Massenprotest Hunderttausende Serben demonstrieren gegen Kosovo-Unabhängigkeit

Sie strömten aus ganz Serbien zur Großkundgebung nach Belgrad: 200.000 Menschen haben gegen die Unabhängigkeitserklärung des Kosovo demonstriert. Das Kosovo bleibe "für immer" serbisch, sagte der nationalkonservative Regierungschef Kostunica.


Belgrad - Sonderbusse und Gratiszüge standen bereit - am Ende kamen rund 200.000 Serben aus dem ganzen Land zu der von Regierung und Parlament organisierten Demonstration in Belgrad unter dem Motto "Kosovo ist Serbien".

Massenprotest in Belgrad: "Kosovo ist das Herz Serbiens"
REUTERS

Massenprotest in Belgrad: "Kosovo ist das Herz Serbiens"

Sie protestieren gegen die am vergangenen Sonntag ausgerufene Unabhängigkeit der mehrheitlich von Albanern bewohnten, früheren serbischen Provinz Kosovo. Die Serben betrachten das Kosovo als ihr historisches Siedlungsgebiet auf dem Balkan.

"Kosovo ist serbisch und wird es für immer bleiben", sagte der nationalkonservative Regierungschef Vojislav Kostunica. Serbien werde unter keinem Druck oder Drohung auf das Kosovo verzichten, sagte er in seiner emotional aufgeladenen Rede unter regem Beifall der Menge.

Die Demonstranten schwenkten Landes- und Parteifahnen, sowie Spruchbänder "Kosovo ist das Herz Serbiens" und "Wir geben das Kosovo nicht her!". Die Behörden haben zuvor alle Teilnehmer der Demonstration zu Besonnenheit aufgerufen. In der Innenstadt waren die meisten Geschäfte geschlossen. Starke Polizeikräfte bewachten die Botschaften jener Staaten, darunter auch der Bundesrepublik, die die Unabhängigkeit des Kosovos schon anerkannt haben.

Auch in Banja Luka protestierten bosnische Serben. Unbekannte attackierten ein Uno-Gericht in der geteilten Stadt Mitrovica mit Steinen.

Bei einem Empfang des neuen serbischen Botschafters im Vatikan, Vladeta Jankovic, forderte der Papst die "Wiederversöhnung" der Volksgruppen. Er rufe alle Parteien zu "Umsicht und Mäßigung" bei der Suche nach einer Lösung auf, die "gegenseitigen Respekt und Wiederversöhnung" in den Vordergrund stellen solle. Auch Italien erkannte die Unabhängigkeit des Kosovo an. Dies bedeute jedoch nicht, dass die Freundschaft zu Serbien dadurch getrübt werde, erklärte Ministerpräsident Romano Prodi. Estland erkannte die Unabhängigkeit ebenfalls an.

Das Kosovo soll laut dem Entwurf der künftigen Verfassung weiter unter internationaler Beobachtung stehen, multiethnisch zusammengesetzt sein und den Minderheiten starke Rechte zusichern. Die Verfassungskommission, die nach der Unabhängigkeitserklärung eine Informationskampagne startete, teilte auf ihrer Website mit, die Republik Kosovo sei ein unabhängiges Land, das demokratisch regiert werde und die Menschenrechte all seiner Bewohner respektiere.

hen/dpa/AFP



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