Gekapertes Schiff im Mittelmeer Malta klagt drei Migranten an

Weil sie nicht nach Libyen zurück wollten, haben verzweifelte Migranten ein Schiff im Mittelmeer gekapert. Die maltesische Justiz wirft nun drei von ihnen Terrorismus vor.

Soldaten auf der "El Hiblu 1"
Rene Rossignaud/AP

Soldaten auf der "El Hiblu 1"


Drei junge Afrikaner, die ein Tankschiff mit Migranten an Bord auf dem Weg nach Libyen in ihre Gewalt gebracht haben sollen, sind in Malta angeklagt worden. Die Teenager im Alter von 15, 16 und 19 Jahren erschienen am Samstag vor Gericht in Valletta. Bei einer Verurteilung wegen Terrorvorwürfen drohen ihnen mehrere Jahre bis Jahrzehnte Haft.

Das Schiff "El Hiblu 1" hatte am Mittwoch dicht vor der libyschen Küste im Mittelmeer 108 Migranten gerettet, darunter auch Frauen und Kinder. Als sie hörten, dass sie nach Libyen zurückgebracht werden sollten, zwangen die Beschuldigten den Kapitän, den Kurs in Richtung Malta zu ändern. Die Insel liegt rund 350 Kilometer nördlich der libyschen Küste, von der aus viele Afrikaner die gefährliche Überfahrt nach Europa versuchen.

In der Nähe der Insel übernahm die maltesische Armee die Kontrolle über das Schiff, das am Donnerstagabend im Hafen von Valletta anlegte. Die drei Angeklagten, die die Vorwürfe zurückwiesen, bleiben vorerst in Haft. Die übrigen Migranten wurden in einem Aufnahmezentrum untergebracht.

Zahlreiche im Mittelmeer gerettete Flüchtlinge haben sich in den vergangenen Monaten dagegen gewehrt, in Libyen an Land zu gehen. Erst in der vergangenen Woche hatte der Uno-Vizegeneralsekretär für Menschenrechte, Andrew Gilmour, von Folter und Vergewaltigungen berichtet, die Migranten in dem nordafrikanischen Land erwarteten.

kry/dpa/AFP

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