Bundeswehr in Mali Terrorattacke auf Uno-Camp

Kurz nach dem Start der deutschen Uno-Mission in Mali ist vor einem Camp der Vereinten Nationen eine Autobombe explodiert. Für die Bundeswehr wird es gefährlicher.

Uno-Soldaten in Gao
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Uno-Soldaten in Gao

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Die Bundeswehr muss sich in Nord-Nordmali auf eine Eskalation der Gewalt einstellen. Am Dienstagabend ist vor dem Camp der Uno-Mission Minusma in Gao eine Autobombe detoniert, dabei wurde ein chinesischer Soldat getötet, es gab viele Verletzte. Der schwere Angriff, zunächst war von Raketenbeschuss die Rede, ereignete sich in der Nähe des Lagers des Bundeswehr in Gao.

Im sogenannten Camp Castor, das etwa vier Kilometer entfernt liegt, spürten die Deutschen die Detonation deutlich. Bei der Bundeswehr hieß es, alle Soldaten seien zur Zeit der Attacke im Camp gewesen. Seit Beginn des Einsatzes im Norden des Landes, der erst vor einigen Monaten gestartet ist, gilt die Mission als sehr gefährlich. Deswegen verlassen die Deutschen ihr Lager nur in gepanzerten Fahrzeugen.

Die Attacke auf das Camp der chinesischen Uno-Soldaten, die wie die Deutschen der Stabilisierungsmission der Vereinten Nationen unterstellt sind, trägt alle Merkmale eines gezielten Terroranschlags auf die Uno. Nur wenige Stunden nach der schweren Explosion bekannte sich dann auch die Gruppe Aqmi, der Ableger des Netzwerks al-Qaida in Nordafrika, zum Anschlag.

Schlag gegen "Besatzungstruppen"

Die Verlautbarung der Gruppe klingt bedrohlich. Per Twitter vermeldete Aqim einen Schlag auf die ausländischen "Besatzungstruppen" und kündigte einen erbitterten Kampf um die Vorherrschaft in der Garnisonsstadt an. Ebenfalls am Dienstag wurden in einem anderen Stadtviertel Gaos Uno-Minenräumer attackiert, zwei malische Sicherheitsleute und ein Franzose wurden getötet.

Die Uno verurteilte die Attacken. Am Mittwochabend zeigte sich Generalsekretär Ban Ki Moon "erschüttert" über die Attacken auf seine Blauhelmsoldaten und sprach den Angehörigen der Opfer sein Mitgefühl aus. Seit jeher gilt der Minusma-Einsatz als die gefährlichste Mission der Uno weltweit, allein im Mai kamen zwölf Soldaten in Mali bei Anschlägen und Angriffen ums Leben.

Die Bundeswehr stellt sich darauf ein, dass die Gewalt weiter eskalieren kann. Hinter verschlossenen Türen berichtete das Wehrressort am Mittwoch im Bundestag, die Lage in Nordmali habe sich aktuell deutlich verschlechtert. Derzeit sind in Gao rund 300 deutsche Soldaten stationiert, sie unterstützen die Uno bei der Aufklärung des Wüstengebiets, fahren Patrouille, zudem sind Drohnenflüge geplant.

Bisher gilt für die Bundeswehr in Nordmali die zweithöchste Gefahrenstufe. Unter der Klassifizierung "erheblich" bezeichnen die Militärs eine Lage, in der Terrorgruppen über "die Fähigkeit und die Absicht" verfügen, die Bundeswehr anzugreifen - und in der dies immer zu erwarten ist. Da die Terrorgruppe Aqim die Uno-Truppe als "Besatzer" definiert, erscheinen weitere Angriffe wahrscheinlicher denn je.

Bundeswehr-Konvoi attackiert

Bereits vor gut einer Woche war ein Konvoi mit Material der Bundeswehr in Mali mit einer an der Straße versteckten Bombe attackiert worden. Ein ziviler Unternehmer transportierte am 24. Mai einen deutschen Transportpanzer vom Typ "Fuchs" auf einem Sattelschlepper von der Hauptstadt Bamako. Deutsche Soldaten waren jedoch nicht dabei, als die Bombe südlich der Ortschaft Gossi detonierte.

Ob sich die Attacke gegen die Bundeswehr richtete, ist unklar. Allerdings zeigte der Angriff, dass die verschiedenen Terrorgruppen in der Region die Militärtransporte der Uno offenbar genau beobachten und jedes mögliche Ziel angreifen. Durch die Präsenz der Uno sehen die Terrorgruppen, die eng mit den Schmugglerringen in der Region verbandelt sind, auch ihre kriminellen Geschäfte in Gefahr.

Die Bundeswehr ist seit drei Jahren in dem Krisenstaat im Einsatz, der 2012 nach einem Armeeputsch ins Chaos gestürzt war. Als islamistische Gruppen drohten, das ganze Land zu überrennen, intervenierte Frankreich militärisch. Später übergaben die Franzosen die Verantwortung an die Uno-Truppe Minusma. Allerdings hat Paris in Mali noch immer eine schlagkräftige Antiterroreinheit.

Die Bundeswehr hatte zunächst nur im relativ stabilen Süden bei der EU-Ausbildungsmission für die malische Armee mitgeholfen. Seit einigen Monaten aber stellt Deutschland auch ein Kontingent für die Uno-Stabilisierungstruppe im fragilen Norden.

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