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Islamisten in der Wüste: Kampf um Mali

Foto: GEOFFROY VAN DER HASSELT/ AFP

Anti-Terror-Krieg in Mali Afghanistan in Afrika

Gigantische Rückzugsgebiete in der Sahara, eine schwache Regierung in der Hauptstadt: Mali bietet Terroristen beste Bedingungen. Für westliche Truppen, auch aus Deutschland, wird das Land immer gefährlicher.

Die Islamisten waren bemerkenswert gut vorbereitet. Sie fuhren mit zwei Fahrzeugen vor eine Uno-Basis in Mali, eins offenbar mit der Kennzeichnung der Uno, ein weiteres in den Tarnfarben der malischen Armee. Und sie trugen blaue Helme, weltweites Erkennungszeichen für die Truppen, die im Uno-Auftrag den Frieden sichern sollen.

Doch die Angreifer kamen durchaus nicht in friedlicher Absicht. In ihrer Verkleidung hofften sie, bis ins Innere der Stützpunkte am Rand von Timbuktu vorzudringen. Schließlich brachten sie ihre Fahrzeuge am Eingang der Basis zur Explosion und griffen dann mit Sturmgewehren, Granaten und Raketen an. Nach vier Stunden Kampf waren 15 Islamisten und ein echter Blauhelm tot, sieben französische Soldaten wurden verletzt. Das war am vergangenen Wochenende. "Beispiellos" nannte ein Minusma-Sprecher die perfide Aktion.

Ort den Angriffs: Einfahrt zum "Super Camp" der Uno am Flughafen Timbuktu

Ort den Angriffs: Einfahrt zum "Super Camp" der Uno am Flughafen Timbuktu

Foto: STRINGER/ AFP

Mali entwickelt sich zu einem der gefährlichsten Länder Afrikas. Manche sagen: zu einem neuen Afghanistan.

Die gefährlichste laufende Uno-Operation ist die Stabilisierungsoperation für Mali (Minusma) seit Jahren. Bislang starben 102 Uno-Kräfte durch Attacken. Trotz großer Anstrengungen, westlicher Unterstützung und Kampfansagen werden die Islamisten nur selbstbewusster. Entwicklungshelfer, die vor einigen Monaten von Extremisten in Mali überfallen wurden, bekamen einer Botschaft an Polizei und Armee mit auf den Weg: "Sagt ihnen, dass dieses Land uns gehört."

Die Parallelen zu Afghanistan sind zahlreich

Aus Afghanistan kennt man hinterhältige Attacken wie am vergangenen Wochenende nur zu gut: Versteckt in falschen Krankenwagen, Polizei- oder Militärfahrzeugen und in der passender Kleidung schaffen es Attentäter immer wieder, maximalen Schaden anzurichten. Wenn sie nicht vorher entdeckt werden, gibt es fast immer Tote.

Die Bundeswehr, die für Minusma knapp 1000 Soldaten stellt, spricht nun von einer "neuen Qualität" in Mali. Die Komplexität und die Tarnung der Täter sowie speziell lackierte Fahrzeuge zeugten von einer Professionalisierung, so die interne Bewertung.

Auch die Struktur des Widerstands ist ähnlich wie in Afghanistan. Ohne die Clans und ihre Stammesführer - Paschtunen in Afghanistan, Tuareg und Fulani im Sahel - geht in vielen Landesteilen nichts. In Mali ist die Hälfte des Landes nördlich des Niger - immerhin so groß wie Frankreich - praktisch Stammesgebiet. Hier regieren eher die Ethnien als die Zentralregierung, von der sich die Tuareg schlecht behandelt fühlen.

Eine weitere Parallele: Wegen der ausgedehnten Bereiche, in denen die Zentralregierung nichts zu melden hat, ist die malische Wüste ähnlich wie die Bergregion zwischen Afghanistan und Pakistan zum Rückzugsraum für Terrorgruppen geworden. Darunter befinden sich auch Ableger von al-Qaida.

Sahel-Dschihadisten in einem neuen Bündnis

2018 ist ein weiteres Schicksalsjahr für Mali. Im Juli soll der Präsident gewählt werden, Ibrahim Boubacar Kaita tritt erneut an und würde gern wenigstens den Anschein eines ordentlichen Urnengangs hinbekommen. Allein: Die Kontrolle über sein Land ist ihm spätestens 2012 entglitten und bis heute nicht voll wieder hergestellt.

Zwar schlugen die Franzosen 2013 den islamistischen Vormarsch auf die Hauptstadt Bamako zurück und befreiten anschließend auch Gao und Timbuktu. Aber die Terrorkrieger zogen sich nur soweit zurück, wie sie mussten - und nun rollt eine neue Offensive.

Vor einem Jahr bündelten die größten Dschihadistengruppen ihre Kräfte für konzertierte Attacken. Ihr Bündnis nennen sie Gruppe zur Unterstützung des Islam und der Muslime (GSIM). Ein frommer Name, unter dem sich die Gruppen al-Qaida im islamischen Magreb (AQIM), Ansar Dine und al-Murabitun zusammenfanden.

Dschihadist Mokthar Belmokhtar, mehrfach totgesagt, soll GSIM mit führen

Dschihadist Mokthar Belmokhtar, mehrfach totgesagt, soll GSIM mit führen

Foto: Fbi/ dpa

GSIM vereint nun Hunderte Kämpfer. Mit Iyad Ag Ghali (Kampfname "Der Stratege") und dem einäugigen Afghanistan-Veteranen Mokhtar Belmokhtar führen zwei der erfahrensten Islamistenbosse Afrikas die Truppen. Weitere "komplexe" Attacken wie die vom Wochenende müssen also befürchtet werden.

Iyad Ag Ghali

Iyad Ag Ghali

Foto: Romaric Hien/ AFP

Gefahrenstufe "erheblich" - und bald noch schlechter?

Die Gegenmaßnahmen wirken bislang eher hilflos. Das französische Militär ist nach wie vor mit 4000 Soldaten im Land. Eigentlich war im vergangenen Jahr die Rede von einem Abzug, doch nun versichert Präsident Emmanuel Macron: Frankreichs Kämpfer sollen bleiben. Hinzu kommt eine Truppe der fünf Sahelländer Niger, Tschad, Burkina Faso, Mali und Mauretanien. 5000 Soldaten, finanziert von mehreren Dutzend westlichen Gebern.

Im Februar, nach mehr als einem halben Jahr Vorlauf, sagten diese gut 400 Millionen Euro zu, was zumindest die Einsatzkosten bis Jahresende deckt. Zusammen mit Frankreichs Beitrag investiert der Westen damit aktuell eine Milliarde Euro in den Anti-Terror-Kampf in der Region. Doch echte Erfolge sind kaum vorzuweisen. Ein Indikator für die Unruhe sind die Flüchtlingszahlen: Seit Jahresanfang verzeichnen die Nachbarländer laut UNHCR an die 10.000 Neuankömmlinge, Tendenz steigend. Die Zahl der Rückkehrer ist auf nahe Null gefallen.

Von der Bundeswehr heißt es, der Einsatzraum sei auf den eigenen Karten weiter in gelb (Gefahrenstufe "erheblich") gekennzeichnet. Das könne sich aber schon bald ändern - und, so steht zu vermuten, wohl kaum zum Besseren.

Die Einschätzungen der Geheimdienste lesen sich düster. Dort heißt es seit einigen Wochen, dass Terrorgruppen, Kriminelle und lokale Milizen zwar unterschiedliche Interessen verfolgen, aber dennoch ihre Angriffstaktiken oder Sprengstoffexpertise austauschen und so effektiver zuschlagen können.

Kampfhubschrauber "Tiger" im Camp Castor (Archivbild)

Kampfhubschrauber "Tiger" im Camp Castor (Archivbild)

Foto: Britta Pedersen/ picture alliance / Britta Pedersen/dpa

Folglich igelt sich die Bundeswehr an ihrem Standort Camp Castor in Gao immer mehr ein. Die Schutzmannschaften werden deutlich aufgestockt, ein Waffensystem vom Typ "Mantis" soll möglichen Raketen- und Mörserbeschuss abwehren. Und mit einem rund 30 Meter hohen Wachturm versuchen die Deutschen, das Umfeld des Lagers besser zu kontrollieren - für etwas mehr Weitblick auf "erhebliche" Gefahren.

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