Kritik an Trump Schulz ruft zu Widerstand auf, Lindner warnt vor Entfremdung

Sich Trump mit allem in den Weg stellen: Auch SPD-Kanzlerkandidat Schulz hat nun den US-Präsidenten kritisiert. FDP-Chef Lindner hingegen zeigte sich angesichts des Tonfalls gegenüber den USA empört.
SPD-Chef Martin Schulz

SPD-Chef Martin Schulz

Foto: Bernd von Jutrczenka/ dpa

Kanzlerin Angela Merkel und Vizekanzler Sigmar Gabriel hatten vorgelegt, nun hat auch Martin Schulz in die Kritik an US-Präsident Donald Trump eingestimmt. Europa sei der beste Schutz für die Demokratie, für die Wirtschaft und den sozialen Zusammenhalt: "Deshalb ist das Gebot der Stunde, sich diesem Mann mit allem, was wir vertreten, in den Weg zu stellen, übrigens auch seiner fatalen Aufrüstungslogik, die er uns aufzwingen will", sagte der SPD-Kanzlerkandidat bei einer Veranstaltung seiner Partei in Berlin.

Der frühere EU-Parlamentspräsident Schulz hob hervor, dass er seit Jahrzehnten für ein starkes Europa eintrete. Mit Blick auf Merkel, der die SPD seit langem zu wenig Leidenschaft für die EU vorhält, sagte er: "Anderen kommt die Erkenntnis über die Notwendigkeit der starken Europäischen Union ein bisschen später - den einen auf Gipfeln, den anderen in Bierzelten. Egal, Hauptsache es kommt irgendwann so weit, dass man sich zu diesem Europa bekennt. Besser spät als nie."

In einer vielbeachteten Bierzeltrede hatte Merkel (CDU) am Sonntag in München die Europäer zu einer stärkeren Eigenständigkeit aufgerufen. "Die Zeiten, in denen wir uns auf andere verlassen konnten, die sind ein Stück vorbei", sagte die Kanzlerin. Diese öffentliche Distanzierung von den Vereinigten Staaten sorgte auf beiden Seiten des Atlantiks für Aufregung.

FDP-Chef Christian Lindner warnte hingegen davor, den Dialog mit den USA zu vernachlässigen. "Aus Irritation darf keine dauerhafte Entfremdung werden", sagte er während einer Veranstaltung der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung in Berlin. "Der Dialog muss gerade dann, wenn es große Meinungsunterschiede gibt, besonders intensiv geführt werden." Europa solle die aktuelle Entfremdung von den USA zum Anlass nehmen, selbst geschlossener und handlungsfähiger aufzutreten. Dies sei jedoch kein Gegenmodell zu den transatlantischen Beziehungen, sondern sollte Hand in Hand damit gehen.

Lindner kritisierte auch den Tonfall, in dem nach dem G7-Gipfel über die Beziehungen zu den USA gesprochen wurde. "Manche Formulierung hat doch wirklich jedes Maß verloren." Ihm gefalle nicht, dass mitunter schon von den G6 gesprochen werde.

Merkel im Video: "Europa muss Schicksal selbst in die Hand nehmen"

SPIEGEL ONLINE

Die Kernbotschaften ihrer Bierzeltrede wiederholte Merkel am Montag in einer Ansprache beim deutschen Nachhaltigkeitsrat. Sie bezeichnete sich trotzdem als überzeugte Transatlantikerin.

Später überbot Vizekanzler Gabriel (SPD) sie sogar noch in der Kritik an Trump und sprach den USA unter Trump eine Führungsrolle in der westlichen Wertegemeinschaft ab. Es handele sich um einen "Ausfall der Vereinigten Staaten als wichtige Nation", sagte der Außenminister. Es habe sich am Wochenende nicht nur um einen missglückten G7-Gipfel gehandelt. "Das ist leider ein Signal für die Veränderung im Kräfteverhältnis der Welt", sagte Gabriel. "Der Westen wird gerade etwas kleiner."

US-Präsident Trump hatte die G7 mit seinem Konfrontationskurs während des Gipfels am Wochenende in eine schwere Krise gestürzt. Die Bundesregierung und die Spitzen aller im Bundestag vertretenen Parteien traten daraufhin am Montag für eine Emanzipation Europas von den USA ein.

max/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.