Verteilung von Flüchtlingen Salvini wirft Deutschland "Erpressung" vor

Im Streit über die Verteilung von geretteten Flüchtlingen hat Matteo Salvini Deutschland scharf attackiert. Grund für die Vorwürfe des italienischen Innenministers soll ein Vorschlag der Bundesregierung sein.

"Alan Kurdi" Ende Juni: "Nicht unsere Aufgabe, uns mit der italienischen Regierung anzulegen"
Fabian Heinz/ Sea-Eye/ DPA

"Alan Kurdi" Ende Juni: "Nicht unsere Aufgabe, uns mit der italienischen Regierung anzulegen"


Italiens Innenminister Matteo Salvini hat Deutschland "Erpressung" bei der Verteilung von Flüchtlingen vorgeworfen. Der Chef der rechten Lega sprach gegenüber dem Sender Sky TG24 von "miserablen Signalen" der deutschen Regierung.

Grund ist laut Salvini ein Vorschlag der Bundesregierung. Berlin wolle die Flüchtlinge der "Gregoretti", eines Schiffs der italienischen Küstenwache, nur aufnehmen, wenn Italien sofort die 40 Flüchtlinge der "Alan Kurdi" an Land lasse, schrieb Salvini in einer WhatsApp-Gruppe. Dies habe Deutschland der EU-Kommission mitgeteilt, die ihrerseits Rom informiert habe.

Auch bei WhatsApp erhob Salvini den Vorwurf der Erpressung. "Wir akzeptieren keine Befehle", schrieb er.

Im Video: Seenotrettung im Mittelmeer - das Dilemma der Kapitäne

Sea-Eye

Die "Gregoretti" hatte am Sonntag mit mehr als hundert geretteten Migranten an Bord im Hafen der sizilianischen Stadt Augusta angelegt. Dort mussten die Flüchtlinge mehrere Tage an Bord ausharren, ehe Salvini bekannt gab, dass sie an Land gelassen würden. Er habe sich nur deshalb dazu entschlossen, weil Deutschland, Portugal, Luxemburg, Frankreich und Irland sowie einige kirchliche Strukturen in Italien sich bereit erklärt hätten, die Migranten aufzunehmen, teilte Salvini auf Facebook mit.

Sea-Eye-Sprecher: "Nicht mit der italienischen Regierung anlegen"

Die "Alan Kurdi" der Regensburger Organisation Sea-Eye hatte die 40 Migranten diese Woche vor Libyen gerettet. Das Schiff befindet sich derzeit südlich der italienischen Insel Lampedusa. Salvini hat dem Schiff die Einfahrt verboten.

Die Organisation werde sich nicht über das Verbot hinwegsetzen und hoffe auf eine schnelle Lösung, sagte Sea-Eye-Sprecher Gorden Isler. "Es ist nicht unsere Aufgabe, uns mit der italienischen Regierung anzulegen." Das Schiff unter deutscher Flagge werde vor italienischen Territorialgewässern stoppen.

Die Lage an Bord sei stabil, sagte Isler. Sea-Eye werde die italienische Regierung aber auffordern, 15 Minderjährige, darunter drei Kleinkinder, sowie deren Eltern und eine Schwangere von Bord zu bringen. Die meisten Migranten stammen aus der Elfenbeinküste oder aus Kamerun.

Salvini gegen die Seenotretter: das nächste Kapitel

Seenotretter aus Deutschland sind seit Wochen so etwas wie die Lieblingszielscheibe des italienischen Innenministers. Ende Juni legte das Rettungsschiff "Sea-Watch 3" ohne Erlaubnis der italienischen Regierung im Hafen von Lampedusa an.

Die "Sea-Watch 3" hatte mit Dutzenden aus Seenot geretteten Menschen an Bord zuvor tagelang auf eine Genehmigung gewartet und nach Angaben der Kapitänin, Carola Rackete, kaum noch Vorräte an Bord gehabt.

Bei der Einfahrt in den Hafen streifte Rackete ein Schiff der italienischen Finanzpolizei. Salvini bezeichnete die Niedersächsin daraufhin unter anderem als kriminell und die "Sea-Watch 3" als Piratenschiff. Rackete wurde festgenommen und unter Hausarrest gestellt, dann aber wieder freigelassen.

asa/dpa



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