Verurteilte Agentin Butina zurück in Moskau "Ich nehme an, sie wollten meinen Willen brechen"

18 Monate saß die Russin Maria Butina in den USA in Haft, weil sie illegal als Agentin gearbeitet haben soll. Nach ihrer Abschiebung ist sie zurück in Moskau und hat sich bitter über ihre Haftbedingungen beklagt.

Maria Butina mit ihrem Vater nach ihrer Rückkehr in Moskau: "Schrecklichste Erfahrung"
SERGEI ILNITSKY/EPA-EFE/REX

Maria Butina mit ihrem Vater nach ihrer Rückkehr in Moskau: "Schrecklichste Erfahrung"


Nach ihrer Abschiebung aus den USA ist die wegen illegaler Agententätigkeit verurteilte Russin Maria Butina wieder zurück in Moskau - und hat schwere Vorwürfe gegen die US-Justiz erhoben. "Das war wahrscheinlich die schrecklichste Erfahrung meines Lebens", sagte die 30-Jährige dem Staatssender Russia Today.

Sie sprach von "Folter" angesichts der Tatsache, dass sie in Untersuchungshaft an 117 Tagen in Einzelhaft gewesen sei. "Ich nehme an, sie wollten meinen Willen brechen." Was ihr passiert sei, zeige definitiv, dass Amerika sein Justizsystem verliere, behauptete Butina - ohne weiter auf Haftbedingungen für Menschen in Russland einzugehen. Sie blieb dabei, dass sie sich nichts zuschulden habe kommen lassen.

Die Russin war vor einigen Jahren mit einem Studentenvisum in die USA eingereist und hatte sich in Washington immatrikuliert. Die US-Bundespolizei FBI hielt das Studium jedoch für eine Tarnung ihrer Agententätigkeit. Im Juli 2018 wurde Butina festgenommen und kam in Untersuchungshaft. Später wurde sie in Washington wegen illegaler Agententätigkeit zu 18 Monaten Haft verurteilt.

Butina selbst hatte zugegeben, unter Anleitung eines Moskauer Regierungsvertreters in den USA tätig gewesen zu sein. Ihre Aktivitäten fielen demnach auch in die Zeit des US-Präsidentschaftswahlkampfs 2016. Butina, die sich als Waffenrechtsaktivistin engagierte, soll unter anderem versucht haben, die US-Waffenlobby National Rifle Association (NRA) zu infiltrieren. Die NRA steht den Republikanern von US-Präsident Donald Trump nahe.

Verheerende Zustände in russischen Straflagern

Butina kündigte an, sie wolle sich in Russland als Waffenrechtsaktivistin engagieren und außerdem für Menschen einsetzen, die ungerechtfertigt im Gefängnis seien. Sie werde über die Bedingungen ihrer Gefangenschaft in den USA sprechen, weil ein Land daran gemessen werde sollte, wie es seine Gefangenen behandle. "Sie behandeln ihre Gefangenen sehr schlecht", sagte Butina dem Sender Russia Today.

Nicht erwähnt wurde in dem Interview, dass das russische Justizsystem wegen willkürlicher Urteile und käuflicher Richter international seit Jahren in der Kritik steht. Menschenrechtler und ehemalige Strafgefangene kritisieren zudem, dass in russischen Straflagern verheerende Zustände herrschten. Die Rede ist von Folter und lebensgefährlichen hygienischen Bedingungen.

Die russische Regierung hatte beim Fall Butina davon gesprochen, dass die Anschuldigungen gegen sie erfunden seien. Wieder zurück in Moskau beteuerte auch Butina ihre Unschuld: "Ich war nur eine Studentin, die daran geglaubt hat, Frieden zwischen den beiden Ländern zu schaffen", sagte sie. Sie habe sich vor Gericht nur schuldig bekannt, um "inmitten der antirussischen Hysterie" in Washington eine ungerechtfertigte Höchststrafe von 15 Jahren Haft zu vermeiden.

Die 30-Jährige war am Freitag aus dem Bundesgefängnis in Tallahassee im Bundesstaat Florida entlassen und Beamten der US-Polizei- und Zollbehörde ICE übergeben worden. Sie war dann nach Russland abgeschoben worden. Unter Tränen umarmte sie auf dem Flughafen Scheremetjewo ihren Vater. Nach Butinas Angaben verhängten die USA eine Einreisesperre gegen sie.

fok/dpa

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