Massaker von Srebrenica Ex-Polizisten zu je 31 Jahren Haft verurteilt

Sie sollen geholfen haben, mindestens 1000 Wehrlose zu ermorden: Ein Gericht hat zwei Serben wegen ihrer Beteiligung am Massenmord in Srebrenica zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Das Massaker im Jahr 1995 gilt als das schwerste Kriegsverbrechen in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg.

Gedenkstätte in Srebrenica: Erinnerung an den Mord an 8000 Muslimen
AFP

Gedenkstätte in Srebrenica: Erinnerung an den Mord an 8000 Muslimen


Sarajevo - Wegen der Beteiligung an den Gräueltaten von Srebrenica hat ein bosnisches Gericht gegen zwei frühere Angehörige einer Sondereinheit der bosnisch-serbischen Polizei langjährige Haftstrafen verhängt. Die Richter in Sarajevo verurteilten Radomir Vukovic und Zoran Tomic am Donnerstag wegen Beihilfe zum Völkermord zu je 31 Jahren Haft.

Dem Urteil zufolge waren sie im Jahr 1995 an der Tötung von "mindestens 1000 muslimischen Männern" in einer Lagerhalle in Kravica in der Nähe von Srebrenica beteiligt. Vukovic warf demnach Handgranaten in die Menge, Tomic schoss mit einem automatischen Gewehr auf die Gefangenen

Fanatisierte Serben ermordeten 1995 in Srebrenica im Osten Bosniens rund 8000 überwiegend männliche Muslime. Ein kleines Kontingent niederländischer Blauhelmsoldaten überließ die Uno-Schutzzone den Angreifern kampflos. Das Massaker gilt als das schwerste Kriegsverbrechen in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg. Die Leichen der Opfer wurden später in Massengräbern gefunden.

Der frühere Präsident der bosnischen Serbenrepublik, Radovan Karadzic, muss sich für die Geschehnisse in Srebrenica und weitere Verbrechen vor dem Uno-Kriegsverbrechertribunal verantworten. Als weiterer Hauptverantwortlicher für das Massaker gilt der noch immer flüchtige serbische General Ratko Mladic.

Fast 15 Jahre nach dem Massenmord hatte das serbische Parlament den Hinterbliebenen Ende März sein Mitleid ausgesprochen. Mit einer knappen Mehrheit rangen sich die Abgeordneten zu einer Entschuldigung durch. In der Resolution verurteilen sie die Gräueltaten während des Bosnienkriegs "auf das Schärfste". Den Familien der Opfer sprach das Parlament sein Mitleid aus und entschuldigte sich dafür, dass Belgrad seinerzeit nicht genug unternommen habe, um das Verbrechen zu verhindern.

kgp/AFP/Reuters



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