Rechtsradikale Bewegung Chef der Identitären klebte als Jugendlicher offenbar Hakenkreuze an Synagoge

Martin Sellner ist Chef der rechtsradikalen Identitären Bewegung in Österreich. Als Jugendlicher war er ein Neonazi - ein Medienbericht beschreibt jetzt neue Details über seine Aktivitäten.

Der Chef der österreichischen "Identitären Bewegung" Martin Sellner Ende März 2019 in Wien
DPA

Der Chef der österreichischen "Identitären Bewegung" Martin Sellner Ende März 2019 in Wien


Im Jahr 2006 war Martin Sellner noch ein Neonazi. Als 17-Jähriger hat der heutige Chef der österreichischen rechtsradikalen "Identitären Bewegung" in Baden bei Wien Hakenkreuzaufkleber mit der Aufschrift "Legalisiert es" an eine Synagoge geklebt. Das geht aus Polizeiprotokollen hervor, die der "Kleinen Zeitung" vorliegen - sie hatte zuerst daraus berichtet.

Österreichs Kanzler Sebastian Kurz bezeichnete die Aktionen als "widerlich". Er werde als Bundeskanzler keine neonazistischen Umtriebe dulden. Alle Formen von Extremismus müssten entschieden bekämpft werden, schrieb er auf Twitter.

Laut der "Kleinen Zeitung" hatte Sellner 2006 mit einem weiteren Jugendlichen mehrere Aufkleber an der Synagoge angebracht. Demnach kam es zu einer außergerichtlichen Einigung und Sellner verpflichtete sich, 100 Stunden Hilfsarbeiten auf dem jüdischen Friedhof zu verrichten.

Die "Identitäre Bewegung Österreich" (IBÖ) hat laut Schätzung der Rechtsextremismus-Expertin Judith Goetz einen harten Kern von 30 bis 40 Mitgliedern und etwa 200 Sympathisanten. Im Juni 2018 wurden die IBÖ und Sellner von der Staatanwaltschaft Graz wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung angeklagt, später aber freigesprochen. Ein Nebendelikt wird neu verhandelt - dabei geht es um Körperverletzung.

Sellner pflegt gute Kontakte zu rechten Netzwerken in Deutschland, unter anderem zu Götz Kubitschek, ein Verleger und Vordenker der Neuen Rechten. Im März 2019 kam heraus, dass der rechte Terrorist Brenton Tarrant, der in Christchurch 50 Menschen in zwei Moscheen ermordete, 1500 Euro an Sellner gespendet hatte. Tarrant war vor wenigen Jahren auch durch Österreich gefahren - Sellner hat angegeben, ihn nie getroffen zu haben.

IBÖ hat gute Kontakte zur mitregierenden FPÖ

Die IBÖ bezeichnet sich als rechts, distanziert sich aber zumindest in der Öffentlichkeit von neonazistischen Organisationen. Allerdings fällt die IBÖ durch provokante Aktionen und Sprüche auf. So hatte Sellner beispielsweise im Sommer 2015 geschrieben: "Gott sei Dank hab ich schon 'ne Waffe gekauft, bevor der Asylwahn begonnen hat. Dürfte schwer sein jetzt noch was Gutes zu bekommen." Sie warnen zudem vor dem "großen Austausch der Bevölkerung".

Zudem hat die IBÖ gute Kontakte zum Koalitionspartner von Kurz, der FPÖ. Für Kanzler Kurz ist das ein Problem. Kürzlich schrieb er auf Twitter: "Ich dulde keinen schwammigen Umgang mit den Identitären". Und weiter: "Ich erwarte mir von der FPÖ, dass sie klar Position bezieht und, wenn es Verbindungen gibt, durchgreift und jede Art der Verflechtung auflöst." Den "Oberösterreichischen Nachrichten" sagte er: "Rechtsradikale sind um nichts besser als islamistische Extremisten. Beide radikalen Ideologien stellen für unser Land eine Gefahr dar und haben in unserer freien und liberalen Gesellschaft keinen Platz."

höh



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