Mali Mächtige Terrorgruppe bekennt sich zu Anschlag auf EU-Camp

Islamistische Terroristen haben sich zum Angriff auf ein EU-Camp in Mali bekannt - Geheimdienste halten die Angaben laut SPIEGEL-Informationen für glaubwürdig. Die Lage für die Bundeswehr wird bedrohlicher.

Malischer Soldat (l.), Teilnehmer der europäischen Trainingsmission EUTM Mali (Symbolbild)
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Malischer Soldat (l.), Teilnehmer der europäischen Trainingsmission EUTM Mali (Symbolbild)

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Westliche Geheimdienste haben neue Einschätzungen zu den Drahtziehern der gescheiterten Attacke auf ein EU-Militärlager in Mali am vergangenen Sonntag. Sie gehen davon aus, dass Jama'at Nasr al-Islam wal Muslimin (JNIM) hinter der Tat steckt. Es handelt sich dabei um die mächtigste Terrorgruppe der Region, die enge Verbindungen zum Terrornetzwerk al-Qaida pflegt.

Zuletzt veröffentlichte die JNIM im Internet dann auch ein Bekennerschreiben. "Durch von Gott verliehenen Erfolg und durch seine Gnade ist es eine Einheit der JNIM gelungen, am Morgen des Sonntags einen Angriff auf das Militärlager Koulikuru in der Hauptstadt Bamako in Mali auszuführen". Die Dienste halten das Bekennerschreiben nach einer ersten Analyse für glaubwürdig.

Bei der Attacke auf das Camp von EU-Ausbildern in Koulikoro, unter ihnen auch rund 100 Bundeswehrsoldaten, versuchten die Angreifer das Tor des Lagers mit Autobomben zu zerstören. Malische und spanische Soldaten konnten die Attacke am frühen Sonntagmorgen noch abwehren.

Angriff war sorgfältig vorbereitet

Die Ermittlungen illustrieren, dass das bisher sicher geglaubte Süd-Mali längst wie der Norden unter dem Einfluss islamistischer Terroristen steht. Nach SPIEGEL-informationen vermuteten die Geheimdienste schon am Montag, dass die wohl gefährliche Terrorgruppe JNIM für die Attacke verantwortlich ist.

Jama'at Nasr al-Islam wal Muslimin ist ein erst vor zwei Jahren gegründeter Zusammenschluss verschiedener Organisationen aus der Region und wird von dem Terroristen Iyad Ag Ghaly angeführt. Die JNIM agiert nicht nur in Mali sondern in der ganzen Sahel-Region.

Laut den bisherigen Erkenntnissen war die Attacke sorgfältig geplant, hieß es, schon deswegen komme eigentlich nur die JNIM in Frage. So sollten zwei mit Sprengstoff präparierte Pick-Ups offenbar den Überraschungseffekt nutzen und das südliche Tor des Lagers durchbrechen. Ein halbes Dutzend bewaffneter Kämpfer stand bereit, um in das Camp einzudringen. Solche komplexen Angriffe sind in Mali noch recht neu.

Die Sicherheitslage wird immer angespannter

Aus Sicht der Bundeswehr, die seit mehreren Jahren in der Offiziersschule der malischen Armee stationiert ist, stellt der Angriff eine Änderung der Bedrohungslage dar. Bisher galt der Ort Koulikoro, rund eine Autostunde nördlich der Hauptstadt Bamako, als relativ sicher.

Die Bundeswehr will die Lage schnell neu bewerten. Kommende Woche fliegt ein Untersuchungsteam nach Mali und soll die Schutzmaßnahmen für das Camp, in dem auch Spanier und Österreicher stationiert sind, prüfen. Bisher ist das Areal nur behelfsmäßig gesichert.

Für den Mittwoch hat sich Außenminister Heiko Maas im Camp angekündigt. Maas stellte der Bundeswehr am Tag zuvor bereits zusätzlichen Schutz in Aussicht, falls dies nötig sei. Man werde alles dafür tun, dass die Soldaten mit der "bestmöglichen Ausrüstung und bestmöglichen Infrastruktur" für ihre Sicherheit sorgen könnten.

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