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Manchester Explosion war Anschlag - Attentäter unter den Toten

22 Menschen kamen ums Leben, darunter auch Kinder. Jetzt gibt die Polizei bekannt: Die Explosion in einer Konzerthalle in Manchester war ein Selbstmordattentat.
Der schnelle Überblick

• Bei einem Pop-Konzert in Manchester hat sich ein Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt.• 22 Menschen kamen ums Leben, darunter Kinder. Rund 60 Personen wurden verletzt.• Die Terrormiliz "Islamischer Staat" hat die Tat für sich reklamiert. Über die Hintergründe des Attentats ist allerdings noch wenig bekannt. Die Fakten im Überblick. 

Bei der Explosion am Ende eines Popkonzerts in Manchester handelt es sich offenbar um einen Selbstmordanschlag. Das sagte ein Polizeisprecher am Morgen. 22 Menschen wurden demnach getötet, darunter auch Kinder und Jugendliche. 59 weitere Personen seien verletzt. Der Täter sei ebenfalls unter den Toten.

Der Mann habe einen selbstgebauten Sprengsatz am Körper getragen und kurz vor Mitternacht im Eingangsbereich der Halle zur Detonation gebracht, als die Zuschauer die Arena verließen, teilte die Polizei mit. Dort hatte die US-Sängerin Ariana Grande ein Konzert gegeben. Ob der Täter völlig alleine gehandelt hat, oder ob ein Netzwerk hinter dem Anschlag steht, ist noch nicht bekannt.

Die Explosion hatte sich am späten Montagabend in der Manchester Arena ereignet, die bis zu 21.000 Besuchern Platz bietet. Zeugen berichteten von einem Knall nach dem letzten Lied Grandes gegen 22.30 Uhr Ortszeit.

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Attentat auf Konzertbesucher: Großeinsatz in Manchester

Foto: DARREN STAPLES/ REUTERS

Rund um die Halle zogen bewaffnete und maskierte Polizisten auf. Auch Sprengstoffspezialisten waren im Einsatz. Der unmittelbar neben der Halle liegende Bahnhof Manchester Victoria wurde gesperrt.

In der Konzerthalle spielten sich nach der Explosion laut Augenzeugen dramatische Szenen ab. "Der Knall hallte durch das Foyer der Arena, und die Leute fingen an zu laufen", berichtete ein 17-Jähriger, der mit seiner zwei Jahre älteren Schwester das Konzert besucht hatte. "Ich sah, wie die Leute schreiend in eine Richtung rannten und sich plötzlich viele umdrehten und wieder in die andere Richtung liefen", sagte der Jugendliche dem Nachrichtensender Sky News.

Video zum Anschlag in Manchester:

Einem Sprecher von Grande zufolge war die 23-Jährige wohlauf. Die Sängerin ist besonders bei Kindern und Jugendlichen beliebt.

Sollte es sich um einen Terroranschlag handeln, wäre es für Großbritannien der schwerste seit 2005. Damals zündeten vier Islamisten mit britischem Pass in der U-Bahn und einem Bus Sprengsätze. 56 Menschen starben, etwa 700 wurden verletzt. Im März war ein Mann am Parlament in London in eine Menschenmenge gerast und hatte anschließend einen Polizisten erstochen. Insgesamt starben bei dem Anschlag fünf Menschen. Im Vereinigten Königreich gilt seit August 2014 die zweithöchste Terrorwarnstufe 4.

Die Explosion bei dem Ariana-Grande-Konzert löste weltweit Betroffenheit aus. Premierministerin Theresa May und ihr Herausforderer bei der bevorstehenden Wahl, Jeremy Corbyn, setzten den Wahlkampf bis auf Weiteres aus.

Der deutsche Regierungssprecher Steffen Seibert äußerte sich erschüttert über den Anschlag. "In Gedanken bei den Toten, dem Leid der Verletzten und denen, die ihre Liebsten noch suchen", schrieb er auf Twitter. Der französische Präsident Emmanuel Macron drückte den Briten nach dem Anschlag von Manchester ebenfalls sein Mitgefühl aus.

Karte zum Anschlagsort

Karte zum Anschlagsort

Foto: SPIEGEL ONLINE/ GoogleEarth
kev/AFP/dpa/Reuters
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