Manipulationsvorwürfe Griechischer Chef-Statistiker muss mit Anklage rechnen

Der Chef der griechischen Statistikbehörde soll das Land künstlich arm gerechnet haben. Damit habe er strengere Sparmaßnahmen durchsetzen wollen, behauptet ein entlassener Mitarbeiter - als Handlanger einer von Deutschland angeführten Verschwörung. Angeblich will die Staatsanwaltschaft Anklage erheben.

Athen - Rund 240 Milliarden Euro hat die internationale Gemeinschaft bislang aufgebracht, um die griechischen Staatsfinanzen zu stützen. Immer wieder wurde im Zuge der Euro-Krise die Korrektheit des griechischen Budgets angezweifelt, immer wieder der Verdacht geäußert, die Schuldenmisere werde künstlich kleingerechnet. All das trug mit zum massiven Vertrauensverlust gegenüber Griechenland bei.

Doch angeblich wurde zumindest einmal das Budgetdefizit künstlich vergrößert: Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters plant die Staatsanwaltschaft eine Anklage gegen Andreas Georgiou, den Chef der griechischen Statistikbehörde Elstat.

Ihm und zwei weiteren Elstat-Mitarbeitern werde vorgeworfen, Bilanzen manipuliert und so das Haushaltsdefizit 2009 größer dargestellt zu haben als es wirklich gewesen sei. Die Agentur beruft sich auf einen Mitarbeiter des Gerichts, laut dem Georgiou Pflichtverletzungen und die Fälschung von Finanzdaten vorgeworfen werden.

Mutmaßungen über von Deutschland angeführte Verschwörung

Georgiou hatte 2010 das Amt des Chef-Statistikers übernommen. Zuvor war der 52-Jährige, beim Internationalen Währungsfonds (IWF) tätig. Die offiziellen griechischen Finanzdaten waren vor seinem Amtsantritt mehrfach vom IWF und von der EU bemängelt worden. Als der neue Chef das Budget von 2009 nachrechnete, schienen die Fehler zu Tage zu treten: Das Defizit stieg von bis dahin berechneten 13,6 Prozent auf mehr als 15 Prozent.

Nun steht jedoch offenbar auch die neue Rechnung im Fokus der Ermittler. Hintergrund ist laut der Meldung der Vorwurf eines entlassenen Elstat-Mitarbeiters. Demzufolge soll Georgiou als Teil einer von Deutschland angeführten Verschwörung gehandelt haben, mit dem Ziel, strenge Sparmaßnahmen durchzusetzen.

Georgiou hat die Anschuldigungen schon in der Vergangenheit zurückgewiesen. Er nannte es damals einen beispiellosen Vorgang, dass gegen einen Statistiker ermittelt werde, der nach den EU-Vorschriften gehandelt habe. Zum Fortgang der Ermittlungen äußerte er sich nicht. Auch das EU-Statistikbehörde Eurostat verteidigte Georgiou.

usp/Reuters
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