Mangelndes Krisenmanagement Schwere Vorwürfe gegen die Bundesregierung nach BND-Affäre

Zu langsam, zu defensiv, zu umständlich: Hohe Geheimdienstler und Politiker von SPD und CDU werfen der Bundesregierung schlechtes Krisenmanagement in der Kosovo-Agentenaffäre vor. Die angeblichen BND-Attentäter sind inzwischen unterwegs nach Deutschland.

Hamburg/Pristina - Nun gerät die Bundesregierung in die Kritik: An der Reaktion Berlins auf die Festnahme von drei Agenten des Bundesnachrichtendienstes (BND) im Kosovo gibt es schwere Beanstandungen. Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" wird sie von hochrangigen Vertretern des Auslandsgeheimdienstes und Politikern von SPD und CDU geäußert.

Die Zeitung zitiert einen nicht genannten angeblich hochrangigen Geheimdienstmitarbeiter mit den Worten: "Es hätte die Bundesregierung nichts gekostet, der Regierung in Pristina klarzumachen, dass diese Provokation nicht so einfach hingenommen wird. Es war gleich klar, dass die Vorwürfe gegen die drei Männer fingiert waren. Da darf man nicht zusehen, wie die weiter im Gefängnis schmoren."

Die drei im Kosovo festgenommenen BND-Mitarbeiter sind am Freitagabend gegen 19 Uhr freigelassen worden. Sie werden am Samstag in Deutschland zurückerwartet. Die Männer, denen ein Bombenanschlag auf das EU-Hauptquartier im Kosovo zur Last gelegt worden war, starteten am Morgen mit einer deutschen Sondermaschine vom Militärflughafen Pristinas.

Erst am Freitag hatte Regierungssprecher Thomas Steg die unverzügliche Freilassung der Deutschen gefordert. "Diese Reaktion kam viel zu spät", zitiert die "Süddeutsche Zeitung" einen Nachrichtendienstler. Außerdem hätte die Regierung schärfer vorgehen können. Deutschland sei einer der wichtigsten Geldgeber des Balkan-Staates. Ein weiterer hochrangiger BND-Mitarbeiter meinte dem Bericht zufolge, die Bundesregierung habe sich von einem Land, in dem "organisierte Kriminalität die Staatsform ist, am Nasenring durch die Weltpolitik führen lassen".

Der CDU-Bundestagsabgeordnete und Geheimdienstexperte Bernd Schmidbauer sagte dem Blatt: "Ein besseres Krisenmanagement der Bundesregierung wäre wünschenswert gewesen." Berlin hätte "größeren Druck auf die kosovarische Regierung aufbauen müssen", sagte der Parlamentarier.

Johannes Jung, SPD-Bundestagsabgeordneter und Mitglied im Auswärtigen Ausschuss, forderte der "SZ" zufolge, die deutsche Strategie im Kosovo zu überprüfen. Der Kosovo sei "ein Zentrum der organisierten Kriminalität, das jetzt ein Staat sein darf".

Keine Beweise für BND-Verstrickung

Laboruntersuchungen hatten keine Beweise für eine Beteiligung der drei Männer im Alter zwischen 41 und 47 Jahren an dem Sprengstoffanschlag ergeben. Die Freilassung hatte sich am Freitag verzögert. Richter des Kreisgerichts Pristina berieten darüber stundenlang.

Am Donnerstag hatte sich eine Gruppe zu dem Anschlag bekannt, die sich Armee der Republik Kosovo (ARK) nennt. Ein Polizeisprecher in der kosovarischen Hauptstadt Pristina sagte, die ARK habe sich in einer E-Mail an mehrere Medien zu dem Anschlag auf das Büro des EU-Sondergesandten in Pristina bekannt. Sie drohte mit weiteren Anschlägen, sie werde "mit voller Kraft" zuschlagen, wenn die vom Uno-Sicherheitsrat abgesegneten Pläne zum Aufbau der EU-Polizei- und Justizmission Eulex in ihrer derzeitigen Form vollständig umgesetzt werden. Eulex arbeite zu serbischen Bedingungen und werde von den Albanern abgelehnt.

flo/AP/dpa

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