Maul- und Klauenseuche Die Lage in Großbritannien wird immer prekärer

Auf der britischen Insel breitet sich die Maul- und Klauenseuche (MKS) immer weiter aus. Am Freitag wurde die Krankheit in 16 neuen Orten nachgewiesen. Auf dem Festland gelten von Samstag an die Verbote für Transporte und Viehmärkte.


Die Maul- und Klauenseuche ist in England unaufhaltsam auf dem Vormarsch
AFP

Die Maul- und Klauenseuche ist in England unaufhaltsam auf dem Vormarsch

London/Brüssel - Es war die stärkste Zunahme in Großbritannien an einem Tag seit Ausbruch der Seuche vor zweieinhalb Wochen. Erstmals erkrankten auch Tiere in der südenglischen Grafschaft Somerset. Nach Angaben von Chefveterinär Jim Scudamore erlebt Großbritannien zurzeit eine "zweite Welle" der Infektion bei Rindern. Die Tiere seien meist mit Schafen in Kontakt gekommen. Insgesamt waren damit am Freitag 123 Fälle registriert.

Scudamore wollte sich nicht darauf festlegen, ob den Behörden eine "Eingrenzung" der Krise gelungen sei. Davon könne man nur in dem Sinne sprechen, als dass bisher die meisten Fälle mit einander in Verbindung gestanden hätten, erläuterte er. "Wenn ein neuer Fall auftaucht, den wir nicht nachverfolgen können, dann haben wir ein echtes Problem." Nach Scudamores Angaben sind bisher 73.000 Tiere gekeult worden.

EU wappnet sich

Am Samstag treten auf dem Festland die Verbote für Tiertransporte und Viehmärkte in Kraft
DPA

Am Samstag treten auf dem Festland die Verbote für Tiertransporte und Viehmärkte in Kraft

Die neuen EU-weiten Vorsichtsmaßnahmen gegen die Ausbreitung der Maul- und Klauenseuche treten an diesem Samstag in Kraft. Damit werden alle Viehmärkte und -sammelstellen in der gesamten EU für zunächst zwei Wochen geschlossen. Außerdem gilt für denselben Zeitraum ein Transportverbot für alle Tiere, die sich mit der Seuche infizieren könnten.

Alle Räder von Fahrzeugen, die von Großbritannien in andere EU-Mitgliedsländer fahren, müssen desinfiziert werden. In Ausnahmefällen können die Behörden eine Transportgenehmigung für solche Tiere erteilen, die direkt zur Schlachtung oder von einem Hof zum anderen gefahren werden

Das umfassende Ausfuhrverbot für Großbritannien gilt nach der Entscheidung der EU-Kommission zunächst weiter bis zum 27. März. Mit der Fortsetzung des Exportembargos werden Schutzmaßnahmen fortgeführt, die die EU-Kommission direkt nach Bekanntwerden der Krankheitsfälle in Großbritannien ergriffen hatte. Danach ist die Ausfuhr von lebenden Tieren, Frischfleisch und Fleischprodukten sowie Milch und Milchprodukten und von weiteren tierischen Erzeugnissen in andere Staaten der EU verboten.

Wie ein Sprecher von EU-Verbraucherschutzkommissar David Byrne am Freitag in Brüssel mitteilte, übernahm die Kommission die Vorschläge des Ständigen EU-Veterinärausschusses ohne Änderungen. Danach werden die Maßnahmen erstmals seit Ausbruch der Maul- und Klauenseuche in Großbritannien auch auf den europäischen Kontinent ausgeweitet. Der EU-Veterinärausschuss wird sich voraussichtlich am 21. März erneut treffen, um über eine mögliche Verlängerung der Maßnahmen zu beraten.



© SPIEGEL ONLINE 2001
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.