Mord an Journalistin in Malta Attentäter sollen mindestens 150.000 Euro erhalten haben

Nach dem Rücktritt dreier hochrangiger Regierungsmitarbeiter in Malta ist der Mord an Daphne Caruana Galizia endgültig zum Politskandal geworden. Medien enthüllen neue Details zu Attentätern und Auftraggebern.

Protest in Valletta: Die Hintergründe des Mordes an Caruana Galizia sind noch immer nicht vollständig aufgeklärt
REUTERS/Yara Nardi

Protest in Valletta: Die Hintergründe des Mordes an Caruana Galizia sind noch immer nicht vollständig aufgeklärt


Seit Ende 2017 sitzen Vincent Muscat und die Brüder Alfred und George Degiorgio in Haft. Den drei Männern wird vorgeworfen, vor gut zwei Jahren den Autobombenanschlag auf die Journalistin Daphne Caruana Galizia verübt zu haben. Bis heute ist aber nicht geklärt, wer sie damit beauftragte.

Das könnte sich bald ändern: Nach mehreren Festnahmen und Rücktritten hochrangiger Politiker haben die Ermittlungen in den vergangenen Tagen plötzlich wieder Fahrt aufgenommen. Zudem förderten Medien neue Details über die Hintergründe zutage.

Die 53-jährige Caruana Galizia war am 16. Oktober 2017 bei einem Bombenanschlag auf ihr Auto getötet worden. Als Journalistin hatte sie regelmäßig über Korruption, Geldwäsche, Vetternwirtschaft und andere illegale Geschäfte in Malta berichtet. In manche der Skandale waren auch Mitglieder der Regierung verwickelt.

Wieviel Geld erhielten die Auftragskiller?

Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, dass die drei Auftragsmörder insgesamt 150.000 Euro für den Anschlag erhielten. Dies habe Vince Muscat, einer der Verdächtigen, bereits im April 2018 gestanden - wohl in der Hoffnung, begnadigt zu werden. Reuters besaß diese Information nach eigenen Angaben bereits seit dem vergangenen Jahr, entschied sich aber gegen eine Veröffentlichung, um die laufenden Ermittlungen nicht zu gefährden. Der Verdächtige Muscat ist nicht verwandt mit dem maltesischen Premier Joseph Muscat.

Die Zeitung "Malta Today" berichtete unter Berufung auf maltesische Sicherheitsbehörden, dass Muscat und die Degiorgio-Brüder insgesamt 450.000 Euro erhalten hätten. Die Zahlung sei von dem Geschäftsmann Yorgen Fenech über den Mittelsmann Melvin Theuma getätigt worden. Dem Bericht zufolge gewannen die Ermittler ihre Informationen aus aufgezeichneten Gesprächen Fenechs mit Theuma. Unklar ist, ob Theuma selbst Teile der 450.000 Euro erhielt, oder ob es sich womöglich um 150.000 Euro für jeden der drei Auftragsmörder handelte.

Sowohl Reuters als auch "Malta Today" melden, dass Fenech - der in einer spektakulären Aktion festgenommen worden war - eine weitere Person in den Fokus der Ermittler gerückt hat: Keith Schembri. Fenech beschuldigt demnach den langjährigen Stabschef der maltesischen Regierung, der eigentliche Auftraggeber des Mordes an Caruana Galizia gewesen zu sein. Schembri wurde unmittelbar nach seinem Rücktritt am Dienstag festgenommen.

EU-Parlament will Druck auf Maltas Regierung ausüben

Die jüngsten Ereignisse setzen auch Premierminister Joseph Muscat zunehmend unter Druck. Der Regierungschef hatte vor zwei Jahren schonungslose Aufklärung versprochen, doch die Ermittlungen kamen lange Zeit kaum voran.

Inzwischen ist auch das Europäische Parlament alarmiert: Die Abgeordneten beschlossen am Donnerstag angesichts der neuen Entwicklungen, in der kommenden Woche eine eigene Delegation in das EU-Mitgliedsland zu senden.

Mitglieder der Beobachtungsgruppe für Rechtsstaatlichkeit würden nach Malta reisen, sagte die Vorsitzende der Gruppe, die Niederländerin Sophie in't Veld. Absicht der Reise sei es nicht, sich in nationale Angelegenheiten einzumischen, betonte die Niederländerin. Der Druck auf Maltas Regierung müsse jedoch aufrechterhalten werden, damit die Wahrheit ans Licht komme.

"Die Europäische Union kann angesichts der Ereignisse in Malta nicht schweigen", schrieb die maltesische EU-Parlamentarierin Roberta Metsola auf Twitter. "Eindeutige politische Verbindungen müssen eindeutige politische Konsequenzen haben."

mes/Reuters/dpa

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