Massenproteste in Syrien Menschenrechtler zählen mehr als 60 Tote

Die Gewalt in Syrien eskaliert: Allein am Freitag sind bei den Protesten gegen das Regime von Präsident Assad mehr als 60 Personen getötet worden, berichtet eine Menschenrechtsgruppe. Die USA verhängten Sanktionen gegen Militär und Geheimdienst.

Proteste in Syrien (das Bild stammt von einem namentlich nicht genannten Informanten)
AP

Proteste in Syrien (das Bild stammt von einem namentlich nicht genannten Informanten)


Washington/Damaskus - Sie fordern Demokratie und Freiheit - und bezahlen dafür mit ihrem Leben: Bei Protesten gegen die Regierung sind am Freitag in Syrien mindestens 62 Menschen getötet worden. Das teilte die Menschenrechtsorganisation "Syrian Observatory for Human Rights" mit. Allein 13 Tote habe es in der Stadt Rastan gegeben.

Ein Einwohner der Stadt sagte der Nachrichtenagentur Reuters in einem Telefoninterview, Militärpolizisten, die Geheimpolizei und gegenüber Präsident Baschar al-Assad loyale Bewaffnete hätten die Demonstranten angegriffen. Diese hätten den Fall des Regimes gefordert. 45 Personen seien verletzt worden.

Fünfzig Mitglieder seien in Rastan aus der regierenden Baath-Partei ausgetreten, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters. Sie berief sich auf die Aussage eines Menschenrechtsaktivisten in der Stadt. Die Austrittserklärung sei bei der Demonstration verlesen worden, bei der 13 Menschen getötet wurden.

Wegen des gewaltsamen Vorgehens der syrischen Regierung haben die USA Vertraute von Assad mit Sanktionen belegt. US-Präsident Barack Obama habe einen entsprechend Erlass unterzeichnet, teilte das Weiße Haus am Freitag in Washington mit. Die Strafmaßnahmen richten sich gegen Assads Bruder Mahir sowie weitere ranghohe Vertreter von Militär und Geheimdiensten. Ihre Vermögenswerte in den USA werden eingefroren, US-Bürgern sind Geschäftsbeziehungen mit den genannten Personen fortan untersagt.

Uno-Menschenrechtsrat spricht sich für Sanktionen aus

Mahir el Assad kommandiert die gefürchtete Vierte Division der syrischen Armee, die dem Weißen Haus zufolge eine "führende Rolle" bei der blutigen Niederschlagung von Demonstrationen in der Protesthochburg Daraa spielt. Namentlich genannt wird auch Geheimdienstchef Ali Mamluk sowie Atif Nadschib, ein Cousin Assads und hoher Geheimdienstfunktionär in der Provinz Daraa. Außerdem wurden Sanktionen pauschal gegen die gesamte Spitze des syrischen Geheimdienstes verhängt.

Am Freitagabend sprach sich der Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen für eine Untersuchung von Menschenrechtsverstößen der syrischen Regierung aus. Das Gremium in Genf verabschiedete eine Resolution, die die Gewalt gegen Demonstranten verurteilt und das Hochkommissariat für Menschenrechte mit Ermittlungen beauftragt. Nach Uno-Schätzungen haben schon mehr als 300 Menschen ihren Protest gegen Syriens Machthaber Baschar al-Assad mit dem Leben bezahlt.

Auch die Europäische Union einigte sich im Grundsatz auf Sanktionen gegen die Führung in Damaskus. Das verlautete nach einem Treffen der 27 Botschafter der EU-Länder am Freitagabend aus Diplomatenkreisen in Brüssel. Geplant sind demnach ein Waffenembargo und weitere Sanktionen gegen die syrische Regierung. Bei den Protesten gegen die syrische Führung sind seit Mitte März nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch mindestens 300 Menschen ums Leben.

Flüchtlinge kommen in der Türkei an

Mehr als 200 Syrer flohen am Freitag in die Türkei. Die Flüchtlinge hätten türkische Fahnen geschwenkt und gerufen "Wir wollen Demokratie", meldete die amtliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu. Der türkische Grenzschutz habe die Gruppe in eine Sporthalle in der Ortschaft Yayladag geführt. Dort hätten sie den Gouverneur der Provinz Hatay getroffen, der ihnen angemessene Versorgung zugesagt habe. Viele Frauen und Kinder seien unter den Flüchtlingen gewesen.

Bislang hätten sie 238 syrische Gäste registriert, teilten die Behörden mit. Die Türkei, die enge Beziehungen zu Präsident Assad unterhält, hat diesen wiederholt aufgefordert, die gewaltsame Niederschlagung der Proteste zu beenden und Reformen einzuleiten.

ulz/AFP/dpa

insgesamt 4 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
paulibahn 30.04.2011
1. prinzipien des journalismus?
wieso werden hier eigentlich nur unüberprüfbare quellen herangezogen, wenn von den protesten in syrien berichtet wird? nach ägypten und tunesien versagen die medien zum dritten mal binnen kurzer zeit!
zompel 30.04.2011
2. Da können die Leute in Syrien
ja froh sein, da die Nato noch nicht eingegriffen hat. In Libyen sind es seit dem " Schutz " schon 30000 Tote
unemployed50 30.04.2011
3. Was jetzt?
Zitat von sysopDie Gewalt in Syrien eskaliert: Allein am Freitag sind bei den Protesten gegen das Regime von Präsident Assad mindestens 48 Personen getötet worden, berichtet eine Menschenrechtsgruppe. Die USA verhängten Sanktionen gegen Militär und Geheimdienst. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,759849,00.html
[Zitat][QUOTE=sysop;7737034]Die Gewalt in Syrien eskaliert: Allein am Freitag sind bei den Protesten gegen das Regime von Präsident Assad mindestens 48 Personen getötet worden, berichtet eine Menschenrechtsgruppe. Die USA verhängten Sanktionen gegen Militär und Geheimdienst. [Zitat] Wo bleiben die Kampfbomber der Briten, Franzosen und all die anderen die die Fahne der Freiheit hoch halten in Libyen? Warum greift die USA nicht militärisch ein, weil die Demonstranten unbewaffnet sind? Das lässt sich doch ändern! Nur Mut all ihr (selbst)gerechten Länder und greift ein. Die Syrier fühlen sich sonst als Menschen zweiter Klasse auch ihnen muss "geholfen" werden.
cour-age 30.04.2011
4. oh
Zitat von unemployed50[Zitat][QUOTE=sysop;7737034]Die Gewalt in Syrien eskaliert: Allein am Freitag sind bei den Protesten gegen das Regime von Präsident Assad mindestens 48 Personen getötet worden, berichtet eine Menschenrechtsgruppe. Die USA verhängten Sanktionen gegen Militär und Geheimdienst. [Zitat] Wo bleiben die Kampfbomber der Briten, Franzosen und all die anderen die die Fahne der Freiheit hoch halten in Libyen? Warum greift die USA nicht militärisch ein, weil die Demonstranten unbewaffnet sind? Das lässt sich doch ändern! Nur Mut all ihr (selbst)gerechten Länder und greift ein. Die Syrier fühlen sich sonst als Menschen zweiter Klasse auch ihnen muss "geholfen" werden.
[QUOTE=unemployed50;7737611][Zitat] vergessen, dass China und Russland einer UN-Resolution, welche grad mal das Töten von Demonstranten verurteilen wollte, verhindert haben?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.