Zerstörtes Welterbe Islamist Mahdi wegen Kriegsverbrechen in Mali verurteilt

Er befahl und beaufsichtigte die Zerstörung mittelalterlicher Bauwerke in Mali: Wegen dieses Kriegsverbrechens in Timbuktu ist der Islamist Ahmad Al Faqi al-Mahdi nun zu neun Jahren Haft verurteilt worden.

Timbuktu, Mali
UNESCO/ Lazare Eloundou Assomo

Timbuktu, Mali


Der malische Islamist Ahmad Al Faqi al-Mahdi ist wegen der Zerstörung des Unesco-Weltkulturerbes im malischen Timbuktu verurteilt worden. Der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag wertete seine Taten einstimmig als Kriegsverbrechen und verurteilte Mahdi zu neun Jahren Gefängnis.

Mahdi hatte im Sommer 2012 die Zerstörung von neun mittelalterlichen Mausoleen und einer Moschee in Timbuktu befohlen, sie überwacht und koordiniert - und sich zum Teil selbst daran beteiligt.

Im Prozess hatte Mahdi erklärt, er habe gegenüber den islamistischen Führern Bedenken gegen die Zerstörung geäußert, dann aber zugestimmt und die Vernichtung der Bauwerke ausführen lassen. Das ließ die Spruchkammer als mildernden Umstand gelten. Außerdem hatte Mahdi bis auf einen Fall vom Einsatz von Bulldozern abgeraten, um umliegenden Gräber nicht zu beschädigen.

Am ersten Verhandlungstag vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag hatte er sich schuldig bekannt und alle Anklagepunkte eingeräumt. "Bedauerlicherweise muss ich sagen, dass das, was ich soweit gehört habe, zutreffend ist und die Vorfälle richtig wiedergibt. Ich bekenne mich schuldig", so Mahdi Ende August. Auch das frühe Eingeständnis wertete das Gericht als mildernden Umstand.

REUTERS

Mahdi stammt aus der Region um Timbuktu, er kommt aus einer muslimischen Familie. Im April 2012 schloss er sich der radikalislamischen Ansar-Dine-Miliz an und wurde Anführer von deren Moralpolizei, der Hisbah. Die Gruppe führte als malischer Ableger der Terrororganisation al-Qaida im Islamischen Maghreb gemeinsam mit Tuareg-Milizen einen Aufstand gegen die malische Regierung. In Timbuktu und mehreren nordmalischen Städten errichteten die Islamisten ein religiöses Terrorregime unter dem Gesetz der Scharia. Ende 2012 griff Frankreich in den Konflikt ein und vertrieb gemeinsam mit der malischen Armee die Islamisten aus der Stadt.

Es ist das erste Mal, dass die internationale Strafgerichtsbarkeit die absichtliche Zerstörung kultureller Stätten als Kriegsverbrechen bewertet und in einem solchen Fall ein Urteil spricht. Die Mausoleen und die beschädigte Moschee wurden 2015 von lokalen Handwerkern und unter Aufsicht der Unesco wiedererrichtet.

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Zerstörtes Unesco-Welterbe: Islamistischer Kulturvernichter verurteilt

cht

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