Anti-Terror-Kampf Maliki fordert von Obama mehr Militärhilfe

Es ist eine lange Wunschliste, die Iraks Premier bei einem Besuch in Washington vorlegte: Drohnen, Kampfhubschrauber, moderne Waffensysteme. US-Präsident Obama sicherte eine engere Kooperation zu, vor allem im Kampf gegen das Terrornetzwerk al-Qaida. Doch feste Zusagen machte er nicht.

Maliki (l.), Obama: Drohnen, Kampfhubschraubern und andere moderne Waffensystemen gewünscht
AP/dpa

Maliki (l.), Obama: Drohnen, Kampfhubschraubern und andere moderne Waffensystemen gewünscht


Washington - US-Präsident Barack Obama hat den irakischen Regierungschef Nuri al-Maliki am Freitag in Washington empfangen. Wichtigste Themen auf der bilateralen Agenda sind die gemeinsame Terrorbekämpfung, Militärhilfen sowie die Lage in Iraks Nachbarland Syrien und im Nahen Osten. Das Treffen fand unter dem Eindruck der zunehmenden Gewalt in dem Land statt.

Obama sagte vor Journalisten im Weißen Haus, bei dem mehr als 90-minütigen Gespräch sei es um eine engere Zusammenarbeit zwischen den USA und dem Irak gegangen, um al-Qaida zurückzudrängen. Maliki fordert von den USA die Lieferung von Drohnen, Kampfhubschraubern und anderen modernen Waffensystemen, "um den Terrorismus zu bekämpfen".

Die US-Regierung und einige Senatoren sind jedoch der Meinung, dass Maliki mit seinem zunehmend autokratischen Führungsstil selbst zu der Eskalation der Gewalt in seinem Land beigetragen habe. Die US-Regierung arbeite aber mit dem Kongress an Möglichkeiten, Bagdad mit weiteren Militärhilfen zu unterstützen, sagte die US-Außenamtssprecherin Jen Psaki.

Der US-Präsident versprach Maliki seine Unterstützung bei der Schaffung eines "demokratischen" und "wohlhabenden" Irak, in dem alle Bevölkerungsgruppen in Politik und Gesellschaft eingebunden seien.

Die blutigen Auseinandersetzungen zwischen den Religionsgruppen im Irak haben seit Januar wieder deutlich zugenommen. Genährt wird die Gewalt von einem Machtkampf zwischen dem schiitischen Regierungschef Maliki und der sunnitischen Opposition, die ihm einen autoritären Regierungsstil und die Diskriminierung ihrer Minderheit vorwirft. Extremistengruppen mit Verbindungen zum Terrornetzwerk al-Qaida nutzen die angespannte Lage, um Kämpfer im Irak zu rekrutieren und Anschläge zu verüben.

Im Oktober starben knapp tausend Menschen bei Anschlägen

Mit 964 Toten wurden laut der irakischen Regierung im Oktober so viele Menschen bei Anschlägen getötet wie seit über fünf Jahren nicht mehr. Demnach wurden 855 Zivilisten, 65 Polizisten und 44 Soldaten getötet. Darüber hinaus seien 1600 Menschen verletzt worden. Im April 2008 hatten bei Anschlägen 1073 Menschen das Leben verloren

In einer Rede hatte Maliki am Donnerstag gesagt, dass der Terrorismus in seinem Land auf internationaler Ebene bekämpft werden müsse. "Das Problem ist gewaltig und wächst weiter, und wir sollten es in Angriff nehmen", sagte Maliki vor dem US-Friedensinstitut in Washington.

Im März 2003 hatte der damalige US-Präsident George W. Bush US-Einheiten in den Irak einmarschieren lassen - ohne Rückendeckung durch die Vereinten Nationen. An der Spitze einer "Koalition der Willigen" stürzte die US-Armee binnen weniger Wochen den irakischen Machthaber Saddam Hussein. Die Bush-Regierung rechtfertigte den Einmarsch mit der angeblichen Bedrohung durch Massenvernichtungswaffen sowie mutmaßlichen Kontakten Saddam Husseins zum Terrornetzwerk al-Qaida.

Beide Gründe stellten sich später als falsch heraus, das Land versank nach der Invasion im Chaos. Nach achtjähriger Besatzung hatten die letzten US-Soldaten den Irak Ende 2011 verlassen. Nun fürchtet Washington, dass neben dem Bürgerkrieg in Syrien auch das Nachbarland Irak wieder in den Strudel der Gewalt gezogen wird.

sun/dpa/AFP

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.