Medienberichte Etwa hundert Tote bei Angriff auf Dorf in Mali

Die ethnischen Konflikte in Mali haben offenbar erneut viele Menschen das Leben gekostet. Laut Medienberichten starben bei einer Attacke auf ein Dorf etwa hundert Angehörige der Volksgruppe der Dogon.


Die Angreifer kamen in der Nacht: Bei einer Attacke auf ein Dogon-Dorf in Zentralmali sind offenbar etwa hundert Menschen getötet worden. Das schreibt die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf örtliche Behörden. Auch französische Medien berichten über das Massaker.

Demnach ereignete sich die Tat im Dorf Sobane nahe der Kleinstadt Sangha. Der dortige Bürgermeister sagte dem Sender France 24, die Angreifer hätten zunächst Feuer gelegt und anschließend auf die Dorfeinwohner geschossen, als diese vor den Flammen fliehen wollten. 95 Tote habe man bislang gefunden, weitere Personen würden noch vermisst.

Bislang gibt es keine gesicherten Informationen, wer hinter der Tat steckt. Doch bei ethnischen Konflikten zwischen den Volksgruppen der Dogon und der Fulbe waren in den vergangenen Monaten Hunderte Menschen ums Leben gekommen. Bei einer der schwersten Attacken starben im März mehr als 150 Angehörige der Fulbe.

Lage instabil

Die Fulbe gehen der der Viehzucht nach, die Dogon sind Jäger. Zudem gibt es Auseinandersetzungen mit den Bambara, die Landwirtschaft betreiben. Die zunehmenden Konflikte werden mit dem Erscheinen der dschihadistischen Gruppe des Predigers Amadou Koufa in der Region in Verbindung gebracht. Koufa war Ende November bei einem Einsatz der französischen und malischen Armee getötet worden. Den Fulbe wird vorgeworfen, Kontakte zu islamistischen Terrorgruppen zu unterhalten. Zugleich geht es bei den Auseinandersetzungen auch um den Zugang zu Wasser und Land.

Obwohl Tausende internationale Soldaten vor Ort sind, ist die Lage in Mali weiter instabil. Auch die Bundeswehr ist in dem Land im Einsatz: Sie beteiligt sich unter anderem an der Uno-Mission Minusma im Norden des Landes.


Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version hieß es, bei der Attacke im März seien Angehörige der Dogon getötet worden. Tatsächlich waren es Angehörige der Fulbe. Wir haben die Stelle korrigiert.

kev/Reuters

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