Islamistische Kämpfer Frankreichs Armee greift Kindersoldaten in Mali auf

Bei Gefechten hat die französische Armee in Mali zwei Kindersoldaten aufgefunden - die Kämpfer der Islamisten sind gerade einmal 15 Jahre alt. Ein Oberst wirft den Aufständischen vor, eine erhebliche Zahl von Minderjährigen entführt und trainiert zu haben.

Junge islamistische Kämpfer in Mali: Aufständische lassen auch Kinder für sich kämpfen
AP

Junge islamistische Kämpfer in Mali: Aufständische lassen auch Kinder für sich kämpfen


Bamako/Paris - Menschenrechtler prangern den Einsatz von Kindersoldaten durch islamistische Aufständische in Mali schon lange an. Jetzt hat die französische Armee die Beteiligung von jungen Kämpfern bestätigt. Bei einem Einsatz im Gebirgsmassiv Adrar des Iforas griffen die Soldaten aus Frankreich zwei erst etwa 15 Jahre alte Kämpfer auf, berichtete der Radiosender Europe 1.

Vermutlich sei eine erhebliche Zahl von Kindern von den Dschihadisten quasi entführt und dann bewaffnet und trainiert worden, sagte Oberst Benoît Desmeulles dem Korrespondenten des Radiosenders.

Die beiden Kindersoldaten wurden nach Armeeangaben medizinisch untersucht und dann zum Hauptquartier gebracht. Sie sollen dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz übergeben werden.

"Deutliche Anzeichen einer psychischen Störung"

Anfang Februar hatte bereits Amnesty International den Einsatz von Kindersoldaten angeprangert. Die Menschrechtler gaben an, dass in Diabali mehrfach bewaffnete Kinder in den Reihen der Islamisten beobachtet wurden - manche kaum zehn Jahre alt. In dem Ort Ségou gelang es den Beobachtern nach eigenen Angaben, mit zwei ehemaligen Kindersoldaten zu sprechen. Einer von ihnen habe deutliche Anzeichen einer psychischen Störung aufgewiesen. "Er war komplett still und abwesend. Der Junge schien geistig kaum anwesend", so Amnesty.

Ein Vertreter der malischen Armee hatte bereits Mitte Januar, kurz nach Beginn des französischen Einsatzes in Mali, beklagt, dass die Islamisten Kindersoldaten einsetzen würden.

Sarkozy kritisiert französischen Militäreinsatz

Frankreichs Ex-Staatschef Nicolas Sarkozy kritisierte die Intervention seines Landes. "Die Regel lautet: Gehe niemals in ein Land, das keine Regierung hat", sagte er mit Blick auf die malische Übergangsregierung dem Magazin "Valeurs actuelles". "Was machen wir da? Außer mit 4000 Mann Putschisten dabei zu helfen zu versuchen, ein Territorium zu kontrollieren, das dreimal so groß ist wie Frankreich?"

In Mali hatten Offiziere vor rund einem Jahr Staatschef Amandou Toumani Touré aus dem Amt geputscht. Islamisten konnten in der Folge den Norden des Landes unter ihre Kontrolle bringen. Am 11. Januar griff Frankreich militärisch in Mali ein, um mit der malischen Armee einen Vormarsch der Islamisten Richtung Süden zu stoppen. Zwar konnten die Islamisten schnell aus den großen nordmalischen Städten vertrieben werden, liefern sich aber in Gebirgsregionen immer wieder heftige Kämpfe mit französischen und tschadischen Soldaten.

Am Donnerstag besuchte Frankreichs Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian französische Soldaten im Nordosten Malis - einen Tag nachdem ein vierter Mann in Mali gestorben war. Der Minister sprach den Soldaten in dem nahe der algerischen Grenze gelegenen Ort in Tessalit für die noch ausstehenden Aufgaben Mut zu: "Indem ihr die Dschihadisten aus ihren letzten Bastionen vertreibt, seid ihr die Brückenköpfe dieses Krieges gegen die Terroristengruppen." Insgesamt sind 4000 französische Soldaten in Mali im Einsatz.

heb/dpa/AFP



insgesamt 10 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Christ 32 07.03.2013
1. .
"Frankreichs Freiheit wird in der Sahara verteidigt" Sarkozy hat leicht reden, er ist nicht mehr im Amt Hollande war mit Sicherheit nicht kriegsbegeistert, es wird aber handfeste französische Interessen an Mali geben. Und Kindersoldaten sind in Afrika nun nix besonderes mehr, jede Rebellenarmee rekrutiert so einen Teil seiner Soldaten.
seneca55 07.03.2013
2. 4.000 Fremdenlegionäre in Mali im Einsatz?
Die gesamte Mali-Armee hat nur 4.000-7.000 Mann, die ab März von 450 NATO-Soldaten aus der EU gecoached werden sollen - davon 330 BW-Soldaten - die wiederum von 1000 Femdenlegionären geschüthzt werden sollen. Jetzt setzen die Islamisten also schon Kindersoldaten als letztes Aufgebot gegen die Fremdenlegion im Norden ein. Die Mali-Soldaten brauchen keine Ausbildung, sondern eine pünktliche Soldzahlung, um von Putschen wie bisher abgehalten zu werden. Man sollte dieses Parlament - Minus der Linken Abgeordneten - geschlossen mit ihren 330 BW-Soldaten nach Timbuktu zum Brunnen bohren schicken
rokitansky 07.03.2013
3. Kindersoldat?
Zitat von sysopAPBei Gefechten hat die französische Armee in Mali zwei Kindersoldaten aufgefunden - die Kämpfer der Islamisten sind gerade einmal 15 Jahre alt. Ein Oberst wirft den Aufständischen vor, eine erhebliche Zahl von Minderjährigen entführt und trainiert zu haben. http://www.spiegel.de/politik/ausland/mali-franzoesische-armee-greift-kindersoldaten-auf-a-887455.html
Wenn ich Sie jetzt auch enttäuschen muss ein Fünfzehnjähriger ist kein Kindersoldat sondern ein Jugendlicher der Minderjährig ist. Oder sind für Sie all unter 18 Jahren Kinder?
denkdochmal 07.03.2013
4. Krieg ist immer unmenschlich
Zitat von sysopAPBei Gefechten hat die französische Armee in Mali zwei Kindersoldaten aufgefunden - die Kämpfer der Islamisten sind gerade einmal 15 Jahre alt. Ein Oberst wirft den Aufständischen vor, eine erhebliche Zahl von Minderjährigen entführt und trainiert zu haben. http://www.spiegel.de/politik/ausland/mali-franzoesische-armee-greift-kindersoldaten-auf-a-887455.html
Zum Übelsten jedoch gehört es, Kinder zu "Soldaten" zu machen. Gleich die Nazi- oder jetzt die islamistischen Verbrecher allen Involvierten diese unglaubliche Gewalt antun. Erwachsene Menschen leiden unter Erlebtem, werden teilweise dauerhaft krank. Was erst muß in und mit den armen, geschundenen Kindern geschehen? Die weltweit Verantwortlichen müssen gnadenlos bestraft werden.
rokitansky 07.03.2013
5. ...
Zitat von denkdochmalZum Übelsten jedoch gehört es, Kinder zu "Soldaten" zu machen. Gleich die Nazi- oder jetzt die islamistischen Verbrecher allen Involvierten diese unglaubliche Gewalt antun. Erwachsene Menschen leiden unter Erlebtem, werden teilweise dauerhaft krank. Was erst muß in und mit den armen, geschundenen Kindern geschehen? Die weltweit Verantwortlichen müssen gnadenlos bestraft werden.
Wahrscheinlich haben diese geschundeten Jugendlichen eine Koranschule besucht, zum ersten Mal richtig zu essen bekommen und mit dem Koran im Kopf sind sie bereit zu töten. Sie sollten sich einmal näher mit den Zuständen im Gazastreifen beschäftigen und dem Erfolg der dortigen Hamas. Und wenn Sie zu Ihren Nazis noch die Ausbildung der Jungen Pioniere in den kommunistischen Systemen aufführen, ist Ihre Aufzählung fast komplett. Hier etwas zu den Ernst Thälmann Pionieren: Pionierorganisation Ernst Thälmann (http://de.wikipedia.org/wiki/Pionierorganisation_Ernst_Th%C3%A4lmann) Sehe Sie einen Unterschied? Ich nur einen, es kam nie zum Kampfeinsatz!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.