Flüchtlingsdrama Tumulte an Mazedoniens Grenze - zahlreiche Verletzte

Mazedonien hat seine Grenze zu Griechenland für einige Hundert Menschen wieder geöffnet - die Folge war ein Massenansturm. In dem Gedränge wurden offenbar zahlreiche Personen eingequetscht.
Flüchtlinge und Polizisten an der Landesgrenze: Immer wieder Zwischenfälle

Flüchtlinge und Polizisten an der Landesgrenze: Immer wieder Zwischenfälle

Foto: OGNEN TEOFILOVSKI/ REUTERS

Die Lage im Grenzgebiet von Mazedonien und Griechenland wird immer dramatischer. Seit Donnerstag hatten Tausende Flüchtlinge vergeblich auf eine Einreise gewartet - weil die mazedonische Regierung den Übergang kurzerhand geschlossen hatte. Nun durften einige Hundert Menschen passieren. In der Folge versuchten allerdings immer mehr Personen, ebenfalls über die Grenze zu kommen. Bei dem Ansturm soll es mehrere Verletzte gegeben haben.

Augenzeugen berichteten der Nachrichtenagentur Reuters von mindestens zehn Menschen, die in dem Massenandrang das Bewusstsein verloren hätten. Man habe die Schreie von Verletzen gehört, Rettungskräfte seien herbeigeeilt. Mindestens tausend Menschen, so die Zeugen weiter, hätten sich gegen die Sperrlinien der mazedonischen Polizei geworfen.

Das Land hatte am Donnerstag den Ausnahmezustand ausgerufen und damit die Grenzen faktisch dicht gemacht. Am Freitag erklärte der Innenminister jedoch, das Land werde so viele Flüchtlinge hereinlassen, wie es weitertransportieren und versorgen könne.

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Mazedonien: Eskalation im Grenzgebiet

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Zuletzt war die Polizei mit Tränengas und Blendgranaten gegen Flüchtlinge vorgegangen. Auch dabei hatte es zahlreiche Verletze gegeben. Die Konfrontation dauerte nur wenige Minuten und wurde beruhigt, indem Frauen und Kinder nach vorne geschickt wurden. Ein Sprecher des mazedonischen Innenministeriums bestritt, dass es überhaupt zu dem Vorfall gekommen sei.

Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen teilte dagegen mit, ihr Team habe zehn Flüchtlinge behandelt, "die durch Blendgranaten der mazedonischen Einheiten verletzt wurden". Vier Flüchtlinge hätten ins Krankenhaus gebracht werden müssen.

Die Vereinten Nationen zeigten sich besorgt über das Vorgehen der Sicherheitskräfte. António Guterres, Uno-Hochkommissar für Flüchtlinge, rief die Regierung Mazedoniens am Freitag auf, für einen ordentlichen und sicheren Umgang mit Flüchtlingen zu sorgen. Die Uno sei bereit, den Staat bei der Schaffung ausreichender Kapazitäten zur Betreuung der aus Griechenland kommenden Flüchtlinge zu unterstützen.

Bei Nacht über die Grenze

Trotz des Polizeiaufgebots gelang es in der Nacht einer Gruppe von rund 250 Flüchtlingen, in einem Wald die Grenze zu überqueren. Sie warteten am Freitag am Bahnhof des Grenzorts Gevgelija auf einen Zug zur Weiterfahrt nach Norden, wie einige von ihnen der Nachrichtenagentur AFP sagten.

Anders als in den vergangenen Wochen erhielten sie aber keine Papiere mehr, um in Züge nach Serbien zu steigen und von dort weiter Richtung EU zu reisen. "Sie wollen uns wohl nach Griechenland zurückbringen", sagte ein 24-jähriger Student aus Damaskus. "Wir sind völlig erschöpft."

Die ehemalige jugoslawische Teilrepublik hat sich zu einem der Haupt-Transitländer für Flüchtlinge entwickelt. Tausende Migranten versuchen täglich, über Griechenland weiter in die nördlichen Staaten der EU zu gelangen.

Route über den Balkan: Immer mehr Menschen auf der Flucht

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Seit Juni gilt in Mazedonien ein neues Gesetz, das Flüchtlingen 72 Stunden Zeit gibt, durch das Land zu reisen und dabei auch öffentliche Verkehrsmittel kostenlos zu nutzen. Seitdem schwillt die Zahl der Flüchtlinge im Grenzort Gevgelija täglich weiter an. In Griechenland waren allein im Juli 50.000 Menschen aus unterschiedlichen Staaten angekommen, weit mehr als im gesamten vergangenen Jahr.

jok/Reuters/dpa/AFP
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