Manning-Affäre Clinton-Berater attackiert Pentagon

Die Affäre um den mutmaßlichen WikiLeaks-Informanten Bradley Manning sorgt für Ärger zwischen Pentagon und US-Außenministerium. Ein Sprecher von Ministerin Clinton bezeichnete die Haftbedingungen für den Soldaten als "dumm und kontraproduktiv".

US-Obergefreiter Manning: Zugang zu vertraulichen Dokumenten
AP

US-Obergefreiter Manning: Zugang zu vertraulichen Dokumenten


Washington - Im Skandal um den inhaftierten US-Soldaten Bradley Manning wird der Ton zwischen US-Militär und dem Außenministerium schärfer. PJ Crowley, Sprecher für Außenministerin Hillary Clinton, erklärte, der mutmaßliche Informant der Enthüllungsplattform WikiLeaks werde "falsch behandelt". Dies berichtet der britische "Guardian" auf seiner Internet-Seite.

"Was mit Manning passiert, ist lächerlich, kontraproduktiv und von Seiten des Verteidigungsministeriums schlicht dumm", so Crowley, der sich im Rahmen eines Vortrags an einer Universität in Boston den Fragen stellte. Es ist das erste Mal, dass aus der US-Regierung öffentliche Kritik an dem Umgang mit dem Soldaten laut wird.

Der 23-jährige Manning sitzt seit zehn Monaten ohne Prozess im Militärgefängnis von Quantico im US-Bundesstaat Virginia. Sein Anwalt kritisierte die Haftbedingungen dort und beschuldigte die Behörden, seinen Mandanten misshandelt zu haben. Manning sei "ohne Erklärung" seine Kleidung abgenommen worden, und er habe nachts sieben Stunden lang nackt in seiner Zelle ausharren müssen, so David Coombs.

Manning selbst bestätigte die Aussagen seines Anwalts in einem Brief, den der "Guardian" am Freitag in bearbeiteter Fassung abdruckte.

Er habe sich nach eigenen Angaben über die Haftbedingungen offiziell beschwert. Als die Beschwerde am 2. März zurückgewiesen worden sei, hätten die Schikanen zugenommen. Er dürfe in der Zelle keinen Sport treiben und nur ein Buch oder eine Zeitschrift lesen. "Ich darf meine Zelle nur für eine Stunde verlassen", heißt es in dem Brief. "23 Stunden am Tag muss ich auf meinem Bett in meiner Zelle verbringen", so Manning.

Das Verteidigungsministerium der USA hält Manning für einen Verräter. Der Geheimdienst-Analyst hatte während seiner Dienstzeit im Irak Zugang zu Hunderttausenden vertraulichen Dokumenten. Offiziell erhoben die Militärs bislang lediglich Anklage wegen eines Videos, mit dem WikiLeaks weltweit Aufsehen erregt hatte, weil es einen brutalen, tödlichen Hubschrauberangriff auf Zivilisten zeigte.

WikiLeaks feiert Manning als "Helden"

Damals wurde Anklage in zwei Punkten erhoben. Manning wurde darin ein Verstoß gegen die Regeln der Streitkräfte vorgeworfen, weil er vertrauliche Dokumente auf seinen Computer geladen haben soll. Im zweiten Anklagepunkt waren eine Reihe strafrechtlicher Vergehen zusammengefasst, unter anderem der Verrat militärischer Geheimnisse.

Der WikiLeaks-Gründer Julian Assange bezeichnete Manning als "Helden". Wenn die Verdächtigungen wahr seien, sei der 23-jährige US-Soldat ein "beispielloser Held", sagte Assange am Donnerstag dem britischen Sender ITV News. WikiLeaks gibt die Namen seiner Informanten nicht preis. Die US-Justiz prüft derzeit rechtliche Schritte gegen Assange.

jok

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Redigel 11.03.2011
1. Dr.
Zitat von sysopDie Affäre um den mutmaßlichen WikiLeaks-Informanten Bradley Manning sorgt für Ärger zwischen Pentagon und US-Außenministerium. Ein Sprecher von Ministerin Clinton bezeichnete die Haftbedingungen für den Soldaten als "dumm und kontraproduktiv". http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,750447,00.html
Was die liebevollen Amerikaner da mit einem der ihren machen kann man schön anhand zweier Bilder sehen, ohne sie zu kommentieren. Vorher: http://www.fullissue.com/wp-content/uploads/2010/11/bradley-manning.jpg Nachher: http://www.worldwidehippies.com/wp-content/uploads/2010/12/bradley-manning.jpg
pantharei 11.03.2011
2. Bradley Manning
Ja, ich finde du hast recht. Mir scheint, Manning konnte es einfach nicht mehr ertragen, was er zu sehen bekommen hatte in seinem Job als Soldat. Die "christlichste" aller Nationen wiederum kann den Blick in den Spiegel nicht aushalten und zerstört einen intakten Menschen, dem für seinen Mut gedankt werden muss. Merkwürdigerweise ist die "christlichste" aller Nationen zur Zeit die gewalttätigste, roheste, eigentlich: die dümmste. Und danke für den Link zu diesem Text, den ich bei den worldwidehippies.com gefunden habe, wovon das zweite Bild stammt. Dort wird die Situation der Menschheit ziemlich nüchtern beschrieben. http://www.truthdig.com/report/item/this_time_were_taking_the_whole_planet_with_us_20110307/ Wir werden nur weiter leben, wenn wir einen radikalen Wandel vollziehen. Indem wir uns selbst organisieren und uns selber wandeln, in unserem Verhalten zueinander und zu unserem gesamten menschlichen und nicht-menschlichen Umfeld. Und indem wir ein neues Menschenbild entwickeln. Es wird nur gehen in dem Maß, wie wir verstehen, dass wir eins sind, dass alles Leben eins ist. Auf "Eliten" ist nur insoweit Verlass, als sie den Untergang der Menschheit meisterhaft vorantreiben. Deswegen macht es keinerlei Sinn, auf irgendjemanden abzulästern und irgendjemandem Schuld zuzuweisen. Sie können's derzeit einfach nicht besser... Und wenn wir auf diesem Planeten etwas wirklich, wirklich im Überfluss haben, dann sind das Schuldzuweisungen. Wir können's Jede(r) nur selber besser machen... Vergebung üben zum Beispiel. Uns selber aus der Unbewusstheit unserer eigenen automatischen und gewalttätigen Stammhirnreaktionen befreien durch Aktivieren unserer höheren Hirnfunktionen... Das reduziert ganz nebenher auch religiösen Wahn, der zu so vielen Kriegen verleitet hat.
geotie 11.03.2011
3. Yohh
Bei diesen Haftbedienungen kommt mir der Verdacht auf, das der Staat sich wie eine einzelne Person verhält die unbedingt einen Schuldigen haben will um seine Aggressionen an ihm ablassen zu können. Dabei wissen wir ja inzwischen, dass die Soldaten von allerhöchster Stelle (z. B. George W. Bush) zu solchen Aktionen angestachelt wurden. Und jetzt ist man wütend, dass es sogar Menschen aus den eigenen Reihen so viel Rückgrat haben und das Kind beim Namen nennen und den Staat und deren Handlungen an den Pranger stellen. Wobei noch nicht einmal eindeutig bewiesen wurde, dass dieser Soldat wirklich der 'Verräter' war. Ansonsten bin ich der Meinung, dass nicht alles an die Öffentlichkeit gelangen muss, wie das Thema mit den Botschafterdepeschen. Aber Mord und Folter müssen rechtlich verfolgt werden, da dürfen Ermittler und der Handlanger nicht behindert werden! Auch ein Staat hat nicht das Recht, Morde zu begehen!
Emil Peisker 12.03.2011
4. ...gehören vor ein Kriegsgericht
Zitat von sysopDie Affäre um den mutmaßlichen WikiLeaks-Informanten Bradley Manning sorgt für Ärger zwischen Pentagon und US-Außenministerium. Ein Sprecher von Ministerin Clinton bezeichnete die Haftbedingungen für den Soldaten als "dumm und kontraproduktiv". http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,750447,00.html
Wenn Manning tatsächlich das Video, das die Morde aus dem US-Helikopter an Zivilisten und Verwundeten zeigt, an Wikileaks, unter Inkaufnahme schwerer persönlicher Nachteile, weitergegeben hat, so sollte man ihn für den Friedensnobelpreis 2011 vorschlagen. Skurril daran wäre nur, dass dann die USA ebenfalls einen Menschen einbuchten, der mit den Verbrechen, die von der eigenen Regierung gedeckt werden, nicht leben kann. Das bedeutet nicht, dass man die USA und China in Fragen der Menschenrechte auf die gleich schlechte Stufe setzen kann, aber es zeigt, dass falsch verstandener Corpsgeist in den Streitkräften dazu führt, dass man den Whistleblower einsperrt und die Mörder eventuell noch belobigt. Die Mörder und die für die Verschleierung verantwortlichen Generäle und Offiziere, gehören vor ein Kriegsgericht. Und solange das nicht passiert, betrachte ich die US-Army als einen korrupten Verein.
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