Lager auf Manus Polizei zwingt auch letzte Flüchtlinge zum Verlassen des Camps

Den zweiten Tag in Folge haben Polizisten aus Papua-Neuguinea das australische Flüchtlingscamp auf der Insel Manus gestürmt: Sie holten nun auch die letzten dort verbliebenen Männer aus dem Lager - teils mit Gewalt.

Einsatz im Lager auf Manus
Thanus/REUTERS

Einsatz im Lager auf Manus


Die Behörden in Papua-Neuguinea haben am Freitagmorgen auch die letzten Flüchtlinge aus dem offiziell geschlossenen Lager auf der Pazifikinsel Manus gebracht. Wie bereits am Vortag stürmten Polizisten auch am Freitag die Unterkünfte - dort hatten noch rund 370 Männer ausgeharrt und sich geweigert, das Camp zu verlassen.

"Sie sind alle weg. Sie sind in Busse gestiegen, haben ihre Sachen gepackt und sind weitergezogen", sagte Dominic Kakas von der Polizei in Papua-Neuguinea. Alle Flüchtlinge seien nun in der Stadt Lorengau untergebracht.

Augenzeugen zufolge gingen die Polizisten bei der Räumung teils mit Gewalt vor. Mehrere Flüchtlinge berichten von Verletzungen, die sie durch die Polizisten erlitten hätten. Videoaufnahmen aus dem Lager zeigen, wie mehrere Uniformierte mit langen Stöcken auf am Boden sitzende Männer zugehen und sie dazu bringen, ihnen zu folgen. Zudem zerstörten Uniformierte die Unterkünfte und Habseligkeiten der Flüchtlinge.

Das oberste Gericht in Papua-Neuguinea hatte die Lagerhaft der Männer im vergangenen Jahr für rechtswidrig erklärt. Die australische Regierung schloss das Lager Ende Oktober offiziell und stellte die Versorgung ein. Australien hat das bitterarme Land jahrelang dafür bezahlt, sich auf der abgelegenen Insel um die Flüchtlinge zu kümmern. Die Regierung von Malcolm Turnbull lässt Bootsflüchtlinge prinzipiell nicht ins Land. Stattdessen werden sie abgefangen, zurückgeschickt oder in Lager auf Manus und auf der noch kleineren Pazifikinsel Nauru gebracht.

Der offizielle Plan nach der Schließung des Camps auf Manus sieht vor, dass die Männer in drei Alternativlager in der Stadt Lorengau auf der Insel umgesiedelt werden. Hunderte der Flüchtlinge hatten sich allerdings geweigert, weil sie Angriffe aus der Bevölkerung fürchten. In der Vergangenheit hat es mehrfach gewalttätige Übergriffe gegeben. Laut Beobachtern - darunter das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen - sind zudem zwei der drei Unterkünfte noch gar nicht bezugsfertig.

Der Beginn der Räumung am Donnerstag hatte international für Schlagzeilen gesorgt. Mehrere Flüchtlinge hatten von der Aktion bei Twitter und Facebook berichtet. Einer der Wortführer, der iranische Journalist Behrouz Boochani, war festgenommen und abgeführt worden. Er wurde nach Ost-Lorengau gebracht und twittert seitdem von dort. Die Art und Weise, wie die Turnbull-Regierung mit den Männern auf Manus umgeht, sorgt auch im Land selbst für Streit: Menschenrechtsaktivisten, Teile der Bevölkerung und Oppositionspolitiker kritisieren das Vorgehen scharf.

Video: Polizei stürmt australisches Flüchtlingslager

REUTERS

aar

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