Massenpanik in Mekka Iran spricht von Verbrechen

Die Zahl der Toten steigt, unter ihnen soll auch ein früherer iranischer Botschafter sein: Nach der Massenpanik in Mekka hat Irans Staatschef Hassan Rohani Ermittlungen gefordert.

Mekka ist Thema beim Nachhaltigkeitsgipfel: Irans Präsident Hassan Rohani mit Uno-Generalsekretär Ban Ki-moon
REUTERS

Mekka ist Thema beim Nachhaltigkeitsgipfel: Irans Präsident Hassan Rohani mit Uno-Generalsekretär Ban Ki-moon


Das ganze Ausmaß der Katastrophe mit Hunderten Toten zeichnet sich erst langsam ab, doch die politischen Auseinandersetzungen um das Unglück bei der Pilgerfahrt sind bereits in vollem Gange. Irans Präsident Hassan Rohani hat in seiner Rede auf dem Uno-Nachhaltigkeitsgipfel in New York Ermittlungen zu der Massenpanik in Mekka gefordert, bei der laut dem saudi-arabischen Gesundheitsminister Khalid al-Falih nun mindestens 769 Menschen gestorben sind. Bislang war von 719 Toten und 863 Verletzten die Rede.

Mit seiner Ansprache hat Rohani nun den weltpolitisch wohl prominentesten Ort genutzt, um über die Massenpanik in Saudi-Arabien zu reden. Er sprach von einem herzzerreißenden Unglück. Den Verletzten müsse nun schnell geholfen und die Ursachen müssten aufgeklärt werden. Irans Außenminister Mohammed Dschawad Sarif kritisierte laut Nachrichtenagentur AFP derweil in einem Fernsehinterview mangelnde Kooperation der saudi-arabischen Behörden.

Das islamische Glaubenszentrum Mekka liegt in dem sunnitisch geprägten Land, welches das schiitisch dominierte Iran als Erzrivale betrachtet. In dieser Konstellation ist nun bekannt geworden, dass mindestens 136 Iraner unter den Toten sind, mehr als 300 weitere Iraner werden noch vermisst. Unter ihnen soll auch der frühere iranische Botschafter im Libanon, Ghazanfar Roknabadi, sein.

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Unglück in Mekka: Tödliches Gedränge
Irans Generalstaatsanwalt Ebrahim Raisi veranlasste all das, im Staatssender IRIB zu wüten: "Das ist nicht Unfähigkeit, das ist ein Verbrechen." Er wirft den Saudi-arabischen Behörden vor, eine Straße, die Pilger zur Hadsch genannten Reise nutzten, gesperrt zu haben, um einen königlichen Konvoi passieren zu lassen. Er kündigte an, dies durch internationale Gerichte und Organisationen überprüfen zu lassen.

Saudi-Arabiens König Salman, der "Hüter der beiden heiligen Stätten" Mekka und Medina, hatte eine Untersuchung des Vorfalls angeordnet. Doch einer seiner wichtigsten Männer für die Organisation der Pilgerreise schob die Verantwortung des saudi-arabischen Staats schon wenige Stunden nach der Katastrophe bereits ab: "Einige Pilger aus afrikanischen Ländern" hätten das Gedränge verursacht, sagte Prinz Khalid Al-Faisal, Chef des saudischen Hadsch-Komitees. Auch Gesundheitsminister al-Falih machte die Pilger selbst verantwortlich, die sich nicht an Anweisungen der Sicherheitskräfte und des Hadsch-Ministeriums gehalten hätten.

Die Pilgerfahrt ist eine der fünf Glaubenspflichten im Islam, jeder Muslim soll einmal im Leben nach Mekka pilgern. 1,6 Milliarden Muslime gibt es auf der Welt, nur etwas mehr als 0,1 Prozent von ihnen können pro Jahr am Hadsch teilnehmen. Für jene, die es nach Mekka schaffen, ist es die Reise ihres Lebens. Oft mussten sie Jahre auf die Pilgerfahrt warten, viele sind alt und geschwächt, sind es nicht gewohnt, sich inmitten von Millionen anderen Menschen aufzuhalten. Diese Faktoren tragen zu den wiederkehrenden Unglücken in Mekka bei.

Die Stationen des Hadsch
SPIEGEL ONLINE

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apr/Reuters/AP/AFP

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hatschon 27.09.2015
1. Bei allem Respekt
Das ist doch den Saudis anzulassten , weil bei soviel Menschen muss die Logistik funktionieren , also Schuld bei Organisation.
anti-empath 27.09.2015
2.
Wer sich in Gefahr begibt kommt darin um. Würden die Menschen sich von Religionen freimachen, gäbe es endlich Frieden und deutlich weniger Tote auf der Welt
Inselbewohner, 27.09.2015
3. Ihr erster Satz
Zitat von anti-empathWer sich in Gefahr begibt kommt darin um. Würden die Menschen sich von Religionen freimachen, gäbe es endlich Frieden und deutlich weniger Tote auf der Welt
ein Bibelzitat. Sie haben Recht, als Atheist habe ich mich auch mit Religionen beschäftigt, man muss ja wissen gegen was man ist. Der Pabst wird bejubelt wie ein Popstar und ist gegen Abtreibungen, Menschen trampeln sich bei unsinnigen Rituale zu tode mein Mitleid haben die nicht. Es gibt soviel Leid auf der Welt, Verfolgung, Hinrichtung, Krieg und alles im Namen eines nichtexistierenden Wesens. Ich halte das für eine Krankheit die überall wo sie sich zeigt bekämpft werden muss. Schönen Sonntag HP
Claudia_D 27.09.2015
4.
Zitat von anti-empathWer sich in Gefahr begibt kommt darin um. Würden die Menschen sich von Religionen freimachen, gäbe es endlich Frieden und deutlich weniger Tote auf der Welt
Wovon träumen Sie nachts?
thomaslindner73 27.09.2015
5. Ein Athefist
Wenn Religion zur Massenhysterie wird, ist die Massenpanik nie weit weg, es ist jedes Jahr das Gleiche. Aber wie konnte Allah der Große das nur zulassen? Einzige Erklärung: Er konnte es nicht abwarten, die Leutchen hat er daher gleich geholt. Für alle, die noch eine Weile Bock auf die irdische, materiegebundene Daseinsform haben: Bleibt nächstes Mal einfach zu Hause.
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