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Kongo: Protestmarsch der Frauen

Foto: Gwenn Dubourthoumieu/ AFP

Massenvergewaltigungen Uno räumt Versagen der Blauhelmsoldaten im Kongo ein

Die Uno-Truppen im Kongo haben im Umgang mit den Massenvergewaltigungen im Osten des Landes Fehler zugegeben: Die Blauhelmsoldaten haben demnach zu spät eingegriffen. Nun sollen zusätzliche Patrouillen und bessere Kommunikation die Bevölkerung vor Übergriffen durch Milizen schützen.

Soldaten

Kongo

New York - Die Vereinten Nationen haben Versäumnisse ihrer im Zusammenhang mit den jüngsten Massenvergewaltigungen im eingeräumt. "Unsere Maßnahmen waren nicht angemessen", gab der Sprecher der Uno-Friedensmissionen, Atul Khare, am Dienstag vor dem Weltsicherheitsrat zu. "Wir müssen mehr tun." Seit Ende Juli habe es dort mehr als 500 systematische Übergriffe gegeben, mehr als doppelt so viele wie bislang bekannt.

Die Vereinten Nationen hätten "die kollektive Verantwortung" dafür, dass die Massenvergewaltigung nicht rechtzeitig gestoppt wurden, ergänzte die Uno-Sonderbeauftragte gegen sexuelle Gewalt in bewaffneten Konflikten, Margot Wallström.

Rebellen hätten bei einem viertägigen Angriff auf Dörfer im Osten des Landes Anfang August mindestens 242 Frauen mehrfach vergewaltigt, sagte Khare den 15 Ratsmitgliedern bei einer offenen Sitzung. Unter den Opfern seien auch 20 Kinder gewesen.

Blauhelmsoldaten, die in der Nähe stationiert waren, wurden von den Dorfbewohnern offensichtlich aus Angst vor Racheakten nicht herbeigerufen. In der Region Walikale habe es keine Verbindung für Mobiltelefone gegeben und der Funkverkehr sei unzuverlässig, räumte Khare ein.

Khare berichtete von weiteren 260 Vergewaltigungen in anderen Teilen der Provinzen Nord- und Süd-Kivu im Laufe des August. Darunter seien Kinder im Alter von noch nicht einmal sieben Jahren gewesen. Khare warnte vor einer wachsenden "Kultur sexueller Gewalt" in der Region, in der rivalisierende Gruppen um die Kontrolle von Gold- und Mineralienvorkommen kämpfen.

Uno-Mission

Inzwischen hat die laut Khare Maßnahmen zur Verbesserung der Kommunikation eingeleitet. Außerdem seien die Blauhelmsoldaten angewiesen, bei ihren Patrouillen in den besonders gefährdeten Regionen Standardfragen zu stellen und die Kontakte mit der Bevölkerung zu intensivieren. Die Uno hatte ihre Blauhelmsoldaten-Mission im Kongo im Mai um ein weiteres Jahr bis zum 30. Juni 2011 verlängert. Sie ist seit 1999 in dem Land vertreten.

Für die laut Wallström "systematischen" Vergewaltigungen werden Milizen der "Demokratischen Kräfte zur Befreiung Ruandas" (FDLR) und kongolesische Mai-Mai-Rebellen verantwortlich gemacht. Die FDLR ist eine Miliz von Hutus, die 1994 nach dem Völkermord in Ruanda in das damalige Zaire (heute Kongo) geflohen waren. Viele von ihnen waren in den Massenmord an 800.000 Tutsi und gemäßigten Hutu in Ruanda verstrickt.

Im Kongo gehört die Miliz zu den berüchtigtsten Rebellengruppen, die die Bevölkerung dort terrorisieren. Ein bisher unveröffentlichter Uno-Bericht, über dessen Entwurf auch SPIEGEL ONLINE berichtet hatte, beschreibt 600 Gräueltaten, die zum großen Teil von ruandischen Hutu-Milizen begangen wurden. Vorwürfe werden in dem Papier auch der ruandischen Regierung gemacht. Am Mittwoch will Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon mit dem ruandischen Präsidenten Paul Kagame zu Gesprächen in Kigali zusammenkommen. Ban war am Dienstag überraschend nach Ruanda gereist.

ffr/dpa/AFP/dapd