Massaker im Irak US-Soldaten wegen Vergewaltigung und Mordes vor Kriegsgericht
Hamburg - Den Soldaten wird vorgeworfen, im März in der Ortschaft Mahmudija 20 Kilometer südlich von Bagdad eine 14-jährige Irakerin vergewaltigt und sie anschließend zusammen mit ihren Eltern und ihrer 5-jährigen Schwester umgebracht zu haben.
Der Fall war erst drei Monate später von US-Soldaten gemeldet worden. Die Verdächtigen stammen aus derselben Einheit wie zwei im Juni im Irak entführten und ermordeten US-Soldaten. Damals hatte sich al-Qaida zu der Tötung der GIs bekannt und später ein Video mit den verstümmelten Leichen ins Internet gestellt. Sie sollen als Rache für die Ermordung der irakischen Familie getötet worden sein.
Nach dem Tod der beiden Soldaten habe ein an der Bluttat unbeteiligter Soldat die Vorgesetzten bei einem routinemäßigen "Stress-Debriefing" auf den früheren Vorfall in Mahmudija, von dem er gehört habe, und die mögliche Verbindung hingewiesen. Ein zweiter, gleichfalls unbeteiligter GI habe berichtet, er habe gehört, wie die Soldaten die Vergewaltigung geplant hätten. Hinterher habe er an ihren Uniformen Blutflecken gesehen. Die Armee hatte zuvor angenommen, die Gräueltat sei von Rebellen im Irak verübt worden.
Bei einer Anhörung im Irak im August waren mehrere Zeugen zu dem Fall gehört worden. Wie ein Verteidiger heute mitteilte, droht bei einer Verurteilung zwei der Angeklagten die Todesstrafe. Die beiden anderen können dagegen mit einer milderen Strafe rechnen.
Wegen des Falles muss sich ein ehemaliger US-Soldat auch vor einem Zivilgericht in den USA verantworten. Der 21-jährige Steven Green war kurz zuvor wegen einer "Persönlichkeitsstörung" aus der Armee entlassen worden - zunächst noch ehrenhaft. Den Ermittlungen zufolge hatten Green und seine Kameraden, die einen Checkpoint besetzten, das junge Vergewaltigunsopfer seit einiger Zeit im Auge. Das Mädchen, das den Checkpoint täglich passiert habe, habe sich über "die unwillkommene Aufmerksamkeit" der Soldaten beklagt.
Das Massaker von Mahmudija reiht sich in eine Serie von Tötungsdelikten ein, die US-Soldaten im Irak zur Last gelegt werden. Vier weitere Soldaten sollen sich wegen eines Vorfalls im Mai in der Provinz Salaheddin einem Militärprozess stellen. Ihnen wird vorgeworfen, drei Gefangene frei gelassen zu haben, um sie dann hinterrücks zu erschießen - angeblich während eines Fluchtversuchs. In diesem Fall droht keinem der Angeklagten die Todesstrafe, sondern als Höchststrafe lebenslange Haft. Alle der wegen der Morde in Mahmudija und Salaheddin angeklagten Soldaten gehören der 101. Luftlandedivision an, die ihren Hauptstützpunkt in Fort Campbell im US-Bundesstaat Kentucky hat.
Vor einem Militärgericht müssen sich ferner drei Marineinfanteristen verantworten, die im April in Hamdania einen Zivilisten aus einem Haus gezerrt und erschossen haben sollen. Der Anklage zufolge gruben sie ein Loch am Straßenrand und legten einen Spaten daneben um vorzutäuschen, der Mann sei ein Aufständischer gewesen, der gerade eine Bombe begraben wollte. Auch in diesen drei Fällen soll den Angeklagten im Fall eines Schuldspruchs die Todesstrafe erspart bleiben, wie im kalifornischen Camp Pendleton mitgeteilt wurde.
bri/phw/Reuters/AP/dpa