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30. Oktober 2014, 16:26 Uhr

IS-Terrormiliz

Hunderte Sunniten in Massengrab verscharrt

Sie sollen im Irak gegen den "Islamischen Staat" gekämpft haben - dann wurden mehr als 200 Mitglieder eines sunnitischen Stammes offenbar umgebracht. Ein Stammesscheich berichtet jetzt von einem Massengrab.

Bagdad - Laut einem Stammesscheich wurde im Irak ein Massengrab mit 150 Leichen gefunden. Es sei in einem Flusstal nordwestlich der Stadt Ramadi in der Provinz Anbar entdeckt worden, berichtet die irakische Nachrichtenseite "al-Sumaria" am Donnerstag. Nach Angaben des Scheichs soll die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) im Westen des Irak mehr als 200 Mitglieder eines sunnitischen Stammes umgebracht haben.

Auch ein Sicherheitsbeauftragter und ein Beamter einer Polizeistation bestätigten der Nachrichtenagentur Reuters den Fund. IS-Kämpfer hatten demnach 150 Mitglieder eines sunnitischen Stammes aus ihrem Dorf in die Stadt Ramadi verschleppt, getötet und dann begraben.

Das Portal "al-Mada" meldete zudem, die Extremisten hätten in der nahe gelegenen Stadt Hiet 30 Kämpfer desselben Stammes zusammengetrieben und erschossen. Anwohner und Angehörige seien zum Zuschauen gezwungen worden. Bereits am Mittwoch hätten Berichten zufolge die IS-Extremisten in Hiet mehr als 40 Angehörige des Stammes Bu Nimr erschossen. Die Toten seien Polizisten oder Mitglieder der Sahwa-Einheiten gewesen, die gegen die IS-Miliz kämpfen.

Die genaue Zahl der Opfer ist jedoch unklar: Die Nachrichtenagentur beruft sich auf einen Ratsangehörigen der Provinz Anbar, der berichtet, 48 Leichen seien außerhalb der Stadt Hiet gefunden worden.

Hoher Preis für Kampf gegen IS

"Heute Morgen haben wir die Leichen gefunden. Militante des 'Islamischen Staats' sagten uns, dass diese Menschen aus Sahwa kamen und ihre Brüder gekämpft hätten", sagte ein Augenzeuge. Die IS-Kämpfer hätten gemeint, dies sei die Strafe für jeden, der sich gegen sie wende, zitiert Reuters die Augenzeugen.

Manche Stämme aus der Provinz Anbar im Osten des Irak stellen sich gegen die IS-Miliz. Doch der Preis dafür ist zumeist hoch. Mitte Oktober hatte etwa der sunnitische Schaitat-Stamm gegen die Dschihadisten aufbegehrt. Drei Tage lang zogen IS-Kämpfer durch die Gegend und beschossen, kreuzigten und köpften Hunderte Stammesmitglieder. Etwa 700 Menschen starben, berichtete die "Washington Post" unter Berufung auf Augenzeugen.

vek/dpa/Reuters

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