Kranker Nobelpreisträger Erbstreit in der Mandela AG

Nelson Mandela ist Nationalheiliger, Familienvater - und eine millionenschwere Marke. Jedes Jahr bringen Souvenirverkäufe und Spendeneinnahmen viel Geld ein, der ganze Reichtum des 94-Jährigen ist ein gut gehütetes Geheimnis. Doch Verwandte und Freunde streiten sich schon jetzt ums Erbe.

DPA

Aus Pretoria berichtet


In Südafrika ist Nelson Mandela allgegenwärtig. Es gibt den ehemaligen Präsidenten als Magnetfigürchen für den Kühlschrank, als Salzstreuer, Poster, Fernsehserie, Modelabel und als Wein. Tassen, T-Shirts und Puzzles zeigen sein Gesicht.

Der Name Nelson Mandela ist eine Geldmaschine, die an Spendeneinnahmen und Souvenir-Verkäufen jedes Jahr viele Millionen Euro einbringt. Seit Monaten streiten sich Mandelas Familie und seine Freunde um diese Werte. Es geht um Geld, Einfluss und die Frage, wie stark man einen Friedensnobelpreisträger vermarkten darf. Der kritische Gesundheitszustand Mandelas verschärft die Spannungen.

Die Familienmitglieder zanken sich: Während Nelson Mandela im Krankenhaus liegt, soll es offenbar Streit gegeben haben, wo er beerdigt werden soll. Ein Enkel sei aus der Versammlung gestürmt. Nur wenige Tage später sahen sich die Teile der Familie erneut - diesmal vor Gericht. Am Freitag wurde in einem Eilverfahren verhandelt, ob die sterblichen Überreste dreier Mandela-Kinder in ein Grab im Örtchen Qunu verlegt werden sollen, wo Mandela aufgewachsen ist und auf eigenen Wunsch offenbar beerdigt werden will. Ein Enkel hatte die Umbettung gegen den Willen von 20 anderen Familienmitgliedern verhindern wollen.

Erbe auf verschiedene Firmen verteilt

Gleichzeitig legt sich die Familie mit Freunden des Freiheitskämpfers an. Nelson Mandelas Erbe ist auf verschiedene Firmen verteilt, die so etwas wie eine "Mandela AG" formen: Sie vertreiben Souvenirs und verwalten Vermögen.

Harmonieux Investment und Magnifique Investment sammeln die Einnahmen aus dem Verkauf von Bildern mit dem Handabdruck und der Signatur Nelson Mandelas. Im Aufsichtsrat beider Firmen sitzen drei alte Freunde Mandelas; unter anderem Anwalt George Bizos, der den Anti-Apartheid-Kämpfer in den sechziger Jahren vor der Todesstrafe bewahrt hatte. Die Männer sagen, sie seien von ihrem Freund Nelson persönlich in die Kontrollgremien berufen worden.

Zwei von Mandelas Töchtern allerdings haben bereits im April einen Gerichtsprozess angestrengt: Makaziwe Mandela und Zenani Mandela-Dlamini wollen die drei Freunde aus den Aufsichtsratsposten jagen.

Sollten die Mandela-Töchter gewinnen, würden sie möglicherweise die alleinige Kontrolle über die Firmen bekommen - und darüber entscheiden können, wie viele der limitierten Gemälde in den Verkauf gehen. Makaziwe und Zenani könnten, so fürchten manche, den Drucker anschmeißen, um mit mehr Bildern mehr Einnahmen zu erzeugen.

Der Prototyp einer Marke

Denn mit dem Namen Nelson Mandela ließen sich Millionen machen: "Mandela ist der Prototyp einer Marke", sagt HB Klopper, Marketingprofessor an der Universität Johannesburg. "Bei ihm decken sich Außenwirkung und Realität, die Leute verbinden mit ihm genau das, was er ist." Hinter anderen Berühmtheiten stecke oft eine Marketingstrategie. Hinter Mandela nicht. Wäre er eine Marke, käme er in Bekanntheit und Wert gleich nach Coca-Cola. Einen monetären Wert will Klopper allerdings nicht festlegen.

Nelson Mandela ist weltweit Vorbild und Symbolfigur, in Südafrika nennt man ihn nur bei seinem Clan-Namen, Madiba. Viele reagieren deshalb mit einer Mischung aus Ärger und Scham auf den Streit um sein Erbe: "Es ist geradezu peinlich, mitansehen zu müssen, wie der Vater der Nation auseinandergenommen wird von den Leuten, die ihm am nächsten stehen", schrieb die "Sunday Times". "Viele der Kinder und Enkel haben begonnen, um sein mutmaßliches Erbe zu kreisen, habgierig darauf bedacht, eigenen finanziellen Nutzen daraus zu ziehen."

Bisher achteten Familie und Freunde darauf, den Namen Madibas zurückhaltend zu vermarkten. Die Nelson-Mandela-Stiftung, die über sein geistiges Erbe wacht, kontrolliert den Fluss an Büchern und Souvenirartikeln. "Es passiert selten, dass die Stiftung Produkte autorisiert", erklärt Sello Hatang von der Mandela-Stiftung. "Sie müssen beispielsweise einem höheren Bildungs- oder Werte-Ideal entsprechen."

Wie viel Mandela selbst besitzt, ist nicht bekannt

Die Stiftung ist mit einem unbekannten Prozentsatz an den Einnahmen beteiligt. In ihrem Rechnungsbericht schreibt die Stiftung, im Jahr 2012 rund 55 Millionen Rand, etwa 4,6 Millionen Euro, eingenommen zu haben. Das meiste davon sind Spenden, mit denen Hilfsprojekte gefördert werden.

Völlig unbekannt ist dagegen, wie viel Nelson Mandela selbst besitzt. Er wird so sehr verehrt im Land, dass offenbar niemand jemals gefragt hat, was er verdient. Auch Sello Hatang von der Nelson-Mandela-Stiftung antwortet auf eine Anfrage nur: "Ich weiß nicht." In einer Fußnote des Jahresberichts werden umgerechnet rund 252.000 Euro als "Entlohnung" für "den Gründer" der Stiftung aufgeführt. Was damit passiert, kann Hatang aber nicht sagen.

Am 18. Juli wird Nelson Mandela 95. Mehrere Familienmitglieder nehmen den Tag zum Anlass, die Drehzahl der Marketingmaschine zu erhöhen: Zwei Enkel wollen an diesem Tag einen Boxwettkampf in Monaco veranstalten; auch ein Benefiz-Fußballspiel und ein Galakonzert in einem Stadion sind geplant. Erst vor wenigen Monaten ist die Reality-Serie "Being Mandela" im US-Fernsehen angelaufen - in der zwei Enkelinnen ihr Luxusleben präsentieren.

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Seite 1
Cortado#13, 29.06.2013
1. Es ist eine immer wieder sich wiederholende Erbfolge:
Zitat von sysopDPANelson Mandela ist Nationalheiliger, Familienvater - und eine millionenschwere Marke. Jedes Jahr bringen Souvenirverkäufe und Spendeneinnahmen viel Geld ein, der ganze Reichtum des 94-Jährigen ist ein gut gehütetes Geheimnis. Doch Verwandte und Freunde streiten sich schon jetzt ums Erbe. http://www.spiegel.de/politik/ausland/marke-mandela-streit-um-erbe-a-908447.html
Kommt Gott mit dem Tod, kommt anschliessend der Teufel mit den Erben!!!
Pinsel 29.06.2013
2. Denver und Dallas
So ein Erbstreit, bevor der Erblasser tot ist, hat was. Dachte, so was gibt es nur bei Denver und Dallas ...
io_gbg 29.06.2013
3.
Zitat von sysopDPANelson Mandela ist Nationalheiliger, Familienvater - und eine millionenschwere Marke. Jedes Jahr bringen Souvenirverkäufe und Spendeneinnahmen viel Geld ein, der ganze Reichtum des 94-Jährigen ist ein gut gehütetes Geheimnis. Doch Verwandte und Freunde streiten sich schon jetzt ums Erbe. http://www.spiegel.de/politik/ausland/marke-mandela-streit-um-erbe-a-908447.html
Ich habe sofort auf Forum geklickt: Wozu ein Bericht über eine reine Privatsache? Und zwar als erste Meldung? Wozu ein Bericht über Leichenfledderei, wenn die Hauptperson nicht einmal verstorben ist? Und das Etikett "öffentliches Interesse" gilt nicht als Synonym für "Voyeurismus"! Ich lese BILD aus Prinzip nicht, aber so langsam fragt man sich, ob man das Prinzip nicht auch auf SpON erweitern muss.
Icke. 29.06.2013
4.
Zitat von sysopDPANelson Mandela ist Nationalheiliger, Familienvater - und eine millionenschwere Marke. Jedes Jahr bringen Souvenirverkäufe und Spendeneinnahmen viel Geld ein, der ganze Reichtum des 94-Jährigen ist ein gut gehütetes Geheimnis. Doch Verwandte und Freunde streiten sich schon jetzt ums Erbe. http://www.spiegel.de/politik/ausland/marke-mandela-streit-um-erbe-a-908447.html
Erinnert mich an Michael Jackson, die Familie streitet sich noch heute über das hinterlassene Vermögen. Ist leider so, je mehr Reichtum hinterlassen wird um so heftiger der Streit darum. Glücklicher sind d i e dran, die nix zu erben haben.
wschwarz 29.06.2013
5.
Zitat von sysopDPANelson Mandela ist Nationalheiliger, Familienvater - und eine millionenschwere Marke. Jedes Jahr bringen Souvenirverkäufe und Spendeneinnahmen viel Geld ein, der ganze Reichtum des 94-Jährigen ist ein gut gehütetes Geheimnis. Doch Verwandte und Freunde streiten sich schon jetzt ums Erbe. http://www.spiegel.de/politik/ausland/marke-mandela-streit-um-erbe-a-908447.html
Friede den Hütten
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