Mazedonien-Konflikt Rebellen-Attacke aus dem Hinterhalt

Nachdem sich die Lage in den vergangenen Wochen leicht beruhigt hatte, ist es in Mazedonien erneut zu einem bewaffneten Zwischenfall gekommen: Bei einem Schusswechsel nahe der Stadt Tetovo wurden acht mazedonische Sicherheitskräfte getötet und mehrere verletzt.


Gefechte nahe Tetovo Ende März: Albaner fordern mehr Gleichberechtigung in Mazedonien
AFP

Gefechte nahe Tetovo Ende März: Albaner fordern mehr Gleichberechtigung in Mazedonien

Skopje - Das mazedonische Innenministerium teilte mit, die vier getöteten Soldaten und vier Polizisten hätten einer Patrouille angehört, die nahe dem Dorf Vejce mit Maschinengewehren und Raketenwerfern beschossen worden sei. Nach der Erwiderung des Feuers hätten sich die Angreifer zurückgezogen. Die Situation sei danach ruhig gewesen.

In Regierungskreisen in Skopje hieß es, die Sicherheitskräfte seien in einen Hinterhalt von albanischen Extremisten geraten. Als Reaktion auf den Vorfall wurde ein nächtliches Ausgehverbot verhängt. Zudem verstärkte das mazedonische Militär die Truppen in der Grenzregion zum Kosovo. Der politische Führer der albanischen Rebellen, Ali Ahmeti, sagte, diese seien nicht für den Angriff verantwortlich.

Reaktionen von Nato und EU

Die Nato und die EU-Präsidentschaft verurteilten den tödlichen Mörsergranatenangriff in scharfer Form. Nato-Generalsekretär George Robertson sagte am Sonntag in Brüssel, er sei entsetzt und empört über die "feige Tat der Extremisten".

Die schwedische EU-Präsidentschaft nannte die Attacke den Versuch, den Dialog der demokratisch gewählten Vertreter in Mazedonien zu stören. Sie forderte die demokratischen Kräfte auf, die Extremisten zu isolieren und ihre Arbeit für die nationale Einheit fortzusetzen. Die EU stehe bereit, um diese Bemühungen zu unterstützen. Beobachter befürchten nach dem Angriff ein Wieder-Aufflammen der Kämpfe zwischen albanischen Rebellen und mazedonischen Einheiten.

Eskalation im März

Im März hatten albanische Extremisten tagelang die nordmazedonische Stadt Tetevo unter Beschuss genommen, ehe sie sich nach Beginn einer mazedonischen Offensive von den Hügel vor der Stadt zurückzogen. Die internationale Kosovo-Friedenstruppe (Kfor) erklärte, zur Zeit des Zwischenfalls am Samstag sei ein Logistik-Konvoi der Bundeswehr auf dem Weg in den Kosovo gewesen. Es habe gebe jedoch keine Informationen, dass Kfor-Truppen in den Vorfall verwickelt gewesen seien. Die Bundeswehr versorgt die Kfor-Truppen im Kosovo von Tetevo aus mit Nachschub.

Vorwurf des Separatismus

Die mazedonische Regierung wirft den albanischen Extremisten vor, separatistische Ziele zu verfolgen, während diese sich nach eigenen Angaben für die Gleichberechtigung der albanischstämmigen Bevölkerung in Mazedonien einsetzen. Die mazedonische Regierung hat der Europäischen Union zugesagt, bis Juni politische Reformen umzusetzen, mit denen die ethnischen Spannungen verringert werden sollen. Die albanischstämmige Bevölkerung sieht sich in Mazedonien gegenüber der slawischen Mehrheit diskriminiert. Etwa ein Drittel der mazedonischen Bevölkerung ist albanischstämmig.



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