Massenproteste in Simbabwe Oppositionsführer verhaftet

In Simbabwe sind bürgerkriegsähnliche Zustände ausgebrochen. Am Morgen ist der Kopf der oppositionellen "Bewegung für einen Demokratischen Wechsel" (MDC) festgenommen worden. Anschließend stürmten schwer bewaffnete Milizen die Universität der Hauptstadt Harare.


Morgan Tsvangirai ist der Kopf der oppositionellen Bewegeung für einen demokratischen Wechsel
AP

Morgan Tsvangirai ist der Kopf der oppositionellen Bewegeung für einen demokratischen Wechsel

Harare - Augenzeugen berichteten über massiven Einsatz von Tränengas und Schlagstöcken bei der Zerschlagung einer Versammlung auf dem Campus. Über der Hauptstadt kreisten Helikopter, berichtete eine Journalistin dem südafrikanischen Rundfunk. Zuvor waren Oppositionsführer Morgan Tsvangirai sowie mindestens zwei weitere Mitglieder seiner Partei festgenommen worden.

Tsvangirai soll noch im Laufe des Tages wegen Hochverrats vor Gericht gestellt werden. Die Regierung wirft ihm eine Verschwörung zum Mord an Präsident Robert Mugabe vor. MDC-Sprecher William Bango kündigte an, die Partei halte dennoch an den angekündigten Protesten fest.

In dem afrikanischen Krisenstaat hatte die Opposition für diese gesamte Woche Massendemonstrationen und Arbeitsniederlegungen gegen die Regierung von Robert Mugabe angekündigt. Die Aktionen drohen das Land komplett lahm zu legen. Die MDC hatte am Wochenende zum "letzten Stoß" gegen das international geächtete Regime aufgerufen. Unterdessen war Mugabes Regierung bemüht, die Proteste durch den Aufmarsch von Panzern und Soldaten sowie per Gerichtsbeschluss zu verhindern.

Gegen ein in der Nacht zum Sonntag ergangenes Urteil, das die fünftägigen Arbeitsniederlegungen und Proteste für illegal erklärt, will die MDC vor dem Obersten Gericht Einspruch einlegen. "Es gibt kein zurück mehr. Das ist der letzte Stoß", hatte der MDC-Parteivorsitzende Tsvangirai erklärt.

Robert Mugabe hat Sibabwe an den Rand des Zusammenbruchs gebracht
AP

Robert Mugabe hat Sibabwe an den Rand des Zusammenbruchs gebracht

Nach Behördenangaben patrouillieren Armee und Polizisten die Straßen. Am Samstag fuhren Panzer und gepanzerte Mannschaftswagen durch Harare. Nach südafrikanischen Medienberichten wurden Straßensperren auch von Mitgliedern der gefürchteten Veteranen-Verbände bemannt. Ihnen kam bei der brutalen Vertreibung tausender weißer Farmer eine tragende Rolle zu. Sie haben ein hartes Durchgreifen mit allen Mitteln angekündigt, um die als "versuchten Staatsstreich" bezeichneten Proteste im Keim zu ersticken.

Vergangene Woche waren bei öffentlichen Gebeten im Vorfeld der Massenkundgebungen mehrere Frauen von schwer bewaffneter Miliz verprügelt und festgenommen worden. Mugabes umstrittene Landreform sowie seine vom Manipulationsvorwürfen begleitete Wahl im vergangenen Jahr hat das Land an den Rand des Zusammenbruchs geführt. Simbabwe leidet wegen Devisenmangels unter Versorgungsengpässen. Eine Dürre hat die Lage noch verschlimmert, so dass bereits mehr als die Hälfte der 12 Millionen Einwohner hungern. Die Regierung macht weiße Rassisten sowie Medienkritik für die Misere verantwortlich.



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