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Gewalt in Syrien Massaker an Kindern schockiert die Welt

Mehr als 90 Tote, darunter Dutzende Kinder: Die Panzer-Attacke auf das syrische Hula hat international Wut und Empörung ausgelöst. Der Angriff sei ein "abscheulicher Beleg für das unrechtmäßige Regime" Assads, hieß es aus Washington. Die Rufe nach einer Intervention sind nun so dringlich wie nie.

Damaskus/Washington - Brutal, unsäglich, unmenschlich - die Weltgemeinschaft hat mit drastischen Worten auf die Schreckensmeldungen aus Hula reagiert. Während eines Angriffs syrischer Panzer auf ein Wohnviertel starben in der Ortschaft nach Angaben von Uno-Beobachtern mindestens 92 Menschen, darunter 32 Kinder.

Die Regierung Assad antworte auf friedlichen politischen Protest mit "unsäglicher und unmenschlicher Brutalität", hieß es am Abend aus dem Weißen Haus in Washington. Der Angriff sei ein "abscheulicher Beleg für das unrechtmäßige Regime" in Syrien, sagte eine Sprecherin des Nationalen Sicherheitsrats der USA.

Auch US-Außenministerin Hillary Clinton hat das Massaker scharf verurteilt. Clinton verlangte in der Erklärung vom Samstag in Washington ein Ende der fortgesetzten Gewalt. Die Verantwortlichen müssten zur Rechenschaft gezogen werden. Die USA würden mit der internationalen Gemeinschaft zusammenarbeiten, um den Druck auf den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad und "seine Spießgesellen" zu erhöhen. "Deren Herrschaft durch Mord und Angst muss ein Ende haben", forderte Clinton.

Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon und der Syrien-Sondergesandte Kofi Annan äußerten sich ebenfalls entsetzt über das "schreckliche und brutale Verbrechen". Der "wahllose und unverhältnismäßige Einsatz von Gewalt" stelle eine klare Verletzung internationalen Rechts dar. Ban und Annan forderten die syrische Regierung auf, den Einsatz schwerer Waffen in bewohntem Gebiet sofort zu stoppen. Jede Form der Gewalt in Syrien müsse beendet werden.

Brutaler Angriff auf schutzlose Zivilisten

Nach Angaben von syrischen Aktivisten hatten nach einer regierungskritischen Demonstration am Freitag zunächst Assad-Truppen eine Ansammlung von Ortschaften nordwestlich der belagerten Protest-Hochburg Homs angegriffen. Dann stürmten den Oppositionellen zufolge regierungstreue Freischärler die Ortschaften, überfielen Häuser und töteten Zivilisten.

Die Panzer-Angriffe bestätigte auch der Leiter der Uno-Beobachtermission, General Robert Mood: Die Beobachter hätten entsprechende Munition gefunden, außerdem die Spuren kleinkalibriger Maschinengewehre. Es handele sich bei den Attacken um eine "brutale Tragödie".

Das schreckliche Ausmaß des Massakers zeigen Videos, die von Aktivisten ins Internet gestellt wurden. Dort sind blutige, zerfetzte Leichen zu sehen, ganze Familien werden tot von Helfern aus ihren Wohnungen getragen.

Freie Syrische Armee droht mit Ende der Waffenruhe

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Panzerangriff in Syrien: Dutzende Kinder getötet

Foto: REUTERS/ Houla News Network

Der Druck auf die Vereinten Nationen steigt: Die Freie Syrische Armee (FSA) forderte die Uno dazu auf, sich auf ihre Verantwortung zu besinnen und die Gewalt in Syrien zu stoppen. Ansonsten fühle sich die FSA nicht mehr weiter an die geltende Waffenruhe gebunden, hieß es in einer Erklärung der Rebellen-Streitkraft. Der französische Außenminister warnte vor einer Destabilisierung der Region: "Mit diesen neuen Verbrechen treibt das mörderische Regime Syrien weiter ins Grauen und bedroht die Stabilität in der Region."

Der Syrische Nationalrat forderte die Einberufung des Uno-Sicherheitsrats, um die Verantwortlichen für das mutmaßliche Massaker festzustellen. Auch Großbritanniens Außenminister William Hague hatte angekündigt, eine Dringlichkeitssitzung des Sicherheitsrats zu beantragen. Er forderte eine "harte internationale Reaktion" auf die Bluttat.

Auch Außenminister Guido Westerwelle hatte zuvor Konsequenzen gefordert. Das Assad-Regime müsse die Gewalt sofort einstellen, den Friedensplan des ehemaligen Uno-Generalsekretärs Annan in vollem Umfang umsetzen und vorbehaltlos mit den Uno-Beobachtern zusammenarbeiten. "Es ist schockierend und empörend, dass das syrische Regime seine brutale Gewalt gegen das eigene Volk nicht einstellt", sagte der FDP-Politiker.

Das staatliche syrische Fernsehen zeigte Aktivisten-Videos von den Opfern und behauptete, die Dorfbewohner seien von "terroristischen Banden" massakriert worden. Das Assad-Regime unterdrückt seit fast 15 Monaten mit brutaler Gewalt eine anfangs friedliche Protestbewegung, die inzwischen stellenweise in einen bewaffneten Aufstand umgeschlagen ist.

Seit Mitte April sind mehr als 250 Uno-Beobachter unbewaffnet im Land. Sie überwachen eine kurz vor ihrem Eintreffen vermittelte Waffenruhe, die aber nur auf dem Papier existiert. Waffenruhe und Uno-Einsatz sind Teil des Friedensplans von Annan. Der Syrien-Sondergesandte wird am Montag zu Gesprächen in Damaskus erwartet.

usp/dpa/dapd/AFP
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