Nach Absage von Italien Malta schließt seinen Hafen für die "Alan Kurdi"

Weil der "Alan Kurdi" die Einfahrt nach Lampedusa verboten wurde, nahm das Schiff Kurs auf Malta. Nun wurden die Seenotretter mit 65 Flüchtlingen an Bord auch dort abgewiesen.

Fabian Heinz/Sea-Eye/dpa

Maltesische Behörden haben dem Rettungsschiff "Alan Kurdi" mit Dutzenden Migranten an Bord untersagt, im Hafen der Insel anzulegen. "Sie haben keine Erlaubnis, in maltesische Hoheitsgewässer einzudringen", sagte ein Armeesprecher im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Das Schiff der Organisation Sea-Eye hatte nach eigenen Angaben 65 Migranten in internationalen Gewässern vor Libyen von einem Schlauchboot gerettet.

Die Organisation hat die Hoffnung jedoch nicht verloren: "Wir sind sicher, dass Malta uns einen sicheren Hafen bieten wird, sobald Deutschland und andere EU-Staaten anbieten, die Menschen aufzunehmen. Wir erwarten, dass Malta damit nicht allein gelassen wird", sagte Sea-Eye-Sprecherin Carlotta Weibl.

Die Situation an Bord sei ruhig, sagte Weibl dem SPIEGEL auf Anfrage. "Das größte Problem im Moment ist die Hitze. Wir können nicht alle Menschen unter Deck oder in den Schatten bringen, sodass sie bei eh schon geschwächtem physischen Zustand in der prallen Sonne ausharren müssen", sagte sie weiter.

Wenn die Todesfälle im Mittelmeer aufhören sollen, dann dürfen Rettungsschiffe nicht wochenlang vor den Inseln liegen bleiben, sagte Weibl. Es gebe keine medizinischen Notfälle an Bord. Die Menschen seien aber geschwächt, fügte Weibl hinzu.

Salvini hatte Einfahrt in Lampedusa verboten

Die "Alan Kurdi" - benannt nach dem dreijährigen syrischen Flüchtlingsjungen, dessen Leiche im Spätsommer 2015 an einem Strand in der Türkei angespült wurde - wollte zunächst im Hafen der italienischen Insel Lampedusa einlaufen. Es hatte aber stundenlang vergeblich auf die Erlaubnis der dortigen Behörden gewartet. Italiens Innenminister Matteo Salvini hatte dem Schiff verboten, dort in den Hafen einzulaufen.

"Wir können nicht abwarten, bis an Bord der Notstand ausbricht", hatte Sea-Eye-Einsatzleiter Gorden Isler am Samstag gesagt. Die maltesische Armee sagte am Sonntag, das Schiff habe noch keine Notfallversorgung angefordert.

Nun teilte er dem SPIEGEL mit, die "Alan Kurdi" warte derzeit außerhalb der 12-Meilen-Zone vor Malta in internationalem Gewässer. Er hoffe, auf eine rasche Lösung, so Isler weiter.

Zuvor hatte Innenminister Horst Seehofer angeboten, einen Teil der geretteten Flüchtlinge aufzunehmen. "Auch im Fall der 'Alan Kurdi' und der 'Alex' sind wir im Rahmen einer europäisch-solidarischen Lösung bereit, einen Teil der aus Seenot Geretteten aufzunehmen", sagte Seehofer. Dies habe er bereits am Freitagvormittag der Europäischen Kommission mitgeteilt und um Koordinierung gebeten.

Briefwechsel zwischen Seehofer und Salvini

In einem Brief an seinen italienischen Amtskollegen Salvini hatte Seehofer am Samstag eine europäische Lösung gefordert und appelliert, die Häfen zu öffnen. "Wir können es nicht verantworten, dass Schiffe mit geretteten Menschen an Bord wochenlang im Mittelmeer treiben, weil sie keinen Hafen finden", schrieb Seehofer an Salvini. Dieser antwortete umgehend. "Die Bundesregierung bittet mich, italienische Häfen für die Schiffe zu öffnen? Absolut nicht", sagte er.

Salvini war angetreten, die illegale Einwanderung nach Italien zu stoppen. Er konzentriert sich vor allem auf medienwirksame Aktionen gegen Rettungsschiffe, denen er das Einlaufen in italienische Häfen untersagt.

Anders als die Besatzung der "Alan Kurdi" entschied sich die italienische Hilfsorganisation Mediterranea, mit ihrem Rettungsschiff "Alex" trotz des Verbots in den Hafen von Lampedusa einzulaufen. Die Gesundheits- und Hygienesituation an Bord sei unerträglich, teilte die Organisation mit. An Bord des relativ kleinen für 18 Menschen zugelassenen Motorseglers befänden sich 60 Menschen, darunter 41 Gerettete.

Für Aufsehen sorgte vor einer Woche auch die vorübergehende Festnahme der deutschen Kapitänin Carola Rackete. Sie war nach mehr als zweiwöchiger Blockade mit ihrem Schiff "Sea-Watch 3" mit 40 Geretteten trotz Verbots Salvinis in den Hafen von Lampedusa eingelaufen.

asc/dpa

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