Veranstaltung mit Le Pen Sicherheitskräfte zerren Reporter aus dem Saal

Der rechte Front National inszeniert sich als seriöse konservative Partei in Frankreich. Da passt es so gar nicht, wenn ein Reporter nach einer kritischen Frage an Chefin Le Pen von Sicherheitspersonal mit Gewalt weggedrängt wird.

Quotidien

Der Reporter setzt zu einer kritischen Frage an Marine Le Pen an und schon packen ihn die Sicherheitskräfte: Zwei von ihnen zerren den französischen Journalisten aus dem Medienpulk. "Lassen Sie mich", ruft dieser immer wieder. Die muskelbepackten Männer ignorieren das - und werfen ihn aus dem Saal.

Diese Szene hat sich Mittwochnachmittag in einer Kongresshalle in Paris ereignet. Marine Le Pen besucht den "Salon des Entrepreneurs", ein Forum für Unternehmer und Start-ups. Es ist eine Veranstaltung nach dem Geschmack von Frankreichs rechter Präsidentschaftskandidatin: Konferenzen, Workshops - der Front National inszeniert sich gerne als seriöse Partei, vor der man keine Angst haben muss.

Wären da nur nicht die jüngsten Videoaufnahmen, die von dem Treffen in Paris im Netz kursieren.

Sie zeigen, wie Le Pen durch die Menge zieht, umringt von Kameras und Mikrofonen. Auch Paul Larrouturou ist dabei, Journalist bei der TV-Sendung Quotidien. Larrouturou will eine Frage stellen. Le Pen steht in der Kritik, weil sie Mitarbeiter illegal mit EU-Geldern bezahlt haben soll. Der Reporter möchte wissen, ob die Spitzenkandidatin ihren Leibwächter als Assistenten im Europäischen Parlament beschäftigt habe - der Bodyguard steht in diesem Moment sogar neben ihr.

Eine Antwort bekommt der Journalist nicht.

Stattdessen spielen sich besorgniserregende Szenen ab. Larrouturou will sich mit seinem Rauswurf nicht abfinden. Er versucht, zurück in den Saal zu gelangen, zeigt den Sicherheitskräften seine Akkreditierung. "Wissen Sie, was Pressefreiheit ist?", ruft er ihnen zu. Die Männer packen ihn erneut, beschimpfen ihn - und schlagen mehrfach auf die Kamera ein, die das Geschehen filmt.

Reporter Larrouturou spricht später im Studio von Quotidien über den Vorfall. Die Sicherheitsleute seien nicht Marine Le Pens Angestellte gewesen, sondern gehörten zur Kongresshalle. Aber er glaubt: Ein Vertreter des Front National habe den Befehl gegeben, ihn rauszuwerfen. "Das Problem ist nicht, dass wir weggeschubst wurden. Daran sind wir gewöhnt", so Larrouturou. "Das Problem ist, dass ein Sicherheitsdienst, hier vom Salon (gemeint ist die Kongresshalle, Anm. d. Red.), einer politischen Organisation gehorcht, dem Front National."

Der Front National (FN) versucht am Mittwoch zunächst abzuwiegeln. Florian Philippot, Parteivize und Vertrauter von Le Pen, schreibt am Abend bei Twitter, bei dem ganzen Vorfall handele sich um "Fake News".

Doch spätestens, als das Video von der Szene kursiert, muss der FN umsteuern. Der Sicherheitsdienst habe nicht auf Befehl von Le Pens Leuten gehandelt, sondern auf Anweisung der Polizei, dementiert Philippot. Polizisten in Uniform sind auf den Videoaufnahmen nicht zu sehen.

Die Zeitung "SudOuest" zitiert einen namentlich nicht genannten und möglicherweise auch nicht offiziellen Vertreter der Kongresshalle: Die Menge sei immer näher an Marine Le Pen herangerückt, die Sicherheit müsse gewahrt werden. Es habe ein "enormes Gerempel" gegeben. Der Journalist sei nicht gezielt angegangen worden.

Auf einem Video, das "Le Point" veröffentlicht hat, wird die Szene aus einer anderen Perspektive gezeigt. Darauf ist eine Menschenmenge zu sehen, die sich um Marine Le Pen drängt. Gewaltsam wird es allerdings erst, als Reporter Larrouturou zurückgerissen wird. Und auch, als der Journalist längst nicht mehr in der Nähe von Le Pen ist oder in der Menge steht, werden er und sein Kamerateam angefeindet und angegangen.

kev/kgp



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