Mazedonien-Einsatz Bundeswehr soll Blutbad verhindern

Nato-Generalsekretär George Robertson rechnet fest mit einer deutschen Beteiligung beim Militäreinsatz in Mazedonien. Das Bündnis hatte den Beginn der Operation "Essential Harvest" am Mittwoch definitiv beschlossen.


Joseph Ralston berichtete den Nato-Botschaftern
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Joseph Ralston berichtete den Nato-Botschaftern

Brüssel - Er könne sich nicht vorstellen, dass das deutsche Parlament die Beteiligung an einem Einsatz verweigern werde, der ein Blutbad verhindern solle, sagte Robertson. "Der Einsatz ist beschlossen", hatte ein Nato-Sprecher am Mittag in Brüssel verkündet. Damit erging wie erwartet für 3500 Soldaten der Einsatzbefehl zur freiwilligen Entwaffnung albanischer Rebellen.

Das Mandat ist auf 30 Tage beschränkt und erlaubt den Soldaten lediglich Maßnahmen zur Selbstverteidigung. Bereits seit einigen Tagen sondiert ein 400 Mann starkes Vorauskommando, das vor allem von Briten gestellt wird, die Lage. Die deutschen Einheiten sollen vor allem aus dem benachbarten Kosovo kommen.

Die unklaren Mehrheitsverhältnisse im Bundestag veranlassten Robertson zu der Bemerkung: "Ich erwarte keine Probleme im Bundestag." Deutschland habe eine Tradition von Beteiligungen an Nato-Einsätzen und könne mithelfen, ein Blutbad zu verhindern. Die Mazedonien-Operation "Essential Harvest" (Bedeutende Ernte) hänge aber nicht von einem Einzelnen der 19 Mitgliedsländer ab. Den Einsatzbefehl bezeichnete Robertson auch als "historischen Schritt für die Stabilität auf dem Balkan".

Wie viele Waffen haben die Albaner?

Die tschechischen Fallschirmspringer sind schon seit Freitag in Mazedonien
DPA

Die tschechischen Fallschirmspringer sind schon seit Freitag in Mazedonien

Robertson gab zu, dass die Operation Risiken berge. So könnten Extremisten versuchen, die Übereinkunft von Skopje zur Feuerpause zwischen Armee und Rebellen und zur Verfassungsreform aus der Spur zu werfen. Seine Botschaft an die Rebellen laute deshalb: Gewalt ist keine Lösung. Und wenn die Nato-Truppe angegriffen werden sollte, werde sie sich entschieden zur Wehr setzen, kündigte er an.

Wie viele Waffen von der Nato-Truppe eingesammelt und zerstört werden sollen, darauf wollte sich Robertson auf der Pressekonferenz in Brüssel nicht festlegen. Die Zahl der Waffen müsse "realistisch" sein im Blick auf die Quantität und die Qualität, um die Entwaffnung als glaubwürdig bezeichnen zu können, sagte Robertson. In Nato-Kreisen hieß es, niemand erwarte, dass die UCK-Rebellen sämtliche Waffen abgeben würden.

Noch für Mittwoch ordnete die britische Regierung den Abflug von 700 Soldaten des 2. Fallschirmjäger-Regiments aus Colchester nach Mazedonien an, die dort am Donnerstagmorgen erwartet werden.



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