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Terror in Mali: Angriff auf Hotel in Bamako

Foto: HABIBOU KOUYATE/ AFP

Geiselnahme in Mali Diese Attacke zielt auch auf Frankreich

Blutige Kämpfe gehören in Mali seit Jahren zum Alltag. Als die Islamisten ihre Macht im Land ausweiteten, griff Frankreich ein - und schien sich durchzusetzen. Der Angriff auf das Hotel gilt auch der Ex-Kolonialmacht.
Von Jan Puhl und Paul Hyacinthe Mben

Geiselnahme im Radisson-Hotel in Bamako: Vermutlich sieben Extremisten treiben im siebten Stockwerk des Gebäudes in Malis Hauptstadt 140 Gäste und etwa 30 Angestellte zusammen. Malische Sicherheitskräfte haben mit der Erstürmung begonnen. Der Ausgang des Terrorakts ist noch ungewiss.

Vier der schwer bewaffneten Männer sollen sich bereits am Donnerstag in dem Hotel eingemietet haben, drei weitere schossen sich offenbar den Weg durch die Lobby unter "Allahu akbar"-Rufen frei. Malische Spezialeinheiten von Polizei und Militär sind in Stellung gegangen.

Noch ist nicht bekannt, welche Nationalität die Geiseln haben. Doch es ist sehr wahrscheinlich, dass auch Franzosen unter ihnen sind. Denn die Fluggesellschaft Air France bringt zum Beispiel ihre Crews im Radisson unter.

Mali ist ein Schlüsselland im Kampf des Westens gegen den Islamismus in der Sahelzone - und Frankreich, die ehemalige Kolonialmacht, hat dabei die Führung übernommen. Nach dem Terror von Paris verüben Islamisten damit womöglich zum zweiten Mal innerhalb einer Woche einen Anschlag gegen Frankreich, denn die Attacke im Radisson zielt vermutlich nicht nur auf Mali.

Ort des Anschlags: Auf dem Satellitenbild ist das Hotel mit dem blauen Pool zu sehen

Ort des Anschlags: Auf dem Satellitenbild ist das Hotel mit dem blauen Pool zu sehen

Foto: Google Earth/ DigitalGlobe

Einst galt der westafrikanische Wüstenstaat als Musterland, verhältnismäßig demokratisch, verhältnismäßig stabil, gut versorgt mit Entwicklungshilfe. Das Land ist auch ein Reiseziel verwegener Motorradtouristen.

Doch gefährlich ist der Norden des Landes: Dort lehnte sich eine Minderheit vom Volk der Tuareg immer wieder gegen die Zentralregierung in Bamako auf. Es kam auf beiden Seiten zu Gräueltaten. Es wurden mehrere Friedensverträge abgeschlossen, sie hielten nicht lange.

Als das Regime von Muammar al-Gaddafi in Libyen kollabierte, gelangten die Tuareg an neue Waffen und Munition. Sie vertrieben die Armee aus immer größeren Landesteilen und riefen ihren Staat Azawad aus.

Putsch unzufriedener Soldaten

Doch ein Teil von ihnen hatte sich mittlerweile einer radikalen Variante des Islam zugewandt, eine für Mali untypische religiöse Strömung. Sie verdrängen die gemäßigteren, säkularen Kräfte. Im Norden des Landes führten sie die Scharia ein. Musik zu hören und Fußball zu spielen war fortan verboten, in der Stadt Timbuktu und anderswo vernichteten die Fanatiker wertvolle Schriften und Baudenkmäler.

Im Jahre 2012 putschten in Bamako unzufriedene Soldaten. Sie blieben zwar nur kurz an der Macht, doch stand der malische Staat dennoch vor dem Zusammenbruch. Die Islamisten setzten zum Angriff auf die Hauptstadt an.

Im Januar 2013 schließlich handelte Frankreich: Eine schnelle Eingreiftruppe vertrieb die Islamisten in wenigen Tagen aus den großen Städten. Die Extremisten tauchten unter, versteckten sich in der Wüste und in den Gebirgen. Eine internationale Friedenstruppe wurde stationiert, die Deutschen verlängerten gerade in dieser Woche ihre Ausbildungsmission für die malische Armee. In Bamako wurde eine demokratische Regierung gewählt, internationale Geberkonferenzen organisierten den Wiederaufbau.

Doch immer wieder verüben Islamisten Anschläge. Es sterben vor allem Einheimische, Muslime, aber auch Blauhelmsoldaten, französische Journalisten und Entwicklungshelfer. Der Norden des Landes bleibt eine gefährliche Gegend. Eine Woche nach dem Gemetzel in Paris hat der Terror Bamako erreicht.

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