Rettungsschiff "Alan Kurdi" 62 Flüchtlinge sind in Malta an Land gegangen

Nach zehntägigem Tauziehen haben die 62 Flüchtlinge das deutsche Rettungsschiff "Alan Kurdi" verlassen können. Das Schiff durfte allerdings nicht in den Hafen von Maltas Hauptstadt Valetta einlaufen.

Flüchtlinge, die von der "Alan Kurdi" gerettet wurden, werden nach Malta gebracht
REUTERS

Flüchtlinge, die von der "Alan Kurdi" gerettet wurden, werden nach Malta gebracht


Die 62 Migranten, die tagelang auf einem deutschen Rettungsschiff im Mittelmeer ausgeharrt hatten, sind nach Malta gebracht worden. Sie wurden in Maltas Hauptstadt Valetta gebracht, von wo aus sie auf Deutschland, Frankreich, Portugal und Luxemburg verteilt werden. Die Regierung Maltas betonte, dass keiner der Geretteten in ihrem Land bleibe.

Das Rettungsschiff "Alan Kurdi" von der Organisation Sea-Eye hatte die Menschen am 3. April vor der libyschen Küsten gerettet. Das Schiff bekam dann keine Genehmigung, in einen sicheren Hafen einzufahren, da Italien und Malta auf eine Verteilung der Menschen auf andere EU-Länder pochten. Zwei Migrantinnen wurden aus gesundheitlichen Gründen in Malta an Land gebracht. Auch ein Crewmitglied wurde wegen schwerer Kreislaufbeschwerden von Bord gebracht.

Auch jetzt durfte die "Alan Kurdi" nicht in Malta einlaufen, wie die Regierung des rund 350 Kilometer nördlich der libyschen Küste gelegenen Inselstaates angekündigt hatte. Sie mussten von dem Rettungsschiff auf ein Boot der maltesischen Marine wechseln, das sie dann an Land brachte.

EU-Flüchtlingskommissar Dimitris Avramopoulos begrüßte auf Twitter die "erreichte koordinierte Lösung". Deutschland nimmt nach Angaben des Bundesinnenministeriums bis zu 26 Menschen auf.

Italiens Innenminister Matteo Salvini teilte über Twitter mit, er sei erfreut über den Ausgang. "Wie versprochen, wird kein Immigrant von diesem deutschen Schiff in Italien ankommen." Malta stufe Hilfsorganisationen wie Sea Eye zu Recht als gefährlich ein, schrieb Salvini und erklärte, Italien stehe an der Seite Maltas "im Kampf gegen Schlepper". Die "Alan Kurdi" hatte zunächst die italienische Insel Lampedusa angesteuert, doch Salvini hatte eine Aufnahme der Menschen abgelehnt und Deutschland aufgefordert, sich um das "Problem" zu kümmern.

Die deutsche Menschenrechtsorganisation Pro Asyl kritisierte das Verhalten des kleinsten EU-Landes als "unerträglich". "Es gibt überhaupt keine nachvollziehbare Erklärung, dass Malta die "Alan Kurdi" nicht einlaufen lässt. Malta tritt die Menschenwürde mit Füßen", sagte Geschäftsführer Günter Burkhardt. Pro Asyl fordere einen Europäischen Verteilungsschlüssel für Angelandete und aus Seenot gerettete Bootsflüchtlinge.

Seit Jahresbeginn sind nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) 356 Menschen im Mittelmeer ertrunken oder gelten als vermisst.

mal/dpa/AFP



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