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Le Pens Wahlkampftaktik: Jetzt mal auf seriös

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Le Pens Wahlkampf gegen Macron Mit allen Tricks

Rechtskurs und krude Aussagen über die Judenverfolgung? Alles vergessen. Im Kampf um den Élysée spielt Marine Le Pen jetzt Mutter der Nation. Konkurrent Macron macht es ihr mit einem Fehler leicht.

Die gut gefüllte Bücherwand geht immer. Das sieht nach Intellekt aus, aber auch heimelig. So präsentiert sich Marine Le Pen auf dem neuen Wahlposter, das im Schlussspurt vor der Stichwahl in Frankreich Wähler locken soll. Nach der blauen Rose ("Ein Symbol der Weiblichkeit") und dem Slogan "Im Namen des Volkes", erscheint die FN-Kandidatin jetzt als sorgfältig inszenierte Landesmutter. Motto: "Frankreich wählen".

Drei Tage nach der ersten Runde, die der Kandidatin des Front National (FN) mit satten 21,3 Prozent das stärkste Ergebnis in der Geschichte bescherte, rüstet die Kandidatin für den Élysée. Und ihr "strategischer Rat" hat dazu ein neues Poster vorgestellt. Landesmutter halt.

Im ersten Durchgang hatte Le Pen mit einem zunehmend radikalen Rechtskurs und Verdrehungen zur Juden-Deportation während des Zweiten Weltkrieges das Gros ihrer Stammwähler hinter sich gebracht. Jetzt gibt sich die FN-Frau als "Patriotin aller Franzosen".

Dazu hat sich die Anführerin der rechtsextremen Formation sogar vorübergehend aus der Parteiführung verabschiedet. "Ich bin nicht die Kandidatin des Front National, sondern Kandidatin gestützt vom Front National." Die rhetorische Spitzfindigkeit soll vorgeben, dass Le Pen sich als Alternative für alle Bürger versteht.

Unterstützung bekommt sie dabei sogar von manchen Konservativen. Gewiss, François Fillon, mit 20 Prozent geschlagener Kandidat der Republikaner (LR) hatte sich noch am Wahlabend gegen die FN-Chefin gestellt. Auch die Promiriege der LR rief auf zum Widerstand. Selbst Nicolas Sarkozy will am 7. Mai für den Zentristen Emmanuel Macron stimmen, der im ersten Wahlgang mit 24 Prozent an der Spitze lag.

Doch die "republikanische Front" der Konservativen hat Lücken: Einige vom stramm rechten oder christlichen Flügel verweigern Macron die Unterstützung, die Gegner der Homo-Ehe rufen: "Für die Familien, für die Ehe, für die Zukunft - Macron? Nein!" Und Frankreichs katholische Bischöfe verzichten auf eine Empfehlung.

"Eine normale Präsidentin?", fragt die Zeitung "Le Parisien" und erinnert daran, wie Marine Le Pen den Front National taktisch vom rassistisch-antisemitischen Schmuddelhaufen zur vermeintlich wählbaren Alternative umgestaltete. Die Wahl beweist: Bei einem großen Teil der Bevölkerung gilt Le Pen als respektable Politikerin. Trotz Antisemitismus, trotz Fremdenfeindlichkeit.

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Frankreichwahl: Die gegensätzlichen Sieger

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Rivale Macron hat ihr mit einem ersten Fehltritt schon einmal in die Hände gearbeitet: Die Siegerpose vom Sonntag, als hätte der Kandidat von "En Marche" schon die Präsidentenwahl gewonnen, und die anschließende Party in der Brasserie La Rotonde boten Angriffsfläche: Die Bilder wurden prompt mit Sarkozys Wahl-Jubelfeier im Luxusrestaurant Fouquets verglichen - für Macron ein PR-Problem.

Steilvorlage für Le Pen

"Ey, Emmanuel, kommst Du mal wieder runter?" titelte die linke "Libération" ironisch über den euphorischen Macron. Und mahnte: "Wenn der Kandidat von "En Marche" den Zusammenschluss gegen Marine Le Pen bewerkstelligen will, muss er sich anstrengen, auch jenseits seines Lagers zu überzeugen."

Le Pen nutzt Ausrutscher wie die überdrehte Siegesfeier, um ihren Gegner als reichen Snob und Vertreter des Kapitals darzustellen, fern von der arbeitenden Bevölkerung: "Mein Gegner hat eine wirklichkeitsfremde Vision Frankreichs, die eines Börsenhändlers, er ist ein Kandidat der Oligarchie."

Auch ökonomisch gibt sich Le Pen als Schutzpatronin ihrer Landsleute: Gegen die "Radikalisierung Europas" will sie kämpfen und gelobt: "Die Franzosen dürfen sich nicht länger um die Früchte ihrer Arbeit gebracht fühlen." Macrons Programm geißelt sie als Beispiel einer "wilden Globalisierung" und "totaler Deregulation."

Erst kommt Macron, dann direkt Le Pen

Bei allem Nationsgetöse, allen Rhetorikkniffen - Le Pen beherrscht auch die ganz simplen, schmutzigen, effektiven Tricks des Wahlkampfs. Wie an diesem Mittwoch. Da traf sich Macron im nordfranzösischen Amiens mit den Betriebsräten des von der Verlagerung bedrohten Unternehmens Whirlpool. Kein einfacher Termin, der Ex-Wirtschaftsminister hat bei den Arbeitern schlechte Karten.

Kandidat Macron in Amiens

Kandidat Macron in Amiens

Foto: ERIC FEFERBERG/ AFP

Schlimmer noch: Während der Mann der Mitte noch mit den Gewerkschaftern zusammensaß, erschien Le Pen vor dem Betriebsgelände und ließ sich mit streikenden Arbeitern feiern - als volksnahe Hüterin der Industrie. Motto: "Frankreich zuerst!" So ähnlich schon mal gehört?

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