Marine-Zwischenfall bei Hainan China testet Obamas Entschlossenheit

Kräftemessen auf hoher See: Seit Wochen schon spielen Chinas Marine und amerikanische Schiffe Katz und Maus - der jüngste Zwischenfall vor der Insel Hainan eskaliert nun zur diplomatische Krise. Barack Obamas Politik der Annäherung an Peking, gerade erst begonnen, gerät in Gefahr.

Von , Peking


Peking - Seit Barack Obama im Weißen Haus sitzt, reden amerikanische und chinesische Militärs wieder miteinander. "Frieden und Stabilität" im Pazifik und in der ganzen Welt könnten so besser gesichert werden, heißt es in Washington und Peking. Doch das Verhältnis ist zerbrechlich, wie der jüngste Zwischenfall in der Südchinesischen See beweist.

Nach Angaben der US-Marine waren fünf chinesische Marineschiffe der amerikanischen "USNS Impeccable" bedrohlich nahe gekommen. Das US-Verteidigungsministerium nannte das Manöver "rücksichtslos und gefährlich".Es ist nicht der einzige Vorfall, bei dem die Amerikaner das "aggressive Benehmen" der chinesischen Volksbefreiungsmarine kritisieren. So sollen chinesische Jets zu dicht über amerikanischen Überwachungsflugzeugen geflogen sein.

Das Katz- und Mausspiel zwischen der amerikanischen und chinesischen Marine dauert offenbar schon seit einigen Wochen an. Washington macht keinen Hehl daraus, dass die "Impeccable" ein Spionageschiff ist, das U-Boote aufspüren soll. Im Schlepptau zieht es ein "Surtass" genanntes Sensorsystem.

Auf dem Schiff - es gibt fünf solchen Typs - dienen nicht nur Marinesoldaten, sondern auch Zivilisten. Gleichwohl begleitet es häufig amerikanische Flugzeugträger, um aufzupassen, dass der US-Flotte chinesische oder russische U-Boote nicht zu nahe kommen. Was die Amerikaner vor der Insel Hainan wollten - chinesische U-Boote ausforschen oder lediglich den Meeresboden vermessen - ist unklar.

Immerhin befindet sich im Hafen Yulin auf Hainan ein wichtiger chinesischer U-Bootstützpunkt. Satellitenbilder entdeckten dort kürzlich neue Atom-U-Boote der Shang- und der Jin-Klasse.

"Der Zwischenfall erlaubt die Frage, wer oder auf welcher Ebene in der chinesischen Regierung die Schikane in internationalen Gewässern angeordnet hat", sagt der Direktor des Atom- Informationsprojekts im Verband Amerikanischer Wissenschaftler, Hans Kristensen. Er fürchtet, dass der Fast-Zusammenstoß liberaleren Kräften in der Obama-Regierung, die einen Ausgleich mit China suchen, das Leben schwerer machen könnten. Womöglich wollten aber auch Hardliner in der chinesischen Führung einen Zwischenfall provozieren, um ein besseres Verhältnis zu Washington zu torpedieren.

China will ein Exempel statuieren

Derweil streiten sich Experten, ob die chinesische Blockade der "Impeccable" gegen Internationales Seerecht verstieß. Nach Ansicht der Amerikaner durfte die "Impeccable" an ihrer Position arbeiten, da es sich um internationale Gewässer außerhalb der Zwölf-Meilen-Zone handelt. Militärische Aktivitäten seien sogar in "exklusiven Wirtschaftszonen" erlaubt.

Peking hingegen pocht darauf, dass die Amerikaner in ihrer "exklusiven Wirtschaftszone" keine U-Boote überwachen und nichts ausmessen dürfen. Diese Zone endet 200 Seemeilen von der Küstenlinie entfernt. China steht mit dieser Position nicht allein. Auch andere Staaten wie Südkorea, Brasilien und Pakistan wehren sich gegen Aktionen ausländischer Marine innerhalb der 200-Meilen-Zone. Sie berufen sich dabei auf die Vorschrift, dass ausländische Schiffe die Rechte des Küstenstaates "gebührend berücksichtigen" müssen. Das Abkommen über die Wirtschaftszone erlaube militärische Aktionen keineswegs.



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