Problem: Nach der Asienkrise ist Malaysias Wirtschaft zwar wieder schnell in Schwung geraten, doch das Land muss um ausländische Investoren bangen, die sich vor einem Vormarsch der "Islamischen Partei Malaysias" (Pas) fürchten und lieber ins billigere China ziehen. Die Investitionen gehen seit 2001 zurück. Zudem hat die Regierung in den letzten Jahren eifrig Schulden gemacht.

Sollte die Umno bei den Wahlen im nächsten Jahr erneut Stimmen verlieren, könnten Badawis Tage gezählt sein. Die "Barisan Alternatif" - die "Alternative Front" - ein Zusammenschluss mehrerer Oppositionsparteien, hatte bei den Wahlen 1999 kurz nach der Anwar-Affäre erheblich zugelegt.

"Fährt Badawi nicht einen soliden Vorsprung ein, sitzt er tief in der Tinte", prophezeit Abdullah Ahmad, Chefredakteur der Umno-nahen "New Straits Times".

Warum hat Mahathir ihn dann auserkoren? Ahmad, ein enger Freund Mahathirs, sagt: "Zum einen ist Badawi älter als andere Kandidaten. Das Alter spielt in Asien eine Rolle." Zum anderen sei der 63-Jährige ein anerkannter Islamgelehrter - "einer der wenigen Politiker, die beten und einen Gottesdienst führen können", sagt Ahmad.

Mit diesen Fähigkeiten soll Badawi verhindern, dass bei den Wahlen im nächsten Jahr noch mehr Malaien zur Pas zur Muslimpartei Pas abwandern, der nicht wenige Fundamentalisten angehören, die das strenge islamische Strafrecht ("Hudud") einführen möchten. Zwei Bundesstaaten hat die Pas in den vergangenen Jahren bereits gewonnen.

Mahathir und Badawi haben allerdings vorgebaut. Politische Versammlungen sind verboten. Die Zeitung der Pas "Harakan" darf nur noch zweimal im Monat erscheinen. Die Wahlkreise wurden, so klagt die Opposition, zu Gunsten der Umno neu geordnet. "Verächtliche Kritik" an der politischen Konkurrenz ist während des Wahlkampfes untersagt.

Zudem ist die Opposition geschwächt, nachdem einige führende Mitglieder wegen interner Querelen ausgeschieden und auch die chinesische "Demokratische Aktionspartei" (DAP) das Bündnis verlassen hat. Anwar Ibrahim, der einstige Hoffnungsträger und das Zugpferd der Mahathir-Gegner, droht hinter Gittern in Vergessenheit zu geraten.



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